Riesige Vertrauenskrise

Dänemark leiht sich Geld zu negativen Zinsen

Das Misstrauen an den Märkten ist enorm – und treibt Sparer in die Verlustzone. Für Sicherheit verzichten sie nicht nur auf Zinsen. Sie legen sogar noch etwas drauf.

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Angesichts der Unsicherheit wegen der Schuldenkrise zahlen Investoren Dänemark eine Prämie, um dem Staat Geld leihen zu können. Die dänische Zentralbank platzierte Geldmarktpapiere von drei-, sechs- und neunmonatiger Laufzeit im Wert von 2,32 Milliarden dänischen Kronen (rund 310 Millionen Euro). Die Rendite für die Investoren lag bei zwei der drei Emissionen unter null Prozent, faktisch zahlen die Anleger also ein Prämie.

„Es war die erste Auktion mit negativen Zinsen, die wir bisher hatten“, sagte der für das Schuldenmanagement in der Zentralbank zuständige Ove Jensen. Die Anleger schauten auf Qualität, Zinsen seien nicht so wichtig. „Wichtig ist, dass man sein Geld zurückbekommt“, sagte Jensen.

Die negative Rendite bei den dänischen Papieren war allerdings gering: Bei den dreimonatigen Titeln lag sie bei 0,21 Prozent im Minus, bei den sechsmonatigen Papieren bei minus 0,07 Prozent. Mit der neunmonatigen Anleihen können Investoren eine Mini-Rendite von plus 0,03 Prozent einstreichen.

Kaum besser ist die Lage in Deutschland. Denn die sicherste Anleihe in der Euro-Zone, die Bundesanleihe, wirft zwar Zinsen ab. Derzeit werden 1,9 Prozent gezahlt. Doch angesichts der Inflationsrate von 2,1 Prozent ist die Realrendite auch negativ.

Das Misstrauen am Finanzmarkt ist enorm hoch. Nach Weihnachten hatten die Banken an zwei Tagen in Folge so viel Geld wie noch nie zuvor bei der Europäischen Zentralbank geparkt, anstatt es für viel höhere Zinsen an andere Institute zu verleihen. So stieg das Volumen in der sogenannten Einlagefazilität den zweiten Tag infolge auf ein Rekordvolumen, zuletzt auf 452 Milliarden Euro. Der EZB zahlt nur 0,25 Prozent Zinsen.

Sind italienische Anleihen eine Alternative?

Wer tatsächlich mit Staatsanleihen eine ordentliche Rendite bekommen möchte, muss auf mögliche Wackelkandidaten setzen. Das hochverschuldete Italien gibt derzeit Anleihen für knapp sieben Prozent heraus. In den vergangenen Tagen ist die Rendite gesunken, was für ein steigendes Vertrauen an den Märkten spricht.

Der Versicherungskonzern Allianz traut sich jedoch weit vor mit der Behauptung, es bestehe kein Ausfallrisiko bei italienischen Anleihen. Der designierte Allianz-Finanzvorstand Maximilian Zimmerer sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, der Anteil italienischer Staatsanleihen an den Kapitalanlagen der Allianz Lebensversicherung liege bei über zwei Prozent. „Hier sehe ich aber kein Ausfallrisiko. Ich halte die Zinsen sogar für hochattraktiv“, sagte Zimmerer.