Börsen-Bericht

Dax erholt sich vor italienischer Bond-Auktion

Der Euro fällt unter die wichtige Marke von 1,30 Dollar. Händler sehen teure Sicherungsgeschäfte als Ursache für die Talfahrt.

Vor der mit Spannung erwarteten Emission weiterer italienischer Anleihen hat der Dax leicht zugelegt. Er gewann zur Eröffnung 0,6 Prozent auf 5807 Punkte, nachdem er am Vortag um zwei Prozent abgerutscht war.

„Wenn diese Auktion ebenfalls erfolgreich verläuft, könnte das dem Euro und den Aktienmärkten etwas Rückenwind geben“, schrieb Analyst Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler in einem Kommentar. „Aber insgesamt haben die Anleger das Jahr 2011, das mit deutlichen Verlusten der meisten Aktienindizes endet, offenbar schon abgeschrieben.“

Italien will drei- und zehnjährige Papiere im Volumen von 8,5 Milliarden Euro verkaufen. Die Auktion kurzlaufender Papiere am Vortag war auf reges Interesse gestoßen.

Bei den Einzelwerten waren unter anderem PNE Wind, die keinem der großen Indizes enthalten sind, gefragt. Die Aktien stiegen vier Prozent auf 1,82 Euro, nachdem der Projektentwickler den Verkauf des geplanten Windparks „Gode Wind II“ in der Nordsee an den dänischen Investor Brancor Capital bekanntgegeben hatte.

Euro knapp über Jahrestief

Unmittelbar vor dem Jahresende hat der Euro zu einer Talfahrt angesetzt und ist am frühen Morgen zeitweise unter die Marke von 1,29 Dollar gerutscht. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,2886 Dollar und hielt sich damit nur ganz knapp über dem bisherigen Jahrestiefststand von Mitte Januar.

Im weiteren Handelsverlauf konnte sich die Gemeinschaftswährung aber wieder etwas erholen und stand zuletzt bei 1,2930 Dollar. Ein Dollar kostete damit 0,7734 Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag noch auf 1,3074 (Dienstag: 1,3069) Dollar festgesetzt.

Die Talfahrt des Euro begann am späten Mittwochnachmittag. Experten erklärten die starken Kursverluste unter anderem mit Sicherungsgeschäften gegen einen fallenden Euro. Für diese sogenannten Hedgegeschäfte habe es für US-Unternehmen gestern die letzte Möglichkeit in diesem Jahr gegeben und viele Firmen hätten davon vor dem Hintergrund der Euro-Schuldenkrise regen Gebrauch gemacht, hieß es weiter. Dies habe den Kurs des Euro unter Verkaufsdruck gesetzt.

Zudem sprachen Händler von insgesamt geringen Umsätzen an den Devisenmärkten. Daher hätten die Sicherungsgeschäfte amerikanischer Firmen eine ungewöhnlich starke Wirkung beim Euro-Kurs gezeigt.

Aktienmärkte in Asien vor Jahresende unter Druck

Die asiatischen Aktienmärkte haben sich am Donnerstag kurz vor Jahresende bei dünnen Umsätzen nervös präsentiert. Eine erwartete Milliarden-Emission italienischer Staatsanleihen sorgte Händlern zufolge für zusätzliche Unsicherheit. Die schwachen Vorgaben aus den USA sowie Europa taten ihr Übriges.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index noch 0,3 Prozent schwächer bei 8398 Punkten. Zuvor hatte er sogar mehr als ein Prozent verloren. Der breiter gefasste Topix-Index beendete den Handel fast unverändert bei 722 Zählern. Vor allem die Titel exportorientierter Unternehmen mit einem hohen Geschäftsanteil in Europa mussten Einbußen hinnehmen.

Fast alle konnten ihre Verluste bis Handelsende aber wieder eingrenzen: Die Aktien des Elektronikkonzerns Sony schlossen kaum verändert, Canon verloren noch 0,4 Prozent, und der Roboter-Hersteller Fanuc ging mit minus 0,5 Prozent aus dem Handel. Die Investoren stießen allerdings massiv Papiere des Chipherstellers Elpida ab, der Medienberichten zufolge Staatshilfen erst verzögert zurückzahlen will. Der Kurs sackte um fast sechs Prozent ab.

„Alle halten ihr Geld zusammen und niemand ist bereit, ein Risiko einzugehen“, sagte Hajime Nakajima von Xosmo Securities. „In einer solchen Marktstimmung kann das Geld nirgendwohin fließen.“ Seiner Schätzung zufolge wird der Nikkei mit einem Stand bei 8300 Punkten ins neue Jahr gehen. Die Aktienmärkte in Südkorea, Taipeh und Singapur notierten kaum verändert. In Hongkong und Shanghai zeichnete sich keine einheitliche Tendenz ab.