Staatsfonds

Jetzt reizt China seine finanzielle Macht aus

Ein Währungsabkommen mit Japan soll Rolle des chinesischen Yuan stärken. Gleichzeitig gehen die Staatsfonds auf Einkaufstour.

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Während der Weihnachtsfeiertage schauen westliche Beobachter meist nicht so genau hin, wenn in der Welt etwas Wichtiges passiert. Daher ist es wohl kein Zufall, dass aus China ausgerechnet in den vergangenen Tagen gleich eine ganze Reihe von Nachrichten kam, die das Zeug haben, langfristig an den Märkten einiges auf den Kopf zu stellen.

Das Reich der Mitte will sich offenbar als das neue Zentrum der Finanzwelt etablieren. Dabei ist das Abkommen, das während eines Besuches des japanischen Ministerpräsidenten Yoshihiko Noda in Peking zwischen den beiden Ländern geschlossen wurde, nur ein Puzzle-Teil in einem größeren Bild, das allmählich Kontur annimmt. Und darin wird der Westen zusehends an den Rand gedrängt.

China und Japan hatten verkündet, dass künftig im Handel zwischen der zweit- und der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt verstärkt die eigenen Währungen genutzt werden sollen, nicht mehr der US-Dollar. Solche Abkommen schließt China schon seit einigen Jahren mit immer mehr Ländern. Doch bisher waren dies meist kleinere Staaten, deren Handel mit China kaum ins Gewicht fällt. Japan dagegen ist einer der größten Handelspartner des Landes.

„Aus Sicht Chinas ist dies ein weiterer Schritt, seine Finanzmärkte zu öffnen“, sagt Takuji Okubo von der Société Générale. Schon vor einigen Jahren hatte Peking das Ziel ausgegeben, Shanghai bis 2020 zu einem internationalen Finanzzentrum auszubauen. Voraussetzung dafür ist jedoch eine Liberalisierung des Finanzwesens und freier Handel der eigenen Währung. Das Abkommen war somit ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Doch der eigentliche Sprengsatz liegt im zweiten Teil der Vereinbarung. So will China Japan auch ermöglichen, künftig einen Teil seiner Devisenreserven in Yuan anzulegen. Beide Länder sind die größten Gläubiger der Welt, China hat inzwischen rund 3,2 Billionen Dollar auf der hohen Kante, Japan rund eine Billion. Der größte Teil davon ist jeweils am amerikanischen Markt investiert.

Beiden Ländern gemeinsam ist dabei jedoch die zunehmende Unzufriedenheit mit dieser Lage. Die US-Wirtschaft lahmt und das Land versucht dies durch ratternde Notenpressen zu überwinden. Die Gläubiger fürchten daher um den Wert ihrer Anlagen.

Künftig kann nun Japan auf den chinesischen Yuan ausweichen. Anfänglich sollen es zwar umgerechnet nur etwa zehn Milliarden Dollar sein, die Tokio in China anlegen will. Doch das ist erst der Anfang. Zudem durften alle ausländischen Anleger bisher über spezielle Quoten (so genannte QFII) gerade mal 20 Milliarden Dollar pro Jahr im Reich der Mitte anlegen. Dieses Volumen wird nun um einen Schlag um 50 Prozent erhöht.

Die Vereinbarung ist daher nicht nur ein Zeichen der zunehmenden Öffnung des chinesischen Finanzmarktes . Sie ist vor allem auch ein klarer Angriff auf die Vormachtstellung des Dollar. China will sich von der sklavischen Bindung an die US-Währung befreien und verbündet sich dazu mit anderen Staaten, die das gleiche Ziel verfolgen. Mit dem Ergebnis, dass Chinas Yuan langfristig den Dollar als Reservewährung ablösen könnte.

Staatsfonds werden gestärkt

Doch damit nicht genug. China geht auch an anderen Fronten voran. So wurde am Tag vor Heiligabend bekannt, dass Peking seinen Staatsfonds CIC mit zusätzlichen 50 Milliarden Dollar ausstatten will. Außerdem sollen noch zwei weitere Fonds im Volumen von 300 Milliarden Dollar gegründet werden. Mit diesem Geld sollen sie weltweit auf Einkaufstour gehen, die bisher angehäuften Reserven also dazu nutzen, strategisch wichtige Firmen und Rohstoffvorkommen aufzukaufen.

Was das heißt, war da gerade wieder demonstriert worden. Denn am 22. Dezember hatte das Staatsunternehmen San Xia („Drei Schluchten“), das den Drei-Schluchten-Staudamm am Jangtsekiang betreibt, den Zuschlag für eine 21-prozentige Beteiligung am portugiesischen Versorger EDP erhalten und dabei den deutschen Energiekonzern E.on aus dem Feld geschlagen. China nutzt also die Gunst der Stunde, da die angeschlagenen Staaten Südeuropas ihr Tafelsilber verkaufen müssen, und wirft dabei seine Milliarden auf den Tisch.

Aber nicht nur Portugiesen oder Griechen müssen einen Ausverkauf fürchten. Auch hierzulande dürfte China vielleicht schon bald zuschlagen. So soll der Automobilhersteller Daimler Berichten zufolge ganz oben auf der Pekinger Einkaufsliste stehen. Gedacht sei an eine Beteiligung von fünf bis zehn Prozent.

Interessanterweise hatte Peking erst kurz vor Weihnachten Strafzölle für Autos angekündigt, die in den USA produziert und nach China exportiert werden. Betroffen sind davon jedoch weniger General Motors oder Chrysler, die meist vor Ort in China produzieren, als vielmehr Firmen wie BMW oder eben Daimler, die Autos, die sie nach China exportieren, teilweise in den USA herstellen – ein Schelm, der Böses dabei denkt. Aber vielleicht lässt China ja mit sich handeln – wenn die Beteiligung an Daimler dann erst einmal unter Dach und Fach ist.

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