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Das waren die besten Aktien im Euro-Krisen-Jahr

Einige Aktien scheinen immun gegenüber der Panik an den Weltbörsen. Trotz Euro-Krise kletterten die Kurse dieser Firmen auf neue Rekorde.

Foto: ddp, Infpgrafik DWO / ddp, Infografik DWO

Die ganze Welt steckt in der Krise. Alle Aktienanleger machen schwere Zeiten durch. Alle? Nein. Es gibt einige wenige Unternehmen, deren Kurs scheinbar keine Krise kennt. Er steigt und steigt, ohne Rücksicht auf die Entwicklungen in der Euro-Zone, ohne Rücksicht auf Rezessionsängste. Die Firmen sind heute sogar mehr wert als 2007, am Höhepunkt vor Beginn der Finanzkrise – und ein Ende des Aufwärtstrends ist nicht zu erkennen.

Natürlich sind Kursentwicklungen der Vergangenheit kein Garant dafür, dass es in der Zukunft genauso weitergeht. Das weiß jeder Aktionär nur allzu gut. Dennoch lohnt es sich, diese Firmen genauer anzusehen. Denn sie haben eines gemeinsam: ein Geschäftsmodell, das entweder von Faktoren getragen wird, die von der Krise nicht erfasst werden, oder das so stark ist, dass es die Einflüsse der wirtschaftlichen Flaute überlagert. Wir stellen acht dieser Überfliegeraktien aus den letzten Jahren vor.

MasterCard

Ein Plus von rund 75 Prozent allein in diesem Jahr, und sogar gegenüber dem einstigen Hoch des Jahres 2008 hat die Aktie von MasterCard inzwischen einen Vorsprung von rund 40 Prozent.

Das Kreditkartenunternehmen ist einer der größten Profiteure der digitalen Revolution. Denn immer mehr Menschen kaufen im Internet und bezahlen dabei per Karte. So stiegen allein in den USA die Umsätze von MasterCard in den ersten neun Monaten des Jahres um 18 Prozent – und das trotz Konsumflaute. Zudem expandiert das Unternehmen in andere Länder und arbeitet fieberhaft an der Entwicklung neuer Bezahlsysteme, etwa in Kooperation mit Google.

IBM

Auch IBM hat solch eine Wachstumsbranche für sich entdeckt, der keine Krise etwas anhaben kann. In diesem Fall handelt es sich um das sogenannte Cloud Computing . Dabei werden Daten nicht mehr auf individuellen Festplatten gespeichert, sondern dezentral im Internet, in virtuellen Datenwolken. Erst vor einer Woche gab IBM die Übernahme von DemandTec bekannt.

Das Software-Unternehmen ist im Geschäft mit Cloud-Computing aktiv und soll IBMs Aktivitäten hier noch verstärken. Der Aktienkurs ist inzwischen nach einer Rallye fast ohne Unterbrechungen wieder weit über dem Zwischenhoch von 2008 . Und mehr noch: Es fehlen nur noch wenige Dollar bis zum Allzeithoch des Jahres 2000 – den Rekord aus den Zeiten der Technologieblase einzustellen ist bisher kaum einem Technologiekonzern gelungen.

McDonald’s

Hierzulande finden die fettigen Fleischklopse in labberigen Brötchen nur wenige neue Liebhaber. In vielen Schwellenländern steht das US-Schnellrestaurant jedoch für den westlichen Lebensstil schlechthin und wird entsprechend gern besucht.

In China beispielsweise will McDonald’s daher bis 2013 jeden Tag eine neue Filiale eröffnen. Umsatz und Gewinn steigen folglich unaufhörlich, und in den vergangenen fünf Jahren konnte daher nicht einmal die Finanzkrise der Aktie viel anhaben. Gerade mal zehn Prozent gab sie in der ersten Hälfte des Jahres 2009 nach. Und seither geht es mit dem Kurs unablässig aufwärts, er hat sich fast verdoppelt. Solange der Appetit in den Schwellenländern nicht gesättigt ist, scheint kein Ende des Trends absehbar.

Starbucks

Ganz ähnlich ist die Geschichte bei Starbucks. Auch hier ist es der Kaffeedurst in der ganzen Welt, der nach immer neuen Filialen verlangt. Hinzu kommt bei dem US-Unternehmen jedoch noch eine echte Turnaround-Story: Im Jahr 2007 schien der Wachstumstrend für das Unternehmen seinen Höhepunkt erreicht zu haben.

Die Aktie brach daraufhin bis Ende 2008 um über 80 Prozent ein. Dann kam jedoch Firmengründer Howard Schultz zurück an die Spitze des Unternehmens und schaffte die Wende. Seither geht es schnurgerade nach oben mit dem Kurs , inzwischen hat er sogar das Hoch von 2006 wieder übertroffen. Auch hier gilt: Erst wenn die Geschmacksnerven der Menschen irgendwann der Double-Vanilla-Frappuccino-Low-Fat-Grande-Kreationen – und deren stattlicher Preise – überdrüssig sind, dürfte der Trend sich wieder drehen.

British American Tobacco (BAT)

Lucky Strike, Dunhill, Peter Stuyvesant – das sind wohl die bekanntesten der etwa 200 Marken aus der Produktpalette des 1902 aus der Fusion zweier Unternehmen entstandenen Londoner Tabakkonzerns BAT (British American Tobacco).

Ein vermeintlich langweiliger Zigarettenhersteller – mit allerdings berauschender Performance: Seit Jahren kennt der Aktienkurs des nach Philip Morris zweitgrößten Tabakkonzerns der Welt nur noch eine Richtung: nach oben, völlig unbeeindruckt von all den Krisen und Problemen auf der Welt. Derzeit kommt der Aktie vor allem zugute, dass sie ein klassischer Defensivwert ist. Denn in einer unsicheren Anlagewelt sind Konzerne wie BAT, deren Wachstum relativ sicher erscheint, bei Anlegern in aller Welt besonders beliebt.

Next

Die Schuldenkrise macht dem britischen Einzelhandel zu schaffen. Der Staat muss sparen, gerade auch bei den sozialen Wohltaten. Immer mehr Menschen müssen daher auch auf der Insel jeden Penny umdrehen. In diesem Jahr begannen daher die Rabattschlachten der großen Einzelhandelsketten so früh wie nie zuvor.

Doch nicht alle fallen in das Klagelied der Kaufleute ein, die Regierung möge doch mit weiteren Konjunkturprogrammen den Konsum ankurbeln. Lord Wolfson, Chef des Einzelhändlers Next Plc, der zweitgrößte nach Marks & Spencer, hält nichts davon. Und sein Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr: Next kann als einzige der großen Ketten dem landesweiten Rabattwahn trotzen, legte auch für das dritte Quartal überraschend starke Zahlen vor. Das Unternehmen profitierte dabei vor allem von der guten Entwicklung beim Online-Shopping-Zweig Next Directory.

Gerry Weber

Auch in Deutschland gibt es Erfolgsgeschichten, die scheinbar nie enden. Das Bekleidungsunternehmen Gerry Weber aus dem westfälischen Halle gehört dazu. Bekannt ist das Unternehmen vielen durch den Tennissport: Seine Leidenschaft für den Sport verknüpfte Firmengründer Gerhard Weber seit jeher geschickt mit dem Imageaufbau seines Unternehmens.

Die Gerry Weber Open haben einen festen Platz im Turnierzirkus des weißen Sports, Superstar Roger Federer tritt regelmäßig beim Rasenturnier an. Doch auch die Konzernmarken, neben Gerry Weber Namen wie Samoon und Taifun, halten sich im schnelllebigen Modegeschäft konstant an der Spitze, zuletzt auch immer mehr in den Absatzgebieten USA und China. Und jüngst freuten sich die Aktionäre auch noch über ein klares Bekenntnis des Vorstands: Allein Anfang Dezember kauften Topmanager für mehr als 900.000 Euro Aktien des Unternehmens.

SGL Carbon

SGL Carbon ist eigentlich ein Unternehmen, das besonders stark den konjunkturellen Schwankungen ausgesetzt ist. So machte die Aktie denn auch das Auf und Ab der Wirtschaft der vergangenen Jahre mit – und dennoch lohnte es sich bei diesem Wert wie bei kaum einem anderen, diese Schwankungen einfach auszusitzen. Denn seit Ende 2002 hat sich der Unternehmenswert verachtfacht.

Grund dafür sind die Begehrlichkeiten, die der Fertigungsstoff Karbon in der Industrie auslöst: Vor allem im Fahrzeug- und Flugzeugbau, wo unter dem Druck der Energieeffizienz der Trend immer mehr zum Ultraleichtbau geht, ist das Material unersetzlich. Zunehmend eingesetzt wird es auch beim Bau von Windkraftanlagen. Der jüngste Kursaufschwung geht auf einen Bieterwettstreit der Autobauer VW und BMW bei SGL zurück. Beide Firmen wollen E-Fahrzeuge massentauglich machen und werden schon wissen, warum sie selbst bei hohen Kursen noch einsteigen.

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