Börsen-Bericht

Weihnachts-Shopping der Dax-Anleger bleibt aus

Die Verunsicherung kehrt an die Börsen zurück. Vor allem die drohenden Herunterstufungen der Ratingagenturen bereiten den Anlegern Sorgen.

Anleger haben sich am Handelstag vor Heiligabend mit Weihnachtseinkäufen an den europäischen Aktienmärkte n zurückgehalten. Der Dax beendete den Xetra-Handel 0,5 Prozent fester bei 5878,93 Punkten.

Dabei lag das Umsatzvolumen mit 1,1 Milliarden Euro rund 40 Prozent unter dem bereits niedrigen Wert des Vortages und fast 60 Prozent unter dem Niveau vom gleichen Tag des Vorjahres. „Viele Anleger haben nach diesem Chaos-Jahr 2011 die Faxen dicke und sich bereits in den Weihnachtsurlaub verabschiedet“, sagte ein Börsianer.

Ein anderer Händler machte drohende Herunterstufungen durch Ratingagenturen für das dünne Geschäft verantwortlich. Standard & Poor's überprüft nach eigenen Angaben derzeit die Bonität von 25 Staaten und 42 Banken aus Europa auf eine mögliche Herabstufung.

Einen Dämpfer erhielt die Anleger-Stimmung von den US-Verbraucherdaten. Die Konsumausgaben stiegen im November lediglich um 0,1 Prozent. Experten hatten mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. Der private Konsum steuert den Hauptteil zur US-Wirtschaftsleistung bei.

Überraschend starke Immobiliendaten sorgten dann aber für einen versöhnlichen Abschluss des Börsentages. Im November wurden so viele US-Eigenheime verkauft wie seit sieben Monaten nicht mehr. Der EuroStoxx50 notierte 0,6 Prozent fester bei 2288,41 Zählern. An der Wall Street lag der US-Standardwerteindex Dow Jones ebenfalls 0,6 Prozent im Plus.

Commerzbank verliert

Gefragt waren am Finanzwerte. So gehörte die niederländische ING mit einem Plus von zwei Prozent auf 5,68 Euro erneut zu den Favoriten im EuroStoxx50. Deutsche Bank gewannen 1,7 Prozent auf 29,80 Euro.

Commerzbank rutschten dagegen um 0,7 Prozent auf 1,34 Euro ab und waren damit Schlusslicht im Dax. Die Rating-Agentur Fitch senkte die Bonitätsnote für die Öffentlichen Pfandbriefe des Immobilienfinanzierers Eurohypo auf „AA“ von „AAA“. Die Commerzbank-Tochter hat sich laut Fitch dazu entschieden, nicht mehr an dem Rating-Prozess teilzunehmen. Damit fehlten die notwendigen Daten, um künftig die Bonität der Papiere zu bewerten.

Spitzenreiter der ersten deutschen Börsenliga waren allerdings Merck, deren Aktien 1,9 Prozent auf 76,75 Euro gewannen. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern ist mit einem Plus von knapp 30 Prozent der bislang stärkste Dax-Wert des Jahres. Der Leitindex selbst verlor 2011 rund 15 Prozent.

Uneinig waren sich die Anleger, wie die US-Erlaubnis für die Mega-Fusion von Deutscher Börse und Nyse Euronext zu beurteilen ist. Die Aktie drehte nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und schloss 0,2 Prozent tiefer. Nach Angaben des amerikanischen Justizministeriums ist der Zusammenschluss zum weltgrößten Börsenbetreiber unter der Voraussetzung genehmigt worden, dass sich eine Tochter der Deutschen Börse von ihrer Beteiligung an Direct Edge trennt.

Das Ja aus den USA sei zumindest ein Hoffnungsschimmer, dass es mit der Fusion doch noch klappe, sagte ein Händler. „Die Gefahr, dass die EU-Wettbewerbshüter zum Spielverderber im Fusionspoker werden, bleibt allerdings.“ Sowohl die EU als auch das hessische Wirtschaftsministerium als Börsenaufsicht haben Bedenken gegen das Vorhaben angemeldet.

Euro gibt in ruhigem Vorweihnachtshandel leicht nach

Der Euro hat vor dem Weihnachtswochenende in einem ruhigen Umfeld leicht nachgegeben. Am späten Freitagnachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,3040 US-Dollar und damit knapp einen halben Cent weniger als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,3057 (Donnerstag: 1,3047) Dollar festgelegt. Der Dollar kostete damit 0,7659 (0,7665) Euro.

Marktbeobachter sprachen von einem typischen Vorweihnachtshandel mit wenig Impulsen. Dass der Euro leicht unter Druck kam, erklärten sie vor allem mit dem geringen Handelsvolumen. Da viele Händler ihre Bücher bereits vor den Feiertagen schließen, fallen kleine Transaktionen stärker ins Gewicht. Auch zwischen den Jahren gilt der Devisenhandel aus diesem Grund als schwankungsanfällig.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,83310 (0,83250) britische Pfund, 101,93 (101,93) japanische Yen und 1,2221 (1,2232) Schweizer Franken fest.

Der Preis für eine Feinunze Gold wurde in London mit 1607,50 (1606,50) Dollar gefixt. Am Nachmittag wurde wegen eines verkürzten Handels kein Preis gestellt. Ein Kilogramm Gold kostete 38 900,00 (38 970,00) Euro.