Zertifikate

Euro-Skepsis lastet auf Dividenden-Erwartungen

Die Dividendenmärkte haben das Risiko einer anhaltenden Rezession bereits eingepreist. Discounter bieten mutigen Anlegern gute Renditen.

Die Angst vor einer Zuspitzung der Euro-Schuldenkrise und einem Konjunktureinbruch hinterlässt insbesondere bei den Dividenden-Erwartungen deutliche Spuren. Die an der Terminbörse gehandelten Dividenden-Futures für den Euro-Stoxx-50 sind seit dem Sommer regelrecht eingebrochen.

Die mit einer festen Laufzeit versehenen Finanzprodukte entsprechen bei Fälligkeit genau dem Wert der von den Indexmitgliedern in dem jeweiligen Jahr gezahlten Dividenden. Während der Laufzeit orientieren sich die Kurse an den Erwartungen der hier aktiven Marktteilnehmer. Und die sind momentan extrem skeptisch.

Der Future für 2012, der sämtliche Ausschüttungen der Unternehmen im kommenden Jahr berücksichtigt, ist seit Juli um rund 13 Prozent gefallen. Der Future für das Jahr 2013 hat seitdem sogar ein Drittel seines Wertes verloren. Auch die von Bloomberg befragten Analysten haben ihre Prognosen für die Ausschüttungen in den vergangenen Monaten reduziert, allerdings nicht in diesem Ausmaß. Und die Strategen von Goldman Sachs rechnen im kommenden Jahr mit einem negativen Wachstum in der Euro-Zone und demzufolge einem Gewinnrückgang der Unternehmen um rund zehn Prozent.

Für 2012 wird daher ein Rückgang der gewichteten Dividendensumme von gut 124 auf knapp 120 Punkte erwartet. Damit liegen die Analysten zwar unterhalb der Konsensschätzung, aber noch deutlich über dem bei rund 107 Punkten gehandelten Future. Wesentlich optimistischer zeigen sich die Banken insgesamt für die Entwicklung für das Jahr 2013.

Da wird dann wieder ein Anstieg der Dividendenzahlungen erwartet. Mit einer Prognose von gut 135 Punkten liegen die Schätzungen im Schnitt um mehr als 50 Prozent über dem, was der Future aktuell einpreist. Für das Jahr 2014 ist die Differenz zwischen Markterwartung und Analystenschätzung mit fast 80 Prozent noch deutlich größer.

Goldman Sachs rechtfertigt den Optimismus mit der Erwartung, dass die europäische Schuldenkrise in den kommenden Monaten gelöst wird. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Spannungen an den Finanzmärkten eine politische Lösung erzwingen werden. Darauf basierend rechnen die Ökonomen 2013 in der Euro-Zone mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent und dementsprechend steigenden Konzerngewinnen.

Allerdings wird gleichzeitig auf die erhöhte Wahrscheinlichkeit eines (teilweisen) Zusammenbruchs der Währungsunion verwiesen. In diesem „Bear-Case-Szenario“ errechnet sich für die Dividenden im Jahr 2013 ein Wert von nur noch 90 Punkten. Ein Niveau, das ungefähr den aktuell an den Terminbörsen gehandelten Erwartungen (der Future notiert bei knapp 88 Punkten) entspricht.

Damit wird klar, dass aktuell bereits ein extrem negatives Szenario am Markt für Dividendenerwartungen abgebildet wird. Im Gegensatz zu den Aktienmärkten nehmen die Akteure hier bereits eine länger anhaltende Rezession vorweg.

Gute Erfolgschancen für mutige Anleger

Für mutige Investoren bieten die von Goldman Sachs und der Société Générale angebotenen Zertifikate und Hebelprodukte auf die jeweiligen Dividenden-Futures daher unverändert gute Erfolgschancen. Wobei hier sicherlich starke Nerven und viel Geduld mitgebracht werden sollten. Denn die Kurse orientieren sich stark an den Futures, die momentan noch von der negativen Stimmung an den Terminbörsen geprägt sind.

Erst wenn sich die Erkenntnis durchsetzen kann, dass die Analysten mit ihrem Optimismus Recht behalten sollten und die Dividenden zumindest nicht deutlich einbrechen, wird sich dies auch in steigenden Kursen der Futures widerspiegeln. Neben spekulativen Hebelprodukten und den klassischen Tracker-Zertifikaten sind gerade im aktuellen Umfeld auch Discounter eine interessante Alternative.

Ein noch gut zwei Jahre laufendes Papier auf den Future 2013 kostet bei einem Höchstbetrag von 85 Punkten aktuell nur rund 72,50 Euro. Selbst wenn das „Bear-Case-Szenario“ von Goldman Sachs (90 Dividenden-Punkte) eintrifft, wird bei diesem Zertifikat am Ende die maximale Rendite von gut 17 Prozent (acht Prozent pro Jahr) erreicht. Der Future muss dafür nicht einmal steigen. Zu Verlusten kommt es zudem nur, wenn der Future von seinem aktuellen Niveau noch einmal um rund 17 Prozent einbricht (WKN: GS6UMV). Bei etwas aggressiveren Caps sind natürlich noch höhere Gewinne möglich.

Fazit: Dividenden-Erwartungen zu handeln ist sicher nicht jedermanns Sache. Sollten die Analysten mit ihren Erwartungen nicht gänzlich daneben liegen, bieten entsprechende Produkte allerdings sehr attraktive Renditechancen. Positiv zu werten ist dabei auch, dass der Großteil der für die Rückzahlung relevanten Ausschüttungen immer schon in der ersten Jahreshälfte erfolgt, so dass sich die Kurse bereits ein halbes Jahr vor der Fälligkeit ihrem Rückzahlungsbetrag annähern.