Börsen-Bericht

Vertrauen der Anleger kehrt schrittweise zurück

Der deutsche Aktienmarkt macht die Verluste des Vortages wieder wett. Vor allem die Lufthansa und Finanzwerte gewinnen.

Zwei Tage vor Weihnachten haben einige Anleger bei europäischen Aktien zugegriffen. „Die jüngsten Kursbewegungen sind aber lediglich Ergebnis vereinzelter Käufe und kein Zeichen für starkes Vertrauen“, betonte Charttechnik-Analystin Valerie Gastaldy vom Research-Haus Day By Day. Aus ihrer Sicht sei der Aktienmarkt überkauft. Anfang 2012 drohe daher ein Rückschlag.

Dax und EuroStoxx50 stiegen um jeweils gut ein Prozent auf 5852,18 beziehungsweise 2273,02 Punkte. An der Wall Street notierte der US-Standardwerteindex Dow Jones 0,2 Prozent höher. Das Volumen aller ge- und verkauften Aktien von Dax-Unternehmen summierte sich bis zum Xetra-Schluss auf magere zwei Milliarden Euro. Das ist rund 20 Prozent weniger als am Vortag und ein Rückgang von fast 40 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahrestag.

In die vorweihnachtliche Ruhe platzte die Herunterstufung Ungarns auf Ramschstatus durch die Ratingagentur S&P. Damit zog Standard & Poor's den Kollegen von Moody's nach, die diesen Schritt schon vorigen Monat vollzogen hatten. Der Budapester Aktienindex fiel daraufhin um bis zu 2,4 Prozent und auch die ungarische Währung geriet unter Verkaufsdruck. Der Euro kletterte zeitweise auf ein Zwei-Wochen-Hoch von 308,56 Forint.

Geldregen der EZB beschäftigt die Anleger

Für Diskussionen sorgte weiterhin der warme Geldregen der Europäischen Zentralbank (EZB). Während einige Börsianer das mit 489 Milliarden Euro überraschend hohe Volumen des Refinanzierungsgeschäftes als Zeichen für den Ernst der Krise der europäischen Finanzbranche werteten, malten andere ein freundlicheres Bild.

„Insgesamt sehen wie die große Nachfrage als positiv für die europäischen Banken“, schrieben die Analysten der Deutschen Bank in einem Kommentar. „Unabhängig davon, ob es sich dabei um eine gute Praktik handelt, reduziert es die Finanzierungsrisiken und sorgt für Zusatzprofite.“

Vor diesem Hintergrund gehörten die Finanztitel europaweit zu den gefragtesten. Der Branchenindex gewann zwei Prozent. Deutsche Bank und Commerzbank notierten 3,2 Prozent im Plus bei 29,29 Euro beziehungsweise 2,2 Prozent fester bei 1,35 Euro.

Gefragt waren auch Lufthansa, nachdem die Fluggesellschaft mit der British-Airways-Mutter IAG endlich einen Käufer für die verlustträchtige Tochter BMI gefunden hatte. Allerdings muss Lufthansa noch Pensionsverpflichtungen für BMI übernehmen und wird die Tochter daher höchstwahrscheinlich mit Verlust abgeben.

Dass Lufthansa draufzahle, sei nicht überraschend, betonte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher. Er beurteile den Deal positiv. Lufthansa-Aktien legten 1,9 Prozent auf 9,20 Euro zu, IAG gewannen in London sogar 3,3 Prozent auf 149,9 Pence. Unbeeindruckt zeigten sich Anleger vom Rückschlag für E.on. Die Aktien schlossen 1,9 Prozent fester bei 16,50 Euro, obwohl der Versorger im Kampf um den 21-prozentigen Staatsanteil am portugiesischen Stromkonzern EdP gegen ein chinesisches Unternehmen unterlag.

Im Nebenwerte-Index MDax legten Südzucker 2,4 Prozent auf 24,55 Euro zu. Höhere Zuckerpreise hatten dem Unternehmen in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres einen Gewinnanstieg beschert. Auch Hornbach Holding konnte Anleger überzeugen. Die im Kleinwerte-Segment SDax gelisteten Aktien stiegen um 2,8 Prozent auf 49,90 Euro, nachdem die Baumarktkette Umsatz- und Ergebnisprognose für das Gesamtjahr bestätigt hatte. Die Titel des Konkurrenten Praktiker gaben dagegen zwei Prozent auf 1,24 Euro nach.