Fotografie

So zeigen Sie Digitalbilder im nostalgischen Fotobuch

Fotobücher gehören zu den beliebtesten Geschenken überhaupt. CeWe Color ist Marktführer und macht 90 Prozent seines Gewinns im Schlussquartal.

Foto: picture alliance / dpa

Weihnachtsgeschenke kauft Rolf Hollander üblicherweise auf den letzten Drücker. Anders geht es nicht. Denn die Wochen vor dem Fest sind für den Vorstandsvorsitzenden von Europas größtem Fotodienstleister CeWe Color immer besonders hektisch.

Im November und Dezember entscheidet sich, ob das Geschäftsjahr für sein Unternehmen gut oder schlecht gelaufen ist. Schätzungen zufolge erwirtschaftet CeWe Color stattliche 90 Prozent seines Jahresgewinns im Schlussquartal. Dann hat der Verkaufsschlager des norddeutschen Unternehmens Hochkonjunktur: individuell erstellte Fotobücher.

Das Jahr 2011 nun dürfte ein gutes für Hollander und CeWe werden. Darauf jedenfalls deutet eine aktuelle Meldung des Fotoindustrie-Verbands hin: " Fotobücher gehören in Deutschland inzwischen zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken überhaupt", meldet die Branchenorganisation.

Und da CeWe Color in diesem margenstarken Markt mit Abstand die Nummer eins ist und alleine fast 40 Prozent seines Umsatzes von voraussichtlich 460 Millionen Euro in dem Segment macht, schlägt sich der Boom bei Fotobüchern auch in der Konzernbilanz nieder. Und tatsächlich rechnet Hollander bei steigenden Umsätzen mit einem Ergebnisplus nach Steuern von fast 40 Prozent im auslaufenden Jahr.

Fast fünf Millionen Fotobücher 2011

"Die Zahl der verkauften Fotobücher ist erneut rasant gestiegen", erklärt der Firmenchef. Rund 4,8 Millionen Stück sollen es 2011 gewesen sein, davon alleine die Hälfte für den deutschen Markt. Die Konkurrenz gibt sich mit Zahlen weit zurückhaltender. "Aus Geheimhaltungsgründen" wie es zum Beispiel bei Agfa Photo heißt.

Insgesamt rechnen Experten in diesem Jahr mit einem Volumen von mehr als 6,5 Millionen Fotobüchern in Deutschland. Zum Vergleich: 2010 lag die Verkaufszahl noch bei 5,7 Millionen, im Startjahr 2005 waren es gar nur 150.000 Stück.

Die enormen Steigerungsraten und Verkaufserfolge kommen für Branchenkenner nicht von ungefähr. Sie verweisen auf den neuen, gesteigerten Stellenwert des Fotografierens durch die fortschreitende Digitalisierung. Rund 600 Bilder knipst jeder Bundesbürger mittlerweile pro Jahr. Das sind fünfmal so viele Fotos wie noch zu den Hochzeiten der Analogfotografie.

Und die wollen verarbeitet werden. "Dazu sind Fotobücher geradezu ideal", sagt Christoph Thomas, der Vorsitzende des Photoindustrieverbandes. Und das sieht offenbar auch der Verbraucher so. "Die Zahl der entwickelten Bilder nimmt seit Jahren stark ab", heißt es bei Fujifilm : "Die Leute weichen auf Fotobücher aus."

Album selbst zusammenstellen

Mittels einer einfach zu bedienenden Software stellen sich die Konsumenten aus ihren Bildern digital ein eigenes Fotoalbum zusammen, wahlweise am eigenen PC oder im Ladengeschäft. Der Entwurf kann dann im Handel abgegeben oder online übermittelt werden. Nach wenigen Tagen liegen die fertigen Bücher im Briefkasten - einfach oder edel, klein oder groß, mit Normal- oder Fotopapier und in verschiedenen Einbänden. Die Qualität der Bilder lässt sich dabei von klassischen Fotografien nur noch sehr schwer unterscheiden, loben Fotoexperten.

Das Unternehmen CeWe Color gehörte 2005 zu den ersten Anbietern in diesem Geschäftsfeld. Mittlerweile tummeln sich alle relevanten Fotodienstleister in diesem Segment, seien es bekannte Konsumentenmarken wie Fujifilm und Agfa Photo, die großen Entwickler-Labore wie Orwo oder Allcoop sowie Internetfirmen wie Fomanu mit ihrer Seite fotobuch.de.

"Für uns ist es Vergnügen und Verpflichtung zugleich, in diesem Markt tätig zu sein", sagt Andreas Selmeczi, Geschäftsführer der Agfa Photo Holding. "Verpflichtung, weil die Kunden solche Produkte heute schlichtweg erwarten", begründet der Manager. Und Vergnügen, weil sich die hohen Wachstumsraten noch über Jahre hinweg fortsetzen sollen.

"Statistiken belegen, dass es nicht bei einem Fotobuch bleibt, wenn die Verbraucher es für sich entdeckt haben", sagt Verbands-Vertreter Thomas mit Verweis auf eine aktuelle Umfrage der Organisation. Danach haben 60 Prozent der 2000 Befragten innerhalb eines Jahres bis zu zehn Fotobücher erstellt, meistens zu Urlaubsreisen oder speziellen Events wie Hochzeiten. Lediglich bei jedem Fünften blieb es bei einem Exemplar.

Druckaufträge auslagern

Hauptbestellzeit für die Fotobücher sind, abgesehen von einem kleinen Zwischenhoch nach den Sommerferien, die Wochen vor Weihnachten. "Die Dienstleister stoßen dann fast an ihre Kapazitätsgrenze", sagt Thomas. CeWe-Chef Hollander kann diese Einschätzung bestätigen. Im Dezember laufen die Maschinen in den europaweit zwölf Produktionslaboren an sieben Tagen in der Woche, und das rund um die Uhr. Etwa 700 zusätzliche Saisonkräfte beschäftigt CeWe in dieser Zeit.

"Trotzdem müssen wir darüber hinaus noch Aufträge an externe Druckereien abgeben", sagt Hollander. Zumal das Sortiment längst mehr individuelle Fotoprodukte umfasst als nur die Bildbände. Kalender zum Beispiel gehören heute dazu oder auch selbst gestaltete Grußkarten. Auch bedruckte Tassen und T-Shirts oder sogar Wandbilder, also Fotos auf einer Leinwand oder unter Acryl, sind darunter. "Heute lässt sich praktisch alles bedrucken", sagt Hollander. Das CeWe-Produktportfolio dürfte sich also noch weiter vergrößern.

Analysten loben diese Entwicklung grundsätzlich. Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe warnt allerdings auch: "Es ist nicht gesund, wenn ein Unternehmen 90 Prozent seines Gewinns im vierten Quartal macht." Das weiß auch Rolf Hollander. "Wir arbeiten daran, uns breiter aufzustellen", versichert der seit 2002 amtierende Vorstandschef.

Hedgefonds wollten Sonderdividende

Zum Beispiel mit Viaprinto, einem neuen Online-Digitaldruckservice für variable Druckinhalte in geringen Stückzahlen. Einsatzgebiete sind unter anderem Imagebroschüren, Geschäftsberichte oder auch Werbebriefe und Telefonrechnungen. "Wir haben durch das Fotogeschäft die entsprechende IT-Infrastruktur und auch das Know-how für den Umgang mit kleinen Auftragsmengen", sagt Hollander.

Dem Vernehmen nach kommt das 2010 begonnene Segment derzeit auf rund zwei Millionen Euro Umsatz. Bis 2013 sollen es zehn Millionen Euro sein. "Dieser Markt bietet ein riesiges Potenzial", glaubt Hollander. Und Experten geben ihm Recht. Denn in Amerika kommen Unternehmen mit diesem Geschäftsmodell bereits auf Umsätze von über 100 Millionen Euro. "Das ist der richtige Weg, um die Kapazitäten besser und gleichmäßiger auszulasten", lobt daher auch Analyst Schlienkamp. Allein über die Geschwindigkeit der Transformation könne man noch streiten. CeWe Color gilt als konservatives Unternehmen. Das zeigt unter anderem die hohe Liquidität.

Im Jahr 2007 war CeWe Color deswegen ins Visier verschiedener Hedgefonds geraten. Sie wollten das Management stürzen und sich eine Sonderdividende genehmigen. Auf einer turbulenten Hauptversammlung in Oldenburg ist dieser Putschversuch damals aber gescheitert. Seither hat Hollander mit seinen Widersachern, zu denen auch der amerikanische Investor Guy Wyser-Pratte gehört hatte, nicht mehr gesprochen.

Und dazu gebe es auch keinen Bedarf, stellt Hollander klar. Ein bisschen Genugtuung zeigt er dann aber doch. "Keiner der damaligen Angreifer hat mehr eine Aktie bei uns", sagt der 60-Jährige. Einige der Fonds gebe es heute nicht einmal mehr. Aber das sei Vergangenheit. Die Gegenwart drängt Hollander zum Geschenke kaufen. Dass mindestens eines der Präsente ein Fotobuch sein wird, versteht sich dabei von selbst.