Börsen-Bericht

EZB-Finanzspritze beruhigt die Anleger nur kurz

Die Finanzspritze der Europäischen Zentralbank mildert das Misstrauen der Anleger, doch Entwarnung gibt es nicht. Der Dax schließt im Minus.

Der Geldsegen der Europäischen Zentralbank (EZB) für Finanzinstitute der Euro-Zone hat die Aktienanleger nur kurz in Feierlaune versetzt. Die Banken sogen sich bei der Zentralbank über einen dreijährigen Tender mit 489 Milliarden Euro voll.

Damit habe die EZB dem Bankensystem zwar zunächst enorm und mehr als erwartet Liquidität zur Verfügung gestellt, hieß es in einem Kommentar der LBBW. „Allerdings ist zweifelhaft, ob damit das Misstrauen am Interbankenmarkt durchbrochen werden kann.“

Auch CMC-Markets-Analyst Michael Hewson konnte der hohen Nachfrage nur wenig Positives abgewinnen: „Die große Summe zeigt letztlich nur, wie groß die Verspannungen am Interbankenmarkt sind.“ Die Kernfrage sei nun, wieviel Geld tatsächlich seinen Weg in die Wirtschaft finde.

Der Dax legte nach Bekanntgabe des Tendervolumens um bis zu zwei Prozent zu und näherte sich wieder der 6000-Punkte-Marke an, gab seine Gewinne dann aber allmählich wieder ab. Der Leitindex schloss ein Prozent tiefer bei 5791,53 Punkten. Der EuroStoxx50 fiel um 0,9 Prozent auf 2242 Zähler. Die US-Börsen verzeichneten ebenfalls Verluste.

Die EZB legt zwei Drei-Jahres-Tender auf und will damit den Banken genug Geld zur Verfügung stellen, um so eine Kreditklemme zu vermeiden. Zuletzt hatten sich europäische Banken untereinander immer weniger Geld geliehen, weil sie sich wegen der Euro-Schuldenkrise und des hohen Refinanzierungsbedarfs zunehmend misstrauten.

Die Maßnahme der EZB konnte Anleger bei Europas Finanzaktien nur zeitweise bei der Stange halten. Die Anteilsscheine der Deutschen Bank waren zeitweise mit einem Plus von bis zu 4,6 Prozent größter Dax-Gewinner, schlossen dann aber mit einem Abschlag von 0,9 Prozent. Auch die Allianz -Titel drehten ins Minus und beendeten den Tag 0,1 Prozent schwächer. Die Papiere der Commerzbank verloren 0,5 Prozent. Der europäische Bankenindex fiel um 0,7 Prozent.

SAP und Solarworld verlieren

Enttäuscht wurde offenbar auch die Hoffnung, dass die Banken das frische Geld zum Kauf von Staatsanleihen derjenigen Länder nutzen würden, die von der Schuldenkrise besonders stark betroffen sind. Stattdessen steuerten die Investoren Händlern zufolge einmal mehr die als sicherer Anlagehafen geltenden Bundesanleihen an. Der Bund-Future gewann 29 Ticks auf 137,79 Zähler.

Größter Verlierer im Dax waren SAP, die um 6,1 Prozent auf 39,91 Euro abrutschten. Sie waren damit so billig wie seit Mitte Oktober nicht mehr. Aufs Gemüt drückten die enttäuschenden Umsatzergebnisse beim weltweit drittgrößten Softwarekonzern Oracle.

Oracle hat seine eigenen Ziele bei den Software-Erlösen für das zweite Quartal nicht erreicht. Die Aktien des US-Konzerns rutschten in New York um 14 Prozent ab und zogen die Technologiebörse Nasdaq ins Minus. „Es scheint, als ob sich die allgemeine IT-Nachfrage abschwächt, was wir bereits für den Rest von 2011 und 2012 so erwartet hatten“, schrieb DZ-Bank-Analyst Oliver Finger in einem Kommentar. Die Aktien der Software AG gehörten mit einem Abschlag von 4,9 Prozent zu den größten Verlierern im TecDax.

Noch schwächer schlossen im deutschen Technologie-Index mit einem Minus von sechs Prozent nur die Papiere von Solarworld, nachdem der Wettbewerber Solar Millennium Insolvenz beantragt hatte. Die in keinem großen Index mehr gelisteten Papiere des Kraftwerksentwicklers stürzten mit einem Abschlag von fast 60 Prozent auf 45 Cent in die Tiefe. Anfang 2010 hatte die Aktie noch rund 45 Euro gekostet.