Börsen-Bericht

Gewinnmitnahmen nach EZB-Geldflut drücken den Dax

Im Kampf gegen die Krise stellt die Europäische Zentralbank (EZB) Milliarden bereit. Doch das Misstrauen der Anleger nimmt kaum ab.

Gewinnmitnahmen nach deutlichen Kursanstiegen haben den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Dax drehte nach einem zwischenzeitlichen Anstieg um mehr als 2 Prozent ins Minus und notierte zuletzt 0,27 Prozent tiefer auf 5831 Punkten. Der MDax lag 0,23 Prozent höher bei 8757 Punkten. Der TecDax verlor 0,45 Prozent auf 673 Punkte.

Der Anfangseuphorie schwänden nach der Riesen-Geldspritze der EZB die Kräfte, sagte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Zweifel über die Liquiditätssituation bei den europäischen Banken seien zu vernehmen. Da noch keine detaillierte Aufstellung vorliege, die länderspezifische Erkenntnisse zulasse, kursierten Spekulationen, die wieder einmal für Verunsicherung sorgen. „Da nehmen einige Investoren doch lieber die Gewinne mit, bevor sie vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt werden“, fuhr Lipkow fort.

Die Europäische Zentralbank teilte mit, dass sich die Banken des Euro-Raums für den Zeitraum von drei Jahren die Rekordsumme von insgesamt fast 500 Milliarden Euro zinsgünstig geliehen haben. Bankvolkswirte hatten mit lediglich rund 300 Milliarden Euro gerechnet.

An dem Geschäft hätten sich 523 Banken beteiligt, auch das ist ein sehr hoher Wert. Dies zeigt laut Marktanalyst Frank Geilfuß vom Berliner Bankhaus Löbbecke, dass die Geldversorgung im Euro-Raum funktioniert.

Allerdings dürfte die Seitwärtsbewegung im Dax trotz der jüngst positiven Nachrichten anhalten, vermutet der Experte. Es ist schwer, die hohe Nachfrage als etwas Positives zu sehen“, sagte Analyst Michael Hewson von CMC Markets. „Die große Summe zeigt letztlich nur, wie groß die Verspannungen am Interbankenmarkt sind. Die Kernfrage ist nun, wie viel Geld tatsächlich seinen Weg in die Wirtschaft findet.“

Vor allem Finanzwerte gewinnen

Seine Kollegin Viola Stork von der Helaba führte die anziehenden Renditen auf Gewinnmitnahmen zurück. Die Kurse der italienischen und spanischen Staatsanleihen waren in den vergangen Tagen um jeweils 4,5 Prozent gestiegen.

Nach den EZB-Daten zogen vor allem Finanzwerte deutlich an. So gewannen Papiere der Commerzbank 2,86 Prozent und die der Deutschen Bank 3,40 Prozent. Die Aktien der Versicherer Munich Re und Allianz verteuerten sich um 2,41 respektive 3,34 Prozent.

Dagegen verbilligten sich die Papiere des Softwareherstellers SAP deutlich, nachdem der US-Wettbewerber Oracle am Vorabend enttäuschende Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal ausgewiesen hatte. Die SAP-Papiere verloren zuletzt 3,08 Prozent und waren damit Schlusslicht im deutschen Leitindex. Die Oracle-Aktie hatte am Dienstag nachbörslich bereits mehr als 7 Prozent abgegeben.