Börsen-Bericht

Draghi verhagelt Anlegern die Weihnachtsstimmung

Der EZB-Präsident sieht schwieriges Jahr für die Banken und ihre Refinanzierung. Air Berlin profitiert von Etihad-Geldspritze.

Die Warnung der Europäischen Zentralbank (EZB) vor erheblichen Risiken für die Finanzbranche der Euro-Zone hat die Kauflaune an den Aktienmärkten zunichtegemacht.

EZB-Präsident Mario Draghi sagte vor dem Europaparlament, dass die Banken vor allem im ersten Quartal 2012 Schwierigkeiten bei der Refinanzierung erleben würden. „So eine Aussage ist natürlich Gift für die Aktienmärkte, weil es die Vermutung zulässt, dass die Gewinnschätzungen für das kommende Jahr viel zu hoch angesetzt sind“, sagte ein Händler in Frankfurt.

Der Dax drehte nach den Aussagen Draghis ins Minus und schloss 0,5 Prozent schwächer bei 5670,71 Punkten. Der EuroStoxx fiel um 0,1 Prozent auf 2202 Zähler. Die Indizes an den US-Börsen büßten ihre Gewinne ebenfalls ein. Dort zählten Bankenwerte wie Citigroup und JP Morgan zu den größten Verlierern.

Im europäischen Branchenindex, der um 0,1 Prozent nachgab, verloren Lloyds 4,2 Prozent und Barclays 3,2 Prozent. In Großbritannien müssen Banken nach dem Willen der Regierung ihr Privatkundengeschäft künftig stärker vom Investmentbanking abgrenzen. Im Dax gehörten die Anteilsscheine der Commerzbank mit einem Minus von 2,2 Prozent zu den Schlusslichtern, die Anteilsscheine der Deutschen Bank verloren 0,7 Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs von Großbanken sei zuletzt gestiegen, hieß es in dem halbjährlichen Finanzstabilitätsreport der EZB. „Die Risiken für die Finanzstabilität der Euro-Zone haben in der zweiten Jahreshälfte 2011 beträchtlich zugenommen.“

Ursache hierfür sei das Zusammentreffen der Staatsschuldenkrise mit zunehmenden Problemen bei vielen Banken und sich zugleich verschlechternden Konjunkturperspektiven – bis hin zu einer nicht auszuschließenden erneuten weltweiten Rezession. Hinzu kämen zunehmende Ansteckungszeichen bei großen Ländern der Gemeinschaft und ein Risiko für einen Bankenzusammenbruch größeren Ausmaßes wie schon lange nicht mehr.

Tod von Kim Jong Il sorgt für Nervosität

Daneben hatten die drohende Herunterstufungswelle in der Euro-Zone und der Tod von Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il bereits zuvor für Nervosität und starke Kursschwankungen gesorgt. Einige Anleger hatten allerdings zunächst auf eine Weihnachtsrally gesetzt und die Aktiekurse so zeitweise nach oben gehievt.

Fitch hatte am Freitag mehreren Eurostaaten mit einer Senkung ihrer Bonitätsnote gedroht hat, darunter Frankreich, Italien und Spanien. Die Ratingagentur zweifelt weiter an der Fähigkeit der EU-Staaten, die Schuldenkrise beilegen zu können. Der Tod von Kim Jong Il weckte Sorgen vor einer Destabilisierung der Region.

Air Berlin gewinnt

Großes Gesprächsthema am deutschen Aktienmarkt war vor allem Air Berlin . Die arabische Fluggesellschaft Etihad steigt in großem Stil bei Deutschlands zweitgrößter Airline ein. Die Araber springen der angeschlagenen Fluggesellschaft auch finanziell bei und gewähren ein Darlehen von bis zu 200 Millionen Dollar.

Aus Sicht von Robert Czerwensky, Analyst bei der DZ Bank, sind das gute Nachrichten für Air-Berlin-Aktionäre. Etihad Airways sei ein starker Ankerinvestor und Air Berlin nun auf der sicheren Seite. Die Aktie legte im SDax um bis zu 12,1 Prozent zu und schloss 8,3 Prozent fester bei 2,50 Euro.

Dagegen büßten die Autowerte im Sog des Gesamtmarktes ihre Gewinne größtenteils wieder ein. Die Aktien von Volkswagen beendeten den Tag 0,1 im Minus, nachdem gut laufende Geschäfte der Oberklasse-Tochter Audi den Titeln zunächst Auftrieb gegeben hatte. Die Papiere von BMW retteten sich mit einem Plus von 0,2 Prozent über die Zielgerade, während die Anteilsscheine von Daimler ihre Gewinne abgaben und 1,4 Prozent niedriger aus dem Handel gingen.