Anlagestrategie

Für Januar hoffen die Antizykliker auf große Gewinne

Es ist die Zeit der Antizykliker: Wenn ein Trend dreht, gehören einstige Verlierer meistens zu den größten Gewinnern. Besonders im Januar.

Foto: picture alliance / dpa Themendie / picture alliance / dpa

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Gemüter werden ruhiger, man lässt die vergangenen zwölf Monate Revue passieren. Auch und gerade Sparer und Anleger haben nun die Zeit, Bilanz zu ziehen. Was lief gut im vergangenen Jahr? Was lief schlecht? Und die wichtigste Frage: Was wird im kommenden Jahr gut laufen?

Viele kommen in solchen Tagen auch auf den Gedanken, dass demnächst vielleicht alles anders wird, dass die Stimmung dreht, dass mit einem neuen Jahr ein neuer Trend an den Finanzmärkten eingeläutet wird. Es ist die Zeit der Antizykliker, also jener Investoren, die gegen den Strom schwimmen, die auf jene Aktien setzen, die in den vergangenen zwölf Monaten die miesesten Renditen brachten.

Das Kalkül dahinter ist einfach: Irgendwann dreht jeder Trend. Firmen, die über Jahre hervorragende Gewinne machen, werden irgendwann träge und von Konkurrenten eingeholt. Andere dagegen, die dem Abgrund entgegen trudeln, schaffen irgendwann die Wende, durch ein neues Management, neue Investoren oder neue Produkte.

Beispiel Apple

Das Beispiel Apple macht das gut deutlich: Derzeit schwimmt die Firma auf einer scheinbar nicht enden wollenden Welle des Erfolgs. Doch Apple war auch schon einmal von den meisten abgeschrieben, schien kurz vor dem Ende. Ähnliches kann sich bei ganzen Ländern ereignen. Beispiel Russland: 1998 schlidderte das Land in eine tiefe Krise und schließlich in die Pleite. Doch wer 1999 sein Geld in russische Aktien investierte, der konnte sich in den folgenden Jahren über gigantische Wertzuwächse freuen.

Genau das macht antizyklische Anlagen so attraktiv: Wenn sie aufgehen, dann versprechen sie besonders hohe Gewinne. Das Problem ist jedoch, dass sie eben meist nicht aufgehen. Dieses Jahr ist dafür das beste Beispiel. Wer Ende Dezember 2010 auf eine Gegenbewegung gehofft hatte, der musste auf griechische Aktien oder auf Banken setzen. Beides jedoch war auch in diesem Jahr ein totaler Flop. Der Trend von 2010 hat sich in diesem Jahr einfach fortgesetzt, teilweise sogar noch beschleunigt.

Kommt nun 2012 die Wende? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber möglicherweise ist das für antizyklische Investoren auch gar nicht so wichtig. Denn es gibt ein interessantes Phänomen, auf das Robert Buckland, Anlagestratege bei der Citigroup, gestoßen ist, als er und sein Team sich die Wertentwicklung antizyklischer Strategien etwas genauer angesehen haben.

Dabei stellte sich heraus: Über die meisten Jahre war ein solches Vorgehen zwar ein Schlag ins Wasser. Die Renditen antizyklischer Investments fielen fast immer schlechter aus, als jene des Gesamtmarktes. Allerdings gilt dies nicht für den Monat Januar. Seltsamerweise schlagen die gegenläufigen Anlagen in diesem Monat den Durchschnitt.

Im Januar 2011 stiegen griechische Aktien

Woran das liegt, kann sich Buckland auch nicht so recht erklären. „Möglicherweise denken Investoren, dass das neue Jahr anders wird als das vorangegangene“, vermutet er. „Aber dann finden sie mit der Zeit heraus, dass das eben doch nicht so ist.“ Dann wenden sie sich wieder ab, der Trend verebbt.

Das war besonders gut in diesem Jahr zu beobachten. Im Januar ging es beispielsweise für griechische Aktien rund 25 Prozent nach oben. Im Februar war die kurze Blüte jedoch schon zu Ende, bis Mitte April war das Plus wieder abgeschmolzen und bis jetzt hat sich daraus ein Renditeminus von 63 Prozent entwickelt. Aufs ganze Jahr gesehen, war die Strategie also ein Reinfall, wer dagegen nur den Januar mitgenommen hat, konnte damit viel Geld verdienen.

Wer auf dieses Phänomen setzen will, darf natürlich nicht bis Januar warten. „Antizykliker sollten jetzt im Vorgriff auf den kommenden Monat aktiv werden“, so Buckland. Sie sollten schauen, welche Aktien 2011 besonders schlecht gelaufen sind und daraus ihre Schlüsse ziehen. Dabei stehen dann – kaum einen wird es wundern – erneut die Banken ganz oben auf der Liste.

Commerzbank-Aktien kaufen?

In Deutschland ist dies natürlich die Commerzbank. Auch in einer Liste der 250 größten Firmen aus dem so genannten MSCI ACWI Index, der Firmen aus 45 Ländern umfasst, stehen Banken an der Spitze der Verlierer. Der typische Antizykliker müsste also jetzt auf eine Wende für die Finanzindustrie setzen, vor allem auf eine Beruhigung der Eurokrise – zumindest vorübergehend, im Januar.

Es bieten sich aber auch diverse andere Firmen an, auf die man setzen könnte, so der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck. Die Krise dort hat aber vor allem strukturelle Ursachen – immer weniger Menschen lesen Zeitungen, immer mehr weichen auf das Internet aus. Es ist also fraglich, ob hier eine Wende überhaupt möglich ist. Anders ist das dagegen bei der Lufthansa. Eigentlich ist die Fluggesellschaft exzellent aufgestellt, sie leidet nur besonders stark unter der wirtschaftlichen Flaute. Auf sie zu setzen, wäre also jetzt vor allem eine Wette auf eine konjunkturelle Wende.

Ähnliches gilt für die Börsen von Ländern wie Spanien, Irland oder Italien, die 2011 unter die Räder kamen, auch hier könnte ein wirtschaftlicher Aufschwung eine Wende bringen. Bei anderen, wie Griechenland oder Ägypten, liegt dagegen mehr im Argen. Aber wer weiß, vielleicht werden auch sie von einer Trendwende erfasst. Zumindest im Januar.