Börsen-Bericht

Kim Jong-ils Tod macht Aktien-Anleger nervös

Der Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il hat die Kurse an den Weltbörsen stark bewegt. Der Dax konnte sich ins Plus retten.

Am deutschen Aktienmarkt hat unter den Anlegern große Nervosität geherrscht. Die drohende Herunterstufungswelle in der Euro-Zone und der Tod von Nordkoreas Staatschef Kim Jong-il sorgten für starke Kursschwankungen.

Nach anfänglichen Verlusten arbeitete sich der Dax ins Plus vor und notierte am späten Vormittag 0,8 Prozent fester bei 5755 Punkten. Der EuroStoxx gewann ein Prozent. „Unsicherheiten, wohin man blickt, aber einige Investoren hoffen offensichtlich noch immer auf die Weihnachtsendrally“, fasste ein Händler die Stimmung zusammen.

Der 69-jährige Kim Jong-il hat nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA am Samstag während einer Zugfahrt einen Herzinfarkt erlitten. Dessen Sohn Kim Jung Un soll nun die Nachfolge in dem kommunistisch regierten Land übernehmen. „Die Frage ist nun, welche politische Konsequenzen dieser Führungswechsel mit sich bringen wird“, sagte Roger Peeters, Analyst bei Close Brothers Seydler. Anleger fürchteten, dass der Tod Kims Provokationen Nordkoreas auslösen könnte, sagte Hiroyuki Fukunaga, Chef von Investrust in Tokio. Südkorea versetzte seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft.

Das japanische Kabinett kam zu einer Krisensitzung zusammen. Der internationalen Staatengemeinschaft bereitet schon länger das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas Sorgen. Der Leitindex der Börse Seoul, der Kospi, rutschte um bis zu fünf Prozent ab auf ein Zweieinhalb-Monats-Tief von 1750,60 Punkten.

Fitch sieht Euro-Krisenmanagement weiter kritisch

Für Unruhe sorgte zudem, dass Fitch am Freitag mehreren Euro-Staaten mit einer Senkung ihrer Bonitätsnote gedroht hat, darunter Frankreich, Italien und Spanien. Die Ratingagentur zweifelt weiter an der Fähigkeit der EU-Staaten, die Schuldenkrise beilegen zu können.

Die Finanzminister der Europäischen Union haben am Nachmittag eine Telefonkonferenz zu den bilateralen Darlehen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) und den neuen EU-Haushaltsregeln angesetzt . Die IWF-Gelder sollen um bis zu 200 Milliarden Euro aufgestockt werden.

Aus Euro-Zonen-Kreisen verlautete, dass die Finanzminister zudem über den permanenten Rettungsschirm ESM beraten würden. Auf dem EU-Gipfel am 9. Dezember war ein Vorziehen des ESM um ein Jahr beschlossen worden – Der permanente Mechanismus soll den EFSF im Juli 2012 ablösen. „Bislang sieht es allerdings danach aus, dass wir erst dann eine vernünftige Lösung bekommen, wenn Europa vollends am Abgrund steht“, sagte Joe Rundle von ETX Capital. Großes Gesprächsthema am deutschen Aktienmarkt war vor allem Air Berlin. Die arabische Fluggesellschaft Etihad steigt in großem Stil bei Deutschlands zweitgrößter Airline ein.

Die Araber springen der angeschlagenen Fluggesellschaft auch finanziell bei und wollen Mittel von bis zu 255 Millionen Dollar mit einer Laufzeit bis Ende Dezember 2016 bereitstellen. Aus Sicht von Robert Czerwensky, Analyst bei der DZ Bank, sind das gute Nachrichten für Air-Berlin-Aktionäre. Etihad Airways sei ein starker Ankerinvestor und Air Berlin nun auf der sicheren Seite. Die Aktie legte im SDax um bis zu 12,1 Prozent auf 2,59 Euro zu.

Im Dax profitierten Volkswagen laut Händlern von den gut laufenden Geschäften der Oberklasse-Tochter Audi und setzten sich mit einem Plus von 2,3 Prozent an die die Spitze im deutschen Leitindex. Audi-Vorstandschef Rupert Stadler sagte der „WirtschaftsWoche“, dass das Unternehmen sein mittelfristiges Absatzziel früher erreichen könnte als erwartet.

Jeder positive Ausblick werde derzeit an den Märkten mit offenen Armen aufgenommen, sagte ein Börsianer. Im Plus notierten auch Daimler mit einem Aufschlag von gut zwei Prozent. BMW stiegen nach einer Hochstufung durch die Analysten der WestLB um 1,7 Prozent. Sie setzten die Aktien auf „Add“ von „Neutral“.