Börsen-Bericht

Aktienmarkt stagniert zum "Hexensabbat"

Finanzwerte bleiben von Herabstufungen durch Ratingagenturen weitgehend unberührt. Dennoch drückt die Euro-Krise weiter auf die Stimmung.

Zum letzten Verfallstermin des Jahres 2011 haben sich die Kurse der europäischen Aktienindizes kaum bewegt. „Der Weihnachtsmann muss sich sputen, wenn es mit der Jahresendrally noch etwas werden soll“, sagte ein Börsianer. Dax und EuroStoxx50 lagen jeweils fast unverändert bei 5736 beziehungsweise 2226 Punkten.

Größere Ausschläge blieben am sogenannten Hexensabbat aus. Viele Investoren hätten dieses Kursniveau erwartet, sagte Aktienstratege Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler. Damit entfällt für diese Gruppe die Notwendigkeit, die Kurse mit größeren Käufen oder Verkäufen zum Verfall in eine günstige Richtung zu bewegen. Am Mittag liefen Futures und Optionen auf Indizes aus. Zum Xetra-Schluss waren Optionen auf einzelne Aktien an der Reihe.

„Die Anleger sind einfach nur froh, dass das Jahr vorbei ist und haben gleichzeitig Angst davor, was noch kommt“, sagte ein Händler. Auch nach Einschätzung des Aktienmarkt-Experten David Thebault von Global Equities verhindert die Schuldenkrise mit allen ihren Folgen eine Jahresendrally. „Über der Euro-Zone schwebt das Damoklesschwert einer Herabstufung durch die Ratingagenturen. Das macht es schwer, Vertrauen in die Märkte zu fassen“, betonte er.

Dieses Schwert könnte schon bald herabfallen, warnt Commerzbank-Analyst David Schnautz. „Inzwischen wissen wir, dass Ratingagenturen freitagabends gerne Ratings senken. Da der Freitag nächster Woche durch Weihnachten ’blockiert’ ist, könnten sie heute zur Tat schreiten.“ Ein Händler mahnte zur Besonnenheit: „Inzwischen stellt sich ernsthaft die Frage, ob eine Herunterstufung überhaupt noch Auswirkungen auf die Kurse hätte – bei den Bankwerten ist diese ja sehr begrenzt.“

Herabstufungen der Ratingagenturen lassen Anleger kalt

Die Rating-Agentur Fitch hatte am Donnerstagabend die Kreditwürdigkeit zahlreicher Geldhäuser herabgestuft. So verschlechterte sich die Bonitätsnote der Deutschen Bank auf „A+“ von zuvor „AA-“. Die Aktien des deutschen Branchenprimus legten dennoch ein 1,1 Prozent auf 27,95 Euro zu.

Angesichts der sich verschärfenden Euro-Krise seit Juli ist dieser Schritt von Fitch keine Überraschung, betonte Michael Rohr, Analyst bei Silvia Quandt Research. Auch die Herabstufung einiger spanischer Institute wie Bankinter, Caixabank oder Banco Popular durch Standard & Poor’s (S&P) beeindruckte Anleger kaum. Die Papiere lagen bis zu 2,3 Prozent im Plus. Der europäische Bankenindex notierte ein Prozent fester.

Schlusslicht im Dax waren SAP. Der verhaltene Ausblick der IT-Beratungsfirma Accenture drückte hier auf die Stimmung. SAP gaben um 2,5 Prozent auf 42,26 Euro. „Accenture reiht sich nahtlos in die mittlerweile beachtliche Kette an verhaltenen beziehungsweise negativen Kommentaren aus der IT-Branche für die kommenden Monate ein“, schrieb LBBW-Analyst Mirko Maier in einem Kommentar. Den konjunkturellen Rahmenbedingungen könne sich auch SAP nicht entziehen. Für Verkäufe sorgte laut Händlern zudem eine Herunterstufung der BofA/Merrill Lynch: Die Analysten setzten die SAP-Aktien auf „Neutral“.

Ein Gewinneinbruch beim Konkurrenten Research in Motion (RIM) drückte unterdessen Nokia zeitweise auf ein Vier-Monats-Tief von 3,68 Euro. Das schwache Geschäft des Blackberry-Herstellers nährten Zweifel, ob Nokia mit seinen Smartphones erfolgreich sein könne, sagte Nordea-Analyst Sami Sarkamies. Der finnische Handy-Hersteller liefert sich mit RIM, dem iPhone-Erfinder Apple und den Produzenten von Handys auf Basis des Google -Betriebssystems Android einen harten Kampf um den Markt für hochpreisige Smartphones.