Börsen-Bericht

Dax klettert ins Plus – US-Daten machen Mut

US-Konjunkturdaten fallen überraschend gut aus und helfen dem Dax. Commerzbank-Aktie gewinnt, französische Großbank verliert nach Abstufung.

Ermutigt von überraschend gut ausgefallenen US-Konjunkturdaten haben Anleger am deutschen Aktienmarkt zugegriffen. Der Dax kletterte um fast ein Prozent auf 5730 Punkte, nachdem er seit Wochenanfang gut fünf Prozent eingebüßt hatte.

Der EuroStoxx gewann ebenfalls ein Prozent. Die Geschäfte der Industrie im Staat New York liefen im Dezember so gut wie seit über einem halben Jahr nicht mehr – der „Empire State“-Index kletterte von 0,61 auf 9,53 Punkte. Sollte sich der „Optimismus in den nächsten Monaten auch in den Produktionsdaten niederschlagen, muss man sich so schnell keine Sorgen um die US-Industrie machen“, urteilte Postbank-Analyst Thilo Heidrich.

Auch die Perspektiven am US-Arbeitsmarkt hellten sich auf: In der vorigen Woche stellten nur 366.000 Amerikaner erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe und damit so wenig wie seit Mai 2008 nicht mehr. Die Wall Street notierte zu Handelsschluss in Europa im Plus.

Spanien kann seine Anleihen gut verkaufen

Für Zuversicht am deutschen Aktienmarkt sorgte auch die erfolgreiche Auktion spanischer Papiere. Bei dem Verkauf dreier Anleihen hat das hoch verschuldete Land doppelt so viel Geld am Finanzmarkt eingesammelt wie geplant – und das zu vergleichsweise günstigen Konditionen. „Die Anleger klammern sich derzeit an jeden Strohhalm – denn selbst, wenn die Zinsen geringer ausgefallen sind, bleiben sie immer noch hoch“, sagte ein Händler.

Für fünfjährige spanische Anleihe wurde ein durchschnittlicher Zins von 4,023 Prozent fällig – zu Monatsbeginn waren es noch 5,276 Prozent. Italien war mit seiner Auktion am Mittwoch wesentlich schlechter weggekommen. Das Mittelmeerland musste für fünfjährige Anleihen mit 6,47 Prozent den höchsten Zins seit Einführung des Euro zahlen.

Allerdings bezweifeln die meisten Analysten, dass die wieder etwas positivere Stimmung allzu lange anhalten dürfte. Vor allem das mangelnde Vertrauen in die Fähigkeit der Politiker, die europäische Schuldenkrise in den Griff zu bekommen, macht den Märkten zu schaffen. „Die Anleger haben mittlerweile begriffen, dass es wohl noch eine Weile dauern wird, bis sich die Situation in Europa nachhaltig verbessert“, sagte Philippe Gijels von BNP Paribas Fortis Global Markets. „Schon allein die Konjunkturdaten lassen zu wünschen übrig und das macht für 2012 wenig Hoffnung.“

Dass die Euro-Zone derzeit mit großen Probleme zu kämpfen hat , zeigte auch der am Donnerstag veröffentlichte Markit-Einkaufsmangerindex für die Privatwirtschaft. Das Barometer blieb trotz eines leichten Anstiegs auf 47,9 Punkte den vierten Monat in Folge unter der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird.

Commerzbank führte Gewinner-Liste an

Im Dax standen die Papiere der Commerzbank auf den Einkaufszetteln der Anleger weit oben. Sie kletterten um 6,7 Prozent, nachdem sie am Vortag bereits um gut fünf Prozent gestiegen waren. Börsianer verwiesen weiterhin auf Pläne zur Reaktivierung des Bankenrettungsfonds SoFFin. Nach dem am Mittwoch verabschiedeten Gesetzentwurf der Bundesregierung könnten Banken Staatsanleihen in eine „Bad Bank“ unter dem Dach des SoFFin auslagern, was vor allem der Commerzbank helfen würde.

Nach oben ging es auch für Deutsche-Post-Aktien, die sich um 2,6 Prozent verteuerten. Der boomende Handel im Internt hat dem US-Konkurrenten FedEx ein starkes Gewinn- und Umsatzwachstum beschert. Die Aktie legte um 5,7 Prozent zu.

Weniger gefragt waren dagegen die Aktien der Deutschen Telekom. Sie verloren 0,5 Prozent. Einem Sprecher zufolge plant das Unternehmen, seine verschiedenen IT-Abteilungen in Deutschland zusammenzulegen. Laut einem Konzern-Insider soll mit dem Umbau in den nächsten Jahren ein hoher dreistelliger Millionenbetrag eingespart werden. Aus Sicht von DZ-Bank-Analyst Joeri Sels ist das allerdings kein besonders großer Betrag für einen Konzern wie die Telekom. Zudem werde das Programm vermutlich viele Jahre dauern, um seine volle Wirkung zu entfalten, schrieb er in einem Kommentar.

Das Nachsehen hatten auch die Papiere der Crédit Agricole , die in Paris um 4,4 Prozent nachgaben. Das französische Geldhaus rutscht wegen Abschreibungen im Investmentbanking in diesem Jahr in die roten Zahlen. „Die Höhe der Abschreibungen kommt für uns überraschend, auch der geplante Ausfall der Dividende“, kommentierte Analyst Ingo Frommen von der LBBW. Störfeuer kam auch von Seiten Ratingagenturen: Fitch hatte die Bonität von Credit Agricole und vier weiteren europäischen Bank am Mittwochabend herabgestuft.