Börsen-Bericht

Anleger zweifeln an Wirksamkeit der EU-Beschlüsse

Die Stimmung an den Finanzmärkten bleibt gedrückt. Weil der EU-Gipfel die Anleger nicht überzeugt, sinken die Dax- und Euro-Kurse.

Die Erleichterung der Börsianer über die Beschlüsse des EU-Schuldengipfels währte nur kurz : Neue Rezessionsängste und Zweifel an der Wirksamkeit der Gipfelbeschlüsse haben die Aktienmärkten in Europa und den USA zu Wochenbeginn deutlich in die Verlustzone gedrückt.

Auch unter den Euro -Anlegern herrschte Missmut: Die Gemeinschaftswährung fiel mit bis zu 1,3207 Dollar auf den tiefsten Stand seit Anfang Oktober. „Es ist schön, dass sich die Staaten auf koordinierte Richtlinien zur Steuerpolitik geeinigt haben, aber dies löst die grundlegenden Probleme der Schuldenkrise nicht“, sagte Investec-Volkswirtin Victoria Cadman.

Die europäischen Regierungschefs hatten sich bei ihrem Treffen Ende vergangener Woche unter anderem auf mehr Haushaltsdisziplin verständigt . Von neuen, großen Kreditpaketen zum Schutz klammer Staaten sahen die Euro-Länder allerdings ab. Der Dax rutschte um 3,4 Prozent auf 5785 Zähler ab und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit Ende November. Der EuroStoxx50 gab um 2,9 Prozent ab. Beide Indizes hatten am Freitag noch deutlich im Plus geschlossen. Die Wall Street notierte zu Wochenbeginn ebenfalls tief im Minus – neben den anhaltenden Sorgen um Europa lastete hier auch hier die Umsatzwarnung von Intel Corp auf der Stimmung. Die Aktien des weltgrößten Chipherstellers verloren 4,9 Prozent.

Auf der Suche nach einem „sicheren Hafen“ griffen Anleger vor allem zu Bundesanleihen. Die Kurse stiegen, entsprechend ging die Rendite auf bis zu 1,982 Prozent zurück nach 2,102 Prozent im New Yorker Freitagsgeschäft. Gleichzeitig zogen die Kosten für die Kreditausfallversicherungen italienischer und spanischer Anleihen an, was das hartnäckige Misstrauen gegenüber den südeuropäischen Ländern widerspiegelt.

Ratingagenturen kritisieren die Beschlüsse

Kritik an den EU-Beschlüssen kam von den Rating-Agenturen Standard & Poor's (S&P) und Moody's . Ihnen geht die Einigung auf eine strengere Haushaltsdisziplin nicht weit genug. „An unserer Ansicht, dass der Zusammenhalt in der Euro-Zone gefährdet ist, hat sich nichts geändert,“ teilte Moody's mit.

Auch Jean-Michel Six, Europa-Chefvolkswirt von S&P, warnte: „Wir sollten die Erwartungen nicht zu hoch steigen lassen, es wird weitere Gipfel geben.“ Es bedürfe womöglich eines weiteren Schocks – zum Beispiel, dass eine große deutsche Bank große Schwierigkeiten an den Märkten bekomme – bevor alle in der Euro-Zone einer Meinung seien. Vor einer Woche hatte S&P Deutschland und praktisch allen anderen Euro-Zonen-Ländern mit einer Herabstufung gedroht. Eine Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet.

Aus Sicht von Philippe Gijsels, Chef-Analyst der BNP Paribas Fortis Global Markets, dürften die anstehenden Sparmaßnahmen in der Euro-Zone einen stark negativen Effekt auf das Wachstum haben und 2012 zu einem konjunkturell schwierigen Jahr machen. „Es wird schwer für die Unternehmen, ihre Gewinne zu steigern und die Ergebnis-Prognosen sind wohl immer noch viel zu optimistisch“, warnte er.

In diesem Zusammenhang wies Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research darauf hin, dass aus den Schwellenländern kaum ein Ausgleich für einen Nachfrage-Rückgang in Europa zu erwarten sei. Schließlich seien die chinesischen Konjunkturdaten der vergangenen Wochen eher enttäuschend ausgefallen. Indien gab am Montag einen 5,1-prozentigen Rückgang der Industrieproduktion bekannt. Auf europäische Ebene gehörten die Finanzwerte einmal mehr zu den größten Verlierern. Die europäischen Branchenindizes für die Banken und Versicherer gaben um 3,7 beziehungsweise 4,6 Prozent nach.

Bei letzteren lastete auch die Drohung der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P), die Bonität von Allianz, Axa & Co. herabzusetzen, auf der Stimmung. Allianz büßten 6,5 Prozent auf 74,24 Euro ein. Axa und Generali fielen zwischen 6,5 und 3,9 Prozent. Das Schlusslicht im Dax bildeten die Papiere der Commerzbank mit einem Abschlag von 7,8 Prozent. Die Deutsche Bank verlor 5,5 Prozent.