Geldmanager

An den Asien-Börsen locken günstige Gelegenheiten

Niedrige Schulden und hohe Renditen sprechen für Aktien asiatischer Firmen: Geldmanager John Ford rät den Anlegern, jetzt einzusteigen.

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Morgenpost Online: Europa hat mal wieder einen Gipfel hinter sich und kämpft dennoch weiter mit seinen Problemen. Ist das in Asien auch solch ein Riesen-Thema?

John Ford: Die Krise in Europa hat natürlich auch Auswirkungen auf die Märkte hier. Aber bei den Menschen ist das noch nicht so richtig angekommen. Bei ihnen herrscht nach wie vor großer Optimismus vor. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass Asien eben Ende der 90er Jahre seine große Krise hatte und heute weit besser dasteht als Europa – sowohl die Staaten als auch die Unternehmen und die Privathaushalte haben weitaus geringere Schuldenstände. Daher glaubt man daran, dass man die Folgen einer wirtschaftlichen Abschwächung beherrschen kann.

Morgenpost Online: An den Börsen ist das aber nicht abzulesen, diese sind in diesem Jahr fast in ganz Asien deutlich im Minus .

Ford: Das liegt aber vor allem an den ausländischen Anlegern, die in den vergangenen Monaten viel Geld abgezogen haben. Und das haben sie vor allem getan, weil sie stark von der Lage und der Stimmung in ihren Heimatländern beeinflusst werden, weniger aufgrund irgendwelcher negativen Entwicklungen in der Wirtschaft der asiatischen Staaten.

Morgenpost Online: Wird dann wenigstens das kommende Jahr besser?

Ford: Das kommende Jahr wird weiter vor allem von dem Ringen um die enormen Schulden der westlichen Industriestaaten geprägt sein. Irgendjemand muss dafür bezahlen, und das wird dazu führen, dass das Wachstum in diesen Ländern auf Jahre sehr gering ausfallen wird. Natürlich hat das auch Auswirkungen auf Asien, aber wovon reden wir? Sollte es zu einer „harten Landung“ der chinesischen Wirtschaft kommen, was einige befürchten, dann bedeutet dies, dass die Wirtschaft nicht mehr um acht sondern um sechs Prozent wächst. Aber sie wächst eben weiter sehr stark.

Morgenpost Online: Und was bedeutet das für die Aktien?

Ford: Das hängt letztlich davon ab, wie die internationalen Anleger agieren. Aber betrachten Sie die Fundamentaldaten: Die Firmen Asiens, ohne Japan, haben einen Verschuldungsgrad von rund 30 Prozent ihrer Bilanzsumme, gegenüber 50 Prozent bei amerikanischen und 60 Prozent bei europäischen Unternehmen. Hinzu kommt: Die Dividendenrendite der Firmen in Asien, wiederum ohne Japan, liegt inzwischen bei 3,5 Prozent, ebenfalls mindestens so gut oder sogar besser als in den USA und Europa. Das heißt: es gibt derzeit eine Reihe günstiger Gelegenheiten für Anleger in Asien.

Morgenpost Online: Und dennoch flüchten diese weiter aus Anlagen in asiatischen Aktien. Vor allem Indien hat derzeit damit zu kämpfen, die Rupie verfällt zunehmend, die Regierung überlegt inzwischen sogar, deshalb Kapitalverkehrskontrollen einzuführen.

Ford: Das Volumen des Rupienhandels ist relativ klein, so dass deutliche Abflüsse große Wirkungen haben. Hinzu kommt, dass der indische Markt traditionell einer der schwankungsanfälligsten ist. Ich hoffe jedoch, dass die Idee von Kapitalverkehrskontrollen nur Gerede ist, denn Indien braucht eigentlich das Gegenteil, es muss sich weiter öffnen. Das war eigentlich auch geplant, die Regierung wollte beispielsweise den Einzelhandel für ausländische Firmen öffnen, was letztlich dazu führen würde, dass der Preiswettbewerb stärker würde, und dies käme wiederum allen Indern zugute, die zuletzt unter einer enormen Inflation vor allem bei Lebensmitteln litten. Doch das Projekt wurde gerade wieder gestoppt. Wenn Indien es jedoch schafft, den Weg der Öffnung weiter zu gehen, dann sehe ich dort große Chancen. Denn das Land hat keine demografischen Probleme, wie sie leider auch China schon bald treffen werden. Allerdings muss Indien auch endlich seine Infrastruktur modernisieren und das Land muss es schaffen, seine Verwaltung auf Vordermann zu bringen.

Morgenpost Online: Im kommenden Jahr wird es in einer ganzen Reihe von Ländern Asiens Wahlen geben – von Parlamentswahlen in Taiwan, Südkorea und wahrscheinlich auch Malaysia über eine Präsidentenwahl in Indien bis hin zum Führungswechsel in China . Hat dies Auswirkungen auf die Märkte?

Ford: In den meisten Ländern werden von den Investoren keine großen Überraschungen erwartet, vor allem in China ist es äußerst unwahrscheinlich, dass irgendetwas Unerwartetes geschieht, und das hätte immerhin die größten Auswirkungen. Daher erwarte ich auch keinen großen Einfluss der Wahlen auf die Märkte, abgesehen vielleicht von leichten Schwankungen. Asien ist heute eine sehr stabile Region, wirtschaftlich und eben auch politisch.