Zertifikate

Mit Discount-Strategie ins neue Börsenjahr

Kleinanleger können mit Discountern auf einfache Art und Weise komplizierte Options-Konstruktionen der Finanzprofis nachbilden.

Foto: WELT ONLINE Infografik

Die Ausgangslage für das Börsenjahr 2012 ist schwierig. Einerseits gehen Anlageprofis und Analysten von einer deutlichen konjunkturellen Abschwächung und dementsprechend sinkenden Unternehmensgewinnen aus, was gegen Aktien spricht. Andererseits gelten Staatsanleihen aus einigermaßen sicheren Schuldnerländern wie Deutschland oder den USA als rückschlaggefährdet und mit Blick auf die erzielbaren Renditen ohnehin unattraktiv.

Angesichts dieser widersprüchlichen Signale empfehlen die Strategen im Privat Banking der Credit Suisse eine ausgewogene Streuung über die verschiedenen Anlagesegmente, wobei Aktien gegenüber Anleihen leicht übergewichtet werden sollten. Hierbei raten die Experten allerdings zu einer defensiven Grundausrichtung und empfehlen eine gezielte Auswahl von Unternehmen mit solider Bilanz und hohen Dividendenausschüttungen.

Eine weitere Alternative oder Ergänzung für eine Aktienanlage mit gebremstem Risiko machen die Anlagestrategen in Optionsstrategien aus, die gezielt das derzeit hohe Volatilitätsniveau ausnutzen. Eine solche wäre der Credit Suisse zu Folge beispielsweise die Kombination einer "Long"-Position in ausgewählten Aktien und dem gleichzeitigen Verkauf ("short") von Calls auf dieselben Titel. Mit dieser Strategie können aufgrund der momentan sehr hohen Volatilitätsprämien zusätzliche Erträge (aus dem Verkauf der Call-Option) erzielt werden.

Im Gegenzug verzichtet der Anleger allerdings auf die Chance, bei einer möglichen Aktienrallye in vollem Umfang zu partizipieren, da der Teil der Kursgewinne, der über den Basispreis des verkauften Calls hinausgeht, dann an den Käufer der verkauften Option abgetreten werden muss.

Discountpapiere bilden Optionsstrategie nach

Diese Optionsstrategie entspricht der Funktionsweise klassischer Discountzertifikate, die sozusagen die kleinanlegergerechte Umsetzung dieser Profistrategie liefern. Aus Sicht der Credit Suisse ist sie insbesondere in einem Börsenumfeld geeignet, in dem das Aufwärtspotenzial für Aktien (vorübergehend) als begrenzt angesehen wird. In dem hohe Dividenden und andere fundamentale Kennzahlen aber so attraktiv sind, dass keine (weiteren) dramatischen Kursverluste zu befürchten sind.

Beides scheint in der derzeitigen Marktkonstellation gegeben. Die Anlagestrategen der Credit Suisse raten für die Discount-Strategie zu Produkten mit Gewinnobergrenzen ("Cap"), die über dem aktuellen Aktienkurs des jeweiligen Basiswertes liegen. Auf diese Art bleibt ein Teil des Gewinnpotenzials aus einem Kursplus erhalten, wobei über den Verzicht auf das volle Kurspotenzial trotzdem hohe Preisabschläge beim Einstand erzielt werden können.

Bei einem entsprechenden Discount-Zertifikat auf den mit den dividendenstärksten Dax-Aktien bestückten DivDax mit einem Cap bei 115 Indexpunkten, wären so in einem positiven Börsenumfeld Gewinne von mehr als 27 Prozent möglich. Gleichzeitig würde aber auch dann eine Rendite von 8,5 Prozent erzielt, wenn sich der Index per Saldo bis Ende 2012 nur seitwärts bewegt und er schließlich wieder bei den rund 98 Punkten ankommt, die momentan für den Index errechnet werden.

Selbst im Krisenfall ist der Discunter besser als das ETF

Im Krisenfall schließlich würde der indirekte Zugang über das Discountzertifikat dafür sorgen, dass Anleger bei einem Crash wegen des anfänglichen Preisabschlags von rund acht Prozent ein geringeres Minus verbuchen müssen, als mit einer Direktanlage im Index. Zu beachten ist dabei, dass bei einer Direktanlage die gerade bei den DivDax-Werten sehr hohen Ausschüttungen zusätzlich ins Kalkül hereingenommen werden müssen (WKN: DB5VVQ).

Noch deutlich höhere Gewinne als mit dem DivDax sind mit Discountpapieren auf dividendenstarke Einzelaktien möglich. Zu diesen gehören etwa die Deutsche Telekom, die Münchener Rück oder der Versorger E.on. Analystenschätzung zufolge liegen deren Dividendenrenditen bezogen auf die für 2012 von Analysten erwarteten Ausschüttungen allesamt über sechs Prozent pro Jahr.

Bei einem von der Bank Vontobel angebotenen Telekom-Discounter mit einer Gewinngrenze bei nur neun Euro, würde per Fälligkeit sogar ohne jeden Kursgewinn der Aktie eine Rendite von mehr als 19 Prozent pro Jahr erzielt (WKN: VT1ZT9). Denn bei Discountern kommt es am Ende immer dann zu einer Auszahlung in Höhe des Cap, wenn die betreffende Aktie oberhalb dieser alles entscheidende Kursmarke notiert. Dies ist bei der T-Aktie derzeit der Fall, sodass mit dem Zertifikat selbst dann der maximale Gewinn erzielt werden würde, wenn sich die Aktie in den nächsten zwölf Monaten nicht von der Stelle bewegt. Bei der von den Credit-Suisse-Strategen empfohlenen Strategie mit oberhalb der aktuellen Kurse angesiedelten Caps, könnten sich Anleger mit einem erst bei elf Euro je T-Aktie gedeckelten Papier eine Kurschance von mehr als 30 Prozent bewahren. Gleichzeitig wären aber auch bei besagtem Kursstillstand immer noch Gewinne von über zwölf Prozent pro Jahr zu erzielen.

Hintergrund hierbei ist, dass die Zertifikate am Ende zum Gegenwert der Aktie ausgezahlt werden, falls dieser am Bewertungstag ermittelte Wert unterhalb des Cap liegt. Ein heute zu 8,17 Euro angebotenes Telekom-Discount-Zertifikat mit Cap bei elf Euro, würde somit bei unverändertem Aktienkurs immer noch zu 9,23 Euro - also mit deutlichem Gewinn - zurückgezahlt werden (WKN: BN4PNW).

Fazit: Die momentan extrem hohe Marktvolatilität ermöglicht gerade bei der Discountstrategie sehr attraktive Konditionen. Dies macht den Einsatz besonders reizvoll, zumal damit in den allermeisten Fällen auch dann sehr ansehnliche Gewinne erzielt werden, wenn der Aktienmarkt nicht in Schwung kommen will. Und eine Seitwärtsbewegung an den Börsen kann wegen der vielen derzeit herrschenden Unsicherheiten kaum ausgeschlossen werden.