Finanzmärkte

Enttäuschung über EU-Gipfel drückt Kurse in Asien

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Die Erwartungen der Investoren an den Brüsseler Gipfel waren wohl überzogen. Nach der Entscheidung in Brüssel verbuchen die Börsen deutliche Abschläge.

Die ersten Marktreaktionen auf den EU-Gipfel sind in Fernost negativ ausgefallen. Enttäuscht von den Ergebnissen der stundenlangen Verhandlungen in Brüssel schickten die Anleger die Börsenbarometer der Region auf Talfahrt.

Marktteilnehmer sprachen aber auch von überzogenen Erwartungen an die Politik. „Insgesamt bewegt sich Europa in die richtige Richtung“, räumte Ryota Sakagami von SMBC Nikko Securities ein. Die EU hatte in der Nacht eine Fiskalunion der Euro-Zone vorangebracht, den dauerhaften Rettungsschirm ESM zur Enttäuschung der Märkte aber nicht mit einer Banklizenz ausgestattet.

Auch die Weigerung der EZB, zur Linderung der Schuldenkrise massiv Staatsanleihen zu kaufen, sorgte in Asien für Verdruss.

Nikkei schließt 1,5 Prozent im Minus

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio 1,5 Prozent im Minus bei 8536 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 0,9 Prozent auf 738 Punkte. Auch die Börsen in Singapur, Taiwan, Korea und Shanghai mussten Federn lassen. Besonders steil bergab ging es in Hongkong mit einem Minus von 2,5 Prozent. Am Vorabend hatte schon die Wall Street mit kräftigen Abschlägen auf die Entwicklung in Europa reagiert.

Auf dem Krisengipfel in Brüssel einigten sich die 17 Euro-Staaten zusammen mit sechs Nicht-Euro-Länder der EU auf verschärfte Spar- und Kontrollauflagen. Die von Deutschland und Frankreich geforderte Änderung des EU-Vertrages der 27 Mitgliedstaaten scheiterte aber vor allem am Widerstand Großbritanniens.

Euro fällt nach Gipfelbeschlüssen auf 1,33 Dollar

Der Euro fiel am Freitag fast auf die Marke von 1,33 US-Dollar zurück. Im frühen Handel stand die Gemeinschaftswährung bei 1,3303 Dollar. Ein Dollar kostete damit 0,7515 Euro. Die EZB hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,3410 (Mittwoch: 1,3377) Dollar festgesetzt. Der Euro knüpfte damit zum Wochenschluss an die kräftigen Verluste vom Vortag an, nachdem die EZB einem massiven Ankauf von Staatsanleihen hoch verschuldeter Staaten der Eurozone eine Absage erteilt hatte.

Märkte hatten auf stärkeren Einsatz der EZB gehofft

Doch die Märkte hatten auf die EZB als die ultimative Retterin in der Not gesetzt. Auch dass sich die Bundesrepublik mit ihrer Ablehnung von Euro-Bonds durchsetzte, missfiel einigen Investoren. „An den Märkten wird es allein durch die Verständigung auf eine Fiskalunion keine Entspannung geben“, sagte Junya Tanase von JPMorgan Chase in Tokio. Der EU-Gipfel wurde am Freitag fortgesetzt.

Bei den Einzeltiteln standen an den japanischen Börsen die Aktien des Autoherstellers Toyota im Mittelpunkt. Der VW-Rivale rechnet in diesem Geschäftsjahr mit einem deutlich geringeren Betriebsgewinn als bisher. Zur Begründung führte Toyota Produktionsausfälle nach den Überschwemmungen in Thailand an. Doch die Märkte ließen sich kaum von dieser Entschuldigung trösten: Toyota-Papiere gaben 0,4 Prozent nach.

In Südkorea konnte der Handy-Riese Samsung nicht von seinem Etappensieg gegen den US-Rivalen Apple profitieren. Ein Gericht in Australien hatte ein von dem iPhone- und iPad-Hersteller beantragtes Verkaufsverbot der Galaxy-Geräte aufgehoben. Die Samsung-Aktie gab trotzdem mehr als ein Prozent nach. Am Donnerstag war Samsung mit dem Versuch gescheitert, in Frankreich per Gerichtsentscheid den Verkauf des iPhone 4s zu verhindern.