US-Börsen

Skepsis über EU-Gipfel drückt Wall Street ins Minus

Lange Gesichter an der Wall Street: Zum einen enttäuschte die EZB die Hoffnung der Anleger, zum anderen sorgte die gespannte Stimmung beim EU-Gipfel nicht für die nötige Erleichterung.

Die Weigerung der EZB, zur Linderung der Schuldenkrise massiv Staatsanleihen zu kaufen, hat am Donnerstag an der Wall Street für lange Gesichter gesorgt. „In den letzten Tagen deutete sich an, dass sie diese Panzerfaust in Stellung bringen. Jetzt treten sie dem Eindruck aber entgegen“, sagte Tom Donino von First New York Securities.

Anzeichen für deutliche Meinungsunterschiede zu Beginn des EU-Gipfels in Brüssel beschleunigten die Talfahrt im Handelsverlauf.

Für Enttäuschung sorgten vor allem Berichte, dass Deutschland auf seiner harten Haltung beharrt und etwa eine Banklizenz für den dauerhaften Rettungsschirm ESM weiterhin ablehnt. Dies bekamen vor allem Finanzwerte mit teils deutlichen Verlusten zu spüren. Abgebremst wurde die Talfahrt lediglich durch positive Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,6 Prozent im Minus bei 11.997 Punkten, nachdem er im Handelsverlauf zwischen 11.966 und 12.195 Punkten geschwankt hatte. Der breiter gefasste S&P-500 fiel 2,1 Prozent auf 1234 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 2,0 Prozent auf 2596 Punkte ein. Der Dax schloss zwei Prozent im Minus bei 5874 Stellen.

AIG-Aktien rutschten um mehr als 5 Prozent

Finanzwerte büßten im Schnitt fast vier Prozent an Wert ein. Die Aktien des Versicherers AIG rutschten um 5,5 Prozent, die Titel der Investmentbank Morgan Stanley sogar um mehr als acht Prozent nach unten, weil das Institut nach Ansicht von Börsianern besonders deutlich unter einer Verschärfung der Schuldenkrise in Europa leiden würde. „Der Markt will wirklich bis morgen abwarten, um zu sehen, was auf dem Gipfel passiert“, sagte Ken Polcari von ICAP Equities.

Händler zeigten sich beunruhigt über den erneuten Anstieg der Renditen italienischer Staatsanleihen in Folge der EZB-Äußerungen. Der von der europäischen Bankenaufsicht EBA diagnostizierte Kapitalbedarf der größten europäischen Geldhäuser von 115 Milliarden drückte zusätzlich auf die Gemüter.

Auch die Aktien von IBM standen im Fokus. Die Mitteilung von „Big Blue“, den Cloud-Anbieter Demandtec für 440 Millionen Dollar zu kaufen, beeindruckte die Investoren nicht. Die Papiere des Technologie-Konzerns verbilligten sich um 1,2 Prozent.

Erleichterung am US-Arbeitsmarkt

Immerhin gab der angeschlagene US-Arbeitsmarkt zur Erleichterung der Anleger ein Lebenszeichen von sich. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sank vergangene Woche auf den tiefsten Stand seit einem Dreivierteljahr. Die Anträge lagen bei 381.000 und damit um 23.000 unter der Vorwoche. Das ist der niedrigste Stand seit Ende Februar.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 930 Millionen Aktien den Besitzer. 405 Werte legten zu, 2580 gaben nach und 79 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,85 Milliarden Aktien 349 im Plus, 2158 im Minus und 85 unverändert.