Umfrage

Investoren finden Bernanke besser als Draghi

Die großen Notenbanken müssen unkonventionell handeln. Dabei liegt Fed-Chef Ben Bernanke in der Gunst der Investoren klar vor seinem europäischen Herausforderer.

Foto: Reuters, dapd / Reuters, dapd/HYUNGWON KANG, Mario Vedder

Die Beliebtheit von US-Notenbankchef Ben S. Bernanke bei den Investoren hat in den vergangenen drei Monaten deutlich zugenommen. Während er vor drei Monaten von 60 Prozent der Anleger gute Noten bekam, beurteilen ihn in der aktuellen Bloomberg-Umfrage 71 Prozent der Teilnehmer positiv.

Sie sind der Auffassung, dass die Federal Reserve Bank (Fed) beim Krisenmanagement besser abschneidet als die Europäische Zentralbank (EZB). In der Anfang Dezember durchgeführten Umfrage unter 1097 Kunden der Nachrichtenagentur Bloomberg zeigte sich breite Unterstützung für den US-Notenbankchef, der im eigenen Land wegen seiner Anleihekäufe im Volumen von Billionen Dollar in die Schusslinie vor allem republikanischer Politiker geraten ist.

„Bernankes Führung und sein vernünftiger Optimismus sind während der Erholung der US-Wirtschaft unabdingbar“, kommentierte Jennifer Howarth Lima, Rentenhändlerin bei Banif Investment Bank: „Seine Maßnahmen spiegeln wider, dass er von Anzeichen für Wachstum ermutigt wird, aber aufgrund der anhaltenden Schwäche am Arbeitsmarkt vorsichtig bleibt“

Investoren sehen Fed beim Krisenmanagement vor der EZB

Sehr unterschiedlich schneiden die EZB und Fed in der Beurteilung durch die Investoren ab. Rund drei Viertel der Befragten bescheinigen der US-Notenbank, sie habe beim Umgang mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten ein besseres Händchen bewiesen als die EZB. Nur 13 Prozent sehen das Krisenmanagement der EZB besser. Der seit 1. November amtierende EZB-Chef Mario Draghi hat bei den Anlegern allerdings merklich an Ansehen gewonnen: Aktuell kommt er auf 63 Prozent Zustimmung, im September waren es nur 36 Prozent.

Bernankes positive Bewertung spiegelt auch eine optimistischere Einschätzung der wirtschaftlichen Lage in den USA wider. Weniger als ein Viertel der Befragten rechnet damit, dass die USA innerhalb eines Jahres wieder in eine Rezession fallen. Vor knapp drei Monaten sah noch rund die Hälfte einen sogenannten „Double-Dip“ am Horizont.

Seit der letzten Befragung Ende September hat der US-Aktienindex Standard & Poor's 500 mehr als acht Prozent gewonnen. Die US-Volkswirtschaft legte im dritten Quartal mit einer Jahresrate von zwei Prozent zu und die Arbeitslosenquote fiel von 9,1 Prozent im September auf 8,6 Prozent im November.

Investoren mehrheitlich gegen QE3

In diesem Zeitraum hat die Fed ihre „Operation Twist“ durchgeführt, in der sie langfristigere Anleihen aufkauft und im Gegenzug Kurzläufer begibt, um die Finanzierungskosten zu senken und das Wirtschaftswachstum zu fördern. Weitere geldpolitische Stützungsmaßnahmen blieben als Option noch auf dem Tisch, hatte Bernanke Anfang November erklärt. Bisher hat er noch nicht erkennen lassen, ob er auf eine dritte Runde von Anleihekäufen drängen wird, die sogenannte quantitative Lockerung. Zwischen Dezember 2008 und Juni 2011 hatte die Fed in zwei Programmen Anleihen im Gesamtwert von 2,3 Billionen Dollar (1,72 Billionen Euro) erworben.

Die Umfrageteilnehmer sprechen sich mehrheitlich gegen eine dritte Runde der quantitativen Lockerung aus. Nur 28 Prozent befürworten weitere Anleihekäufe im nächsten Jahr. Eine Mehrheit von 51 Prozent sieht inzwischen bessere Chancen auf Wirtschaftswachstum in den USA durch Sparmaßnahmen, als durch konjunkturfördernde Eingriffe wie Steuersenkungen oder zusätzliche Staatsausgaben.

US-Investoren zurückhaltender bei Reichen-Besteuerung

Unterschiedlich beurteilt wird eine höhere Besteuerung von Reichen. Während weltweit insgesamt 60 Prozent höhere Steuern für Reiche in den USA fordern, um das Haushaltsdefizit des Landes zu senken, wollen nur 46 Prozent der Investoren in den USA den Reichen tiefer in die Taschen greifen.

51 Prozent sprechen sich in den USA dagegen aus. Außerhalb der Vereinigten Staaten unterstützen allerdings 69 Prozent die Forderung. Die Umfrageteilnehmer sehen eine ganze Reihe von Problemen für die US-Wirtschaft. Spitzenreiter dabei ist die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit, die für sieben von zehn Anlegern ein erhebliches Hindernis darstellt. 59 Prozent sehen die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken als Problem, 56 den politischen Stillstand zwischen Republikanern und Demokraten. Ebenfalls große Sorgen machen das US-Haushaltsdefizit, das von 53 Prozent der Befragten genannt wird, und die Turbulenzen in der Eurozone, die 52 Prozent als Problem benennen.

Eine strengere Regulierung der Finanzbranche in den USA sehen 41 Prozent der Umfrageteilnehmer als Hindernis für eine wirtschaftliche Erholung. 34 Prozent sehen ein Problem in den Bemühungen der Verbraucher, ihre Schulden abzubauen, während 29 Prozent auf die Unwilligkeit der Banken verweisen, Abschreibungen auf Hypotheken vorzunehmen, um die gesunkenen Hauspreise zu berücksichtigen. 28 Prozent nennen den regulatorischen Ansatz der Regierung von US-Präsident Barack Obama und 25 Prozent die zunehmend ungleiche Einkommensverteilung.