Schuldenkrise

EZB gibt Banken unbegrenzte Kredite für drei Jahre

Längere Kreditlaufzeiten, weniger Sicherheiten: Die EZB macht den unter der Euro-Krise leidenden Banken das Leben deutlich leichter.

Foto: dapd

Die Europäische Zentralbank (EZB) greift den wegen der Schuldenkrise unter Druck stehenden Banken der Währungsunion mit neuen Hilfen unter die Arme. Sie können sich bis zu einer Laufzeit von drei Jahren Geld in unbegrenzter Höhe von der EZB leihen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Dabei soll es einen festen Zinssatz geben, der sich am Leitzins der Zentralbank orientiert, der auf 1,0 Prozent gesenkt wurde .

„Das soll die Funktionsfähigkeit des Geldmarktes erhalten“, sagte Draghi. Geplant sind zwei Versteigerungen. Der Kredit kann bereits nach einem Jahr zurückgezahlt werden. Bislang stellt die EZB für maximal ein Jahr Liquidität zur Verfügung.

Die Banken müssen zudem weniger Geld als Sicherheit bei der EZB hinterlegen, wodurch mehr Kredite ausgereicht werden können. Die sogenannte Mindestreserveanforderung werde auf ein Prozent halbiert, sagte Draghi. Außerdem werden von Banken künftig geringere Sicherheiten als Gegenleistung für Zentralbankgeld verlangt.

Grund für das Eingreifen der EZB ist das Misstrauen der Banken untereinander. Sie leihen sich in normalen Zeiten genügend Geld gegenseitig auf dem sogenannten Interbankenmarkt. Diese Quelle ist aber nahezu versiegt, weil die Institute wegen der Schuldenkrise ihr Geld lieber horten, anstatt der Konkurrenz zu leihen.

Sie fürchten, im Falle einer Pleite auf ihren Forderungen sitzenzubleiben. Weil auch US-Geldmarktfonds den europäischen Banken wegen der Schuldenkrise kaum noch Geld leihen, stellen die großen Notenbanken bis 2013 Dollar-Liquidität in unbegrenzter Höhe zur Verfügung und senkten zudem die Kosten für die Kreditgeschäfte. Europas Währungshüter stemmen sich jedoch weiterhin gegen Forderungen nach einem quasi unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen der Euro-Schuldenstaaten. „Das Programm läuft weder ewig noch ist es unbegrenzt“, bekräftigte Draghi.

Seit Mai 2010 steckte die Notenbank Milliarden in den Kauf von Staatsanleihen von kriselnden Staaten wie Griechenland, Portugal und seit einiger Zeit auf Italien. Nach den letzten veröffentlichten Zahlen hat die EZB Staatsanleihen im Volumen von 207 Milliarden Euro in ihren Büchern.

Weil damit Staatsschulden über die Notenbankbilanz finanziert werden, ist die Maßnahme umstritten. Etliche Ökonomen und Politiker fordern gleichwohl eine drastische Ausweitung der Käufe: Nur die EZB könne so verhindern, dass große Euro-Volkswirtschaften wie Italien und Spanien und damit der Euro insgesamt in Gefahr gerate.