Börsen-Bericht

Dax klettert im Bann des EU-Gipfels ins Plus

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Die ersten Beschlüsse vom EU-Gipfel treiben den Dax. Vor allem die Aussicht auf Investitionen aus China freuen die Anleger.

Die deutschen Aktienindizes sind bei weiter nervösem Handel im Zuge des EU-Gipfels ins Plus geklettert. Der Dax verbesserte sich um 0,47 Prozent auf 5902 Punkte. Am Vortag war der Leitindex nach Enttäuschung über erste Aussagen aus Brüssel sowie die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach unten gedreht.

Die übrigen Indizes lagen ebenfalls in der Gewinnzone: Der MDax legte um 0,51 Prozent auf 8713 Punkte zu, der TecDax gewann 0,68 Prozent auf 680 Punkte.Börsianer zeigten sich zwar eher enttäuscht von den bisherigen Beschlüssen in Brüssel und auch von der EZB, was aber bereits am Vortag eingearbeitet worden sei.

Geplanter China-Fonds beflügelt Euro und Dax

Die Aussicht auf verstärkte chinesische Investitionen hat dem Euro und den europäischen Aktienmärkten Auftrieb gegeben. Die Gemeinschaftswährung übersprang die psychologisch wichtige Marke von 1,34 Dollar und kostete mit 1,3424 Dollar rund einen halben US-Cent mehr als zum New Yorker Vortagesschluss. Man müsse aber abwarten, ob sich hinter den geplanten, insgesamt 300 Milliarden Dollar schweren Fonds etwas fundamental neues verberge, sagte ein Frankfurter Aktienhändler. „Vielleicht schichten die Chinesen ihr Geld auch einfach nur um. Der Markt nimmt das aber erst einmal positiv auf.“

Händlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets zufolge ist inzwischen etwas Unsicherheit aus den Märkten gewichen – die Frage sei nur, wie lange die aufgehellte Stimmung halte. Stratege Robert Halver von der Baader Bank sieht in den Eingeständnissen von EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy, Fehler bei den Banken gemacht zu haben, eine wesentliche Stütze. Es sei ein hausgemachtes Bankenproblem zugelassen worden und diese Erkenntnis sei nun positiv, meint Halver. Alles entscheidend sei aber, Italien und Spanien vom Radarschirm zu bekommen.

Aktien der Deutschen Bank kletterten nach anfänglichem Verlusten mit plus 2,50 Prozent auf 28,955 Euro an die Dax-Spitze. Börsianer zeigten sich erleichtert, dass es von Seiten der Stresstest-Ergebnisse keine neuen Hiobsbotschaften gegeben habe. Der Belastungstest für die Branche sei erwartungsgemäß ausgefallen. Auch Versicherer zählten europaweit zu den Gewinnern, was Händler mit leichter Entspannung an den Rentenmärkten der Eurozone begründeten.

Am Dax-Ende fanden sich indes Ttiel von K+S mit minus 1,87 Prozent wieder. Die US-Investmentbank Morgan Stanley reduzierte das Kursziel in Erwartung niedrigerer Kali-Volumina und geringerer Gewinne aus dem Salzgeschäft. Bayer-Papiere hielten sich dagegen mit plus 1,88 Prozent überdurchschnittlich gut. Ein Expertengremium der US-Gesundheitsbehörde FDA hat die Anwendungsbestimmungen für Bayer-Antibaby-Pillen in den USA nicht entscheidend verschärft.

Märkte hatten stärkeren Einsatz der EZB erwartet

Positiv bewerteten Analysten, dass es nach wochenlangem Hickhack überhaupt eine Lösung gegeben habe. Als Minuspunkte nannten sie unter anderem, dass kein stärkeres Eingreifen der EZB vorgesehen sei und es keine Details zu einer Hebelung des Rettungsschirms EFSF gegeben habe. Holger Schmieding, Volkswirt bei der Berenberg Bank, fasste zusammen: „Die gute Nachricht: Man hat sich frühzeitig geeinigt. Die schlechte Nachricht: Es gibt keine positiven Überraschungen. Wenn die EZB nicht mehr macht als bisher angekündigt, dann ist das Risiko sehr groß, dass das Gipfelergebnis nicht ausreicht, um die Krise zu beenden.“

Vor allem in den südeuropäischen Ländern reagierten die Anleger erleichtert und kauften verstärkt Aktien. Der Mailänder Leitindex kletterte um 0,8 Prozent, der portugiesische Index legte um 0,6 Prozent zu. Auch in Frankreich verzeichnete die Börse ein Plus, der CAC40 verzeichnete ein Plus von 0,2 Prozent. Zu den Schlusslichtern in Europa zählte der britische Leitindex, der „Footsie“ fiel um 0,3 Prozent.

In Asien zeigten sich Anleger noch enttäuscht von den Ergebnissen der stundenlangen Verhandlungen in Brüssel gezeigt und die Börsenbarometer der Region auf Talfahrt geschickt. Marktteilnehmer sprachen aber auch von überzogenen Erwartungen an die Politik.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio 1,5 Prozent im Minus bei 8536 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 0,9 Prozent auf 738 Punkte. Auch die Börsen in Singapur, Taiwan, Korea und Shanghai mussten Federn lassen. Besonders steil bergab ging es in Hongkong mit einem Minus von 2,5 Prozent. Am Vorabend hatte schon die Wall Street mit kräftigen Abschlägen auf die Entwicklung in Europa reagiert.