Börsen-Bericht

RWE und Metro drücken den Dax ins Minus

S&P droht mit Herabstufung der Euro-Zone, die Verluste halten sich aber in Grenzen. Gewinnwarnung von Metro wegen schlechtem Start ins Weihnachtsgeschäft.

Die Finanzmärkte haben die drohende Herabstufung der Bonität Deutschlands und praktisch aller anderen Eurozonen-Länder mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Der Dax schloss am Dienstag mit einem Minus von 1,3 Prozent bei 6028,82 Punkten, nachdem er zu Handelsbeginn bis zu 1,6 Prozent abgegeben hatte.

In der Vorwoche und am Montag hatte der Leitindex noch Gewinne verbucht. Die schlechte Stimmung kam am deutschen Markt aber auch durch die herben Abschläge bei den Papieren von Metro, RWE und E.ON zustande.

Der EuroStoxx50 verlor 0,3 Prozent auf 2361 Zähler, der Bankenindex schloss 0,5 Prozent niedriger. Die Börsen in Mailand und Paris beendeten den Tag nur knapp im Minus, der „Footsie“ in London hielt sich sogar knapp in der Gewinnzone. An der Wall Street notierten die wichtigsten Indizes uneinheitlich. Der Euro fiel unter die Marke von 1,34 Dollar.

„Aus Sicht des Marktes erhöht die Warnung von S&P den Druck auf die Politik, die Bekämpfung der Euro-Krise ernsthaft anzugehen“, sagte Joe Rundle von ETX Capital. Die Ratingagentur hatte am späten Montagabend zu einem Rundumschlag in Europa ausgeholt. Sie warnte die bisher mit der Top-Bonitätsnote „AAA„ bewertete Bundesrepublik, sie könnte wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone um eine Stufe abgewertet werden.

Am Dienstagnachmittag legte S&P nach und erklärte, auch die Bonität des Euro-Rettungsschirms EFSF könnte um ein bis zwei Stufen gesenkt werden, falls einem oder mehreren Euro-Ländern die Bestnote entzogen würden. An den Finanzmärkten stieß diese Warnung indes nur auf wenig Resonanz.

Jim O'Neill, Chef der Vermögensverwaltung bei Goldman Sachs, bezeichnete den Zeitpunkt der S&P-Warnung kurz vor dem EU-Gipfel als „lächerlich„: „Ich zweifle an der Relevanz der Entscheidung.“ Ähnlich äußerten sich auch andere Analysten und Volkswirte.

Mit der S&P-Drohung dürfte der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag dennoch stärker in den Fokus der Anleger rücken. Auf dem Gipfel soll entschieden werden, ob die von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy anvisierten Neuregelungen Teil des EU-Vertrages werden oder ob die Euro-Zone alleine voranmarschiert.

Am Rentenmarkt nahmen die Anleger den S&P-Warnschuss unaufgeregt zur Kenntnis. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen fiel auf 2,144 Prozent nach 2,162 Prozent am Vortag. Die Reformanstrengungen Italiens drückten die Rendite der zehnjährigen Papiere des Landes erstmals seit Ende Oktober wieder unter die Sechs-Prozent-Marke. Der Zins ging bis auf 5,871 Prozent zurück, nachdem der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti am Wochenende ein 30 Milliarden Euro schweres Sparpaket vorgestellt hatte, um das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen.

Metro und RWE sind die größten Verlierer

Für Gesprächsstoff am deutschen Aktienmarkt sorgten neben der drohenden Herunterstufung Deutschlands vor allem RWE und Metro. Die Aktien des Energieversorgers fielen zeitweise um mehr als zwölf Prozent und damit so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Sie schlossen mit einem Abschlag von 7,2 Prozent bei 28,15 Euro.

RWE hat bei einer milliardenschweren Kapitalerhöhung 400 Millionen Euro weniger eingenommen als erhofft. Der Bezugspreis der neuen Aktien wurde auf 26 Euro festgesetzt. Am Dienstag büßte die RWE-Aktie im Dax in der Spitze knapp zwei Milliarden Euro an Börsenwert ein. Dies entspricht in etwa der Summe, die der Versorger durch die Kapitalerhöhung einnimmt. Im Fahrwasser des RWE-Kursrutsches gaben die Anteilsscheine von E.ON 3,4 Prozent auf 17,56 Euro nach.

Die Metro-Papiere übernahmen von RWE am Nachmittag die rote Laterne im deutschen Leitindex, nachdem der Einzelhandelskonzern seine Umsatz- und Gewinnziele für 2011 kassiert hatte. Die Aktie sackte um 13,9 Prozent auf 31,86 Euro ab und war damit so billig wie seit sieben Wochen nicht mehr. Metro begründete die erwarteten Einbußen bei Umsatz und Gewinn unter anderem mit dem schlecht angelaufenen Weihnachtsgeschäft.

Die Nachricht brachte auch die Aktien europäischer Metro-Rivalen aus dem Tritt. Der europäische Branchenindex büßte 2,1 Prozent ein. Die Anteilsscheine der französischen Carrefour gaben 6,3 Prozent nach, die des britischen Einzelhändlers Marks & Spencer 4,3 Prozent.