Altersvorsorge

Versicherer verteidigen Rechnung zur Riester-Rente

Branchenverband GDV rechnet vor, dass sich eine Riester-Rente doch lohnt. Eine DIW-Studie hatte daran große Zweifel angemeldet.

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Die Riester-Rente kommt im Jahr ihres zehnten Geburtstages nicht zur Ruhe. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge nannte die staatlich bezuschusste Rente im Herbst in einer Studie eine „teure Fehlkalkulation“. Statt ihre private Rentenlücke zu stopfen, würden vor allem Besserverdiener und Familien Zuschüsse und Steuervorteile mitnehmen und ihre Anlagen umschichten.

Vor zwei Wochen bemängelten Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die geringen Renditen der Riester-Produkte. Riestern sei oft nicht besser als das Geld in einen Sparstrumpf zu stecken. Die Zusatz-Rente habe sich zuungunsten der Verbraucher entwickelt und müsse dringend reformiert werden.

Das will der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht auf sich sitzen lassen. Die Branche kontert mit eigenen Berechnungen und kommt zu dem Schluss, dass die Riester-Rente für die allermeisten Bundesbürger eine sichere Vorsorge sei, die sich schon nach wenigen Rentenjahren auszahle. Der GDV zeigte drei Beispiele für „typische Muster-Biografien“, die aus Verbandssicht belegen, dass man „keineswegs steinalt werden muss, damit sich die Riester-Rente lohnt“.

Kritiker hätten flasch gerechnet

Die Kritiker hätten schlicht mit einer zu niedrigen Lebenserwartung kalkuliert und oft nur die Garantieverzinsung der Verträge berücksichtigt, nicht aber die zusätzlichen Überschüsse, die die Versicherungen normalerweise durch geschickte Geldanlage erzielten. Lege man die in der Versicherungswirtschaft üblichen Lebenserwartungen zugrunde, komme etwa ein 35-jähriger Normalverdiener bereits mit 74 Jahren an den sogenannten „Break-even“-Punkt, ab dem sich die Riester-Rente lohne.

Versicherer könnten sich bei der Kalkulation der Lebenserwartung nicht auf die Zahlen des Statistischen Bundesamts stützen, weil diese in der Vergangenheit oft zu niedrig angesetzt gewesen seien. Stattdessen gehe die Branche davon aus, dass die Menschen im Schnitt älter werden. „Weil wir nicht glauben, dass wir sonst mit unseren Prämien hinkommen würden“, sagte Peter Schwark, Mitglied der GDV-Hauptgeschäftsführung.

Diese Erklärung will wiederum der Bund der Versicherten (BDV) so nicht stehen lassen. Besonders ärgert sich Vorstandsvorsitzender Axel Kleinlein über eine vom GDV vorgestellte Prognose des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 1986.

Demnach sollten im Jahr 2006 rund 20 Prozent der 65-jährigen Männer das 85. Lebensjahr erreichen. Im Jahr 2006 seien es dann aber tatsächlich rund 30 Prozent gewesen. Derartige Prognosen gab es aber nie, wie das Amt gegenüber Kleinlein bereits im Jahr 2009 bestätigte: „Hier erfindet der GDV eine Prognose-Sterbetafel, um die überzogenen Lebenserwartungen zu begründen.“ Damit habe er ein Riesenproblem.

Steuerzahler muss bluten

Der BDV-Vorstand war an der DIW-Studie beteiligt und ist enttäuscht, dass die Versicherungsbranche in keiner Weise auf die Kritik an der Rentabilität eingegangen ist. „Die Augen-zu-und-durch-Politik wird weitergefahren“, sagte Kleinlein. Klar sei natürlich, dass die Sicht des einzelnen Sparers eine andere ist. „Aber wenn Zulagen die Renditen aufpeppen, muss der Steuerzahler blute n“, sagte der BDV-Vorstand.

Ein weiteres Problem sehen die Verbraucherschützer bei Gewinnen, die die Versicherer durch überzogene Lebenserwartungen erzielen. Der Versichererverband hätte bewusst vermieden, darauf hinzuweisen, dass auch Aktionäre vom frühen Tod der Riester-Rentner profitieren. Tatsächlich können bis zu 25 Prozent dieser Gewinne den Aktionären zugeschanzt werden. „Der GDV versucht, die Öffentlichkeit über die wahre Verwendung der Sterblichkeitsgewinne im Ungewissen zu lassen“, sage Kleinlein.

Rund 15 Millionen Deutsche haben einen Riester-Vertrag. Damit nutzt laut GDV-Angaben etwa die Hälfte der Förderberechtigten die Zulagen-Rente. Zwei Drittel der Produkte sind Versicherungen, der Rest verteilt sich auf Fond- und Banksparpläne sowie Wohn-Riester.