Börsen-Bericht

Dax-Anleger haben Bonitätswarnung schon erwartet

Trotz negativem Ausblick für die Bonität der Euro-Zone ist ein Einbruch des Dax ausgeblieben. Die Anleger warten gespannt auf den EU-Gipfel.

Ein drohender Rundumschlag der US-Ratingagentur Standard & Poor’s gegen die Euro-Zone hat die Erholungsrallye des Dax zunächst gestoppt. S&P hat den Ausblick für Deutschland und weitere 14 Länder der Euro-Zone auf „negativ“ gesenkt. Deutschland läuft damit Gefahr, seine Topbonität „AAA“ zu verlieren.

Für den deutschen Leitindex ging es daraufhin bis zum Mittag um 0,47 Prozent auf 6077 Punkte nach unten. Von seinem Tagestief bei 6005 Punkten konnte er sich jedoch bereits etwas absetzen. Der MDax fiel um 0,54 Prozent auf 8995 Punkte und der TecDax sank um 0,85 Prozent auf 696 Punkte.

„Die Warnung von S&P hat den Markt zwar nicht in Panik versetzt, da die Probleme ziemlich offensichtlich sind“, sagte Händlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. „Die Stimmung ist aber eingetrübt.“ Vor allem die Politik stehe jetzt mit Blick auf den EU-Gipfel Ende der Woche unter Handlungsdruck . Nachdem zahlreiche Treffen in der jüngsten Vergangenheit ohne nennenswerte Lösungsansätze geblieben seien, müssten den am Vortag von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy propagierten Änderungen der Euro-Spielregeln endlich konkrete Taten folgen.

Mit weitem Abstand Dax-Schlusslicht waren RWE-Aktien. Sie brachen nach einer Kapitalerhöhung um 10,40 Prozent auf 27,19 Euro ein. Das war der größte Kursverlust seit Oktober 2008. Der Versorger hat seine angekündigte Kapitalmaßnahme umgesetzt und insgesamt 80,4 Millionen Aktien zu 26,00 Euro bei institutionellen Anlegern platziert.

Der Bruttoemissionserlös lag damit bei 2,1 Milliarden Euro. Analysten sahen den Abschlag geringer als gedacht und werteten die Maßnahme insgesamt positiv. Sie stärke die Kapitalbasis und wappne gegen eine drohende Ratingabstufung, hieß es. Finanztitel tendierten ebenfalls schwächer, angeführt von Aktien der Commerzbank mit einem Abschlag von 1,60 Prozent.

K+S gehörten dagegen mit plus 0,90 Prozent zu den Dax-Favoriten. Händler verwiesen auf Aussagen des Konkurrenten Yara, der laut Medienbericht von einer steigenden Nachfrage sprach. Zudem hätten die Norweger neue Szenarien für ihre künftige Gewinnentwicklung präsentiert.