Standard & Poor's

Rating-Drohung schreckt Börsen nur kurz auf

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von 15 Staaten der Eurozone unter verschärfte Beobachtung gestellt. Die Börsen sind nervös, aber eine steile Talfahrt bleibt vorerst aus. Kanzlerin Merkel zeigt sich gelassen.

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Die Bundeskanzlerin setzt weiter auf ihren Weg zur Stabilisierung des Euro - trotz Drohungen der Ratingagentur Standard & Poor's.

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Die drohende Herabstufung der Bonität Deutschlands und praktisch aller anderen Eurozonen-Länder hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt kaum aus der Fassung gebracht. Der Dax rutschte am Dienstag in den ersten Minuten um bis zu 1,6 Prozent auf 6005 Zähler ab, notierte am Vormittag aber nur noch 0,8 Prozent schwächer. Die Börsen in Mailand, Paris oder London lagen ebenfalls nur knapp im Minus.

Am Rentenmarkt nahmen die Anleger den S&P-Warnschuss unaufgeregt zur Kenntnis. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen lag mit 2,186 Prozent nur leicht höher als im Vortagesgeschäft mit 2,162 Prozent. Der Euro notierte knapp unter 1,34 Dollar; auf diesem Niveau hatte er sich auch Ende vergangener Woche bewegt. Am Montag hatte dann die Hoffnung auf eine Haushaltskonsolidierung in Italien die Gemeinschaftswährung bis 1,3450 Dollar getrieben.

Standard & Poor's hatte am Monatg auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit von 15 Staaten der Eurozone unter verschärfte Beobachtung gestellt. Je nachdem, wie der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag ausfällt, droht eine massenhafte Herabstufung. Selbst Deutschland oder Frankreich laufen Gefahr, ihre Spitzennote zu verlieren. Die Folge könnten höhere Zinsen für neue Schulden sein.

Merkel gelassen, Juncker empört

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte angesichts der drohenden Herabstufung Deutschlands und praktisch aller anderen Euro-Länder den Willen zu einem grundlegenden Umbau der Währungsunion. „Wir werden am Donnerstag und Freitag die Entscheidungen treffen, die wir für die Euro-Zone für wichtig und unabdingbar halten“, sagte Merkel am Dienstag in Berlin mit Blick auf den bevorstehenden EU-Gipfel. Damit werde ein Beitrag zur Stabilisierung der Euro-Zone geleistet und Vertrauen gewonnen.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sprach von einer „ernsten Lage“. Frankreich brauche jetzt „Einigkeit“, sagte der Präsident nach Angaben von Teilnehmern am Dienstag bei einem Treffen mit Mitgliedern der konservativen Regierungspartei. Sarkozy hob demnach aber auch hervor, dass die Entscheidung der Ratingagentur vor den deutsch-französischen Ankündigungen zur Euro-Krise gefallen sei.

Der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, kritisierte die drohenden Herabstufungen scharf. Nahezu alle Eurostaaten mit einem negativen Ausblick zu versehen, sei eine „unfaire“ und „komplett exzessive“ Entscheidung, sagte der Luxemburgische Regierungschef am Dienstag dem Deutschlandfunk. Die Drohung sei ein K.O.-Schlag für alle Staaten, die sich bemühten, ihre Haushaltsdefizite zu senken. Trotz der negativen Aussagen durch S&P rechnet Juncker mit schnellen Fortschritten im Kampf gegen die Schuldenkrise. Die EU-Verträge könnten bis Ende März 2012 geändert werden.

Der Ökonom Holger Schmieding ist hingegen der Ansicht, die drohende Massen-Abstufung der Kreditwürdigkeit der Euroländer sei überfällig. Das erhöhe den Druck auf die Politik, beim Eurogipfel am Freitag endlich ein ernsthaftes Reformpaket aufzulegen, schrieb der Chefvolkswirt der Berenberg Bank am Dienstag in einer Analyse.

Standard & Poor's verteidigt Entscheidung

Der Europa-Chefanalyst von Standard & Poor's, Moritz Krämer, verteidigte die Entscheidung der Ratingagentur. Investoren würden nicht blind Ratingveröffentlichungen folgen. Wer dies glaube, unterschätze die Intelligenz der Marktteilnehmer. Zudem könnte der EU-Gipfel Ende dieser Woche noch einiges bewegen. „Wir glauben, dass der Krisengipfel eine ganz maßgebliche Chance ist, diesen Prozess umzukehren“, sagte Krämer am Dienstag im ARD-Morgenmagazin.

„Wir glauben, dass die bisherige Erfolglosigkeit, die Krise wirklich effektiv und nachhaltig in den Griff zu bekommen, die Risiken einer realwirtschaftlichen Bremswirkung nach sich zieht“, sagte Krämer. Die Gefahr einer Rezession im kommenden Jahr sei gestiegen – nicht nur in Europa, sondern weltweit. Eine Exportnation wie Deutschland werde davon stark betroffen sein.