Ratingagentur S&P

Bonitätswarnung schickt Asiens Börsen auf Talfahrt

Der drohende Bonitätsverlust mehrerer Euro-Länder hat die Anleger in Asien erschreckt. Die Kurse sackten ins Minus, der Euro verlor kräftig.

Foto: REUTERS

Die Börsen in Asien haben mit Kursabschlägen auf die drohende Herabstufung der Kreditwürdigkeit Deutschlands und praktisch aller Euro-Länder reagiert. In einem beispiellosen Schritt versah die Ratingagentur S&P alle diese Staaten mit einem negativen Ausblick, was binnen drei Monaten eine Herabstufung nach sich ziehen könnte .

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, die am Montag in Paris über ihr gemeinsames Vorgehen in der Schuldenkrise berieten, bekräftigten in einer gemeinsamen Erklärung ihren Willen, die Euro-Zone mit allen notwendigen Maßnahmen zu stabilisieren.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio 1,4 Prozent im Minus bei 8575 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor ebenfalls 1,4 Prozent auf 738 Punkte. Abwärts ging es auch an den Börsen in Südkorea und Taiwan, Hongkong, Singapur und Shanghai, wo die Aktienmärkte zwischen 0,4 und zwei Prozent nachgaben.

Die Aktienmärkte in den USA hatten zuvor nocht fester geschlossen . Der Dow-Jones-Index ging 0,7 Prozent höher bei 12.098 Zählern aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 legte 1,0 Prozent auf 1257 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,1 Prozent auf 2655 Punkte.

„Wir treten in eine kritische Phase ein“, sagte Kenichi Hirano von Tachibana Securities. „Die Märkte erwarten positive Signale vom Treffen der europäischen Regierungschefs in dieser Woche und sobald es Anzeichen gibt, dass Entscheidungen aufgeschoben werden könnten, hat das negative Auswirkungen auf die Märkte.“ Der Euro verlor angesichts des negativen S&P-Ausblicks im fernöstlichen Handel im Vergleich zum Dollar. Die europäische Einheitswährung wurde für 1,3371 Dollar gehandelt und büßte im Vergleich zum Höchststand am Vortag rund einen Cent ein.

Die aufstrebenden Länder Asiens können sich der halbjährlichen Analyse der Asiatischen Entwicklungsbank zufolge der Euro-Krise nicht entziehen. Die Bank reduzierte ihre Wachstumsprognose für die Region für das kommende Jahr von 7,5 auf 7,2 Prozent. In diesem Jahr rechnet sie weiter mit 7,5 Prozent Wachstum.

Im schlimmsten Fall, wenn die Lage in Europa und den USA so schlecht werde wie 2009, könnten die Länder allerdings nur noch mit 5,4 Prozent Wachstum rechnen , schreibt die Entwicklungsbank. Zu der Region gehören die zehn Länder der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (Asean) sowie China, Hongkong, Taiwan und Südkorea. Die asiatischen Länder hätten zwar ihre Binnenmärkte weiter entwickelt, doch seien die Finanzmärkte der Region weiterhin so anfällig wie 2008 . Ausländische Investoren könnten risikoscheuer, europäische Banken kreditscheuer werden, warnt die ADB.

„Der Aufruhr in Europa ist eine wachsende Gefahr für den Handel und die Finanzwirtschaft innerhalb der aufstrebenden Länder Asiens“, sagte ADB-Ökonom Iwan Azis. Er rief die Politiker auf, klare, schnelle und gemeinsame Entscheidungen vorzubereiten, um für eine möglicherweise andauernde weltweite Abkühlung gewappnet zu sein.