Ausblick auf "negativ" gesenkt

S&P droht Deutschland mit Herabstufung

Standard & Poor's droht Deutschland mit dem Entzug seiner Top-Bonität AAA. Auch Frankreich, Österreich, Niederlande, Luxemburg und Finnland sollen von der Herabstufung betroffen sein. Zunächst hat die Ratingagentur den Ausblick für Deutschland und weitere 14 Länder der Eurozone auf "negativ" gesenkt.

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Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat den Ausblick für Deutschland und weitere 14 Länder der Eurozone auf „negativ“ gesenkt. Deutschland läuft damit Gefahr, seine Topbonität „AAA“ zu verlieren. Es ist der bisher heftigste Warnschuss gegen die Eurozone.

S&P begründete den Schritt am späten Montagabend damit, dass die Probleme in der Eurozone in den vergangenen Wochen ein Maß erreicht hätten, das die Zone als Ganzes unter Druck setze. Die Ratingagentur nannte auch das ihrer Meinung nach unkoordinierte und unentschlossene Handeln der Politiker als Grund für die Abwertung.

Es gebe das Risiko, dass die Eurozone als Ganzes im kommenden Jahr in die Rezession rutsche, hieß es weiter. Die Wahrscheinlichkeit liege bei 40 Prozent. Für Staaten wie Spanien, Portugal und Griechenland geht S&P sicher von einem Wirtschaftsabschwung aus.

Staaten mit guter Bonitätsnote können sich in der Regel zu besseren Konditionen Geld von Investoren leihen als Länder mit einer schlechteren Note. So spart Deutschland etwa im Vergleich zu Italien jedes Jahr einen Milliardenbetrag wegen niedrigerer Zinsen. Über die drohende Herabstufung berichtete am Montagabend zuerst die „Financial Times“ auf ihrer Webseite.

Ein Sprecher von Standard & Poor's (S&P) in London sagte: „Wir haben dazu keinen Kommentar.“ Auch die „Financial Times“ („FT“) hatte keine Stellungnahme der Agentur erhalten.

Mit der Senkung des Ausblicks droht den sechs mit der Bestnote „AAA“ eingestuften Staaten der Verlust ihrer Topbonität. Sie ist Voraussetzung, um sich an den Kapitalmärkten zu günstigen Konditionen Geld zu besorgen. Eine geringere Bonität der stärksten Euroländer könnte die Krise der Gemeinschaftswährung verschärfen.

Der Eurokurs gab am Montagabend auf die Berichte hin deutlich nach. Er fiel unter die Marke von 1,34 Dollar.

Ratingagenturen kündigen eine neue Einstufung der Bonität in der Regel zunächst über eine Veränderung des Ausblicks an. Dafür gibt es die Stufen „positiv“, „stabil“ und „negativ“.

Eine Veränderung des Ausblicks hat nicht zwangsläufig eine Änderung der Kreditwürdigkeit zur Folge. Ein „negativer“ Ausblick bedeutet daher nicht automatisch eine Herabstufung. Er gilt aber als Warnung, dass ein solcher Schritt in nächster Zeit möglich ist. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken als Kreditgeber, sondern auch andere Investoren.

Erst Mitte November hatte S&P mit einer versehentlichen Herabstufung Frankreichs für Aufsehen gesorgt. Schuld war nach Angaben der Agentur eine Computerpanne. Kritiker werfen den Ratingagenturen zu großen Einfluss und zu wenig transparente Entscheidungen vor. Die Ratingagentur hatte erst in der vergangenen Woche 15 der weltweit größten Banken heruntergestuft – einige davon in Europa. Die Deutsche Bank und die Commerzbank gehörten zwar nicht dazu, doch der Ausblick für das Rating des deutschen Branchenprimus ist nun aber „negativ“ und nicht mehr „stabil“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten sich am Montag in Paris darauf geeinigt, die Haushaltsdisziplin in Europa bis März auf eine neue vertragliche Grundlage zu stellen. Kernpunkt eines Fünf-Punkte-Plans zur Haushaltsdisziplin sollen automatische Sanktionen für Defizitsünder sein. Der deutsch-französische Vorstoß soll am Donnerstag und Freitag auf dem EU-Gipfel diskutiert werden.