Börsen-Bericht

Einigkeit von Merkozy gibt Dax-Anlegern Hoffnung

Der deutsche Aktienmarkt hat seinen Erholungskurs fortgesetzt. Der Sparplan in Italien und neue Hoffnung für den Euro stützten die Kurse.

Mit seinen milliardenschweren Sparvorhaben hat der italienische Ministerpräsident Mario Monti den Anlegern an den europäischen Aktienmärkten Mut gemacht. Nach den deutsch-französischen Konsultationen stützte auch die Hoffnung auf einen baldigen Durchbruch in der Euro-Schuldenkrise die Kurse. Der Dax stieg um 0,4 Prozent auf 6106 Punkte, der EuroStoxx50 gewann 1,4 Prozent.

Montis Sparpaket packe die Probleme an der Wurzel an, erklärten Börsianer die Zufriedenheit der Anleger mit dem früheren EU-Kommissar. Vor allem am Rentenmarkt sorgte Montis Kurs für Erleichterung: Die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatspapiere – ein Signal für das wachsende Vertrauen der Anleger in die römische Regierung – gab auf 6,03 von 6,75 Prozent noch am Freitag nach.

Der Mailänder Leitindex stieg um 2,9 Prozent – und damit sehr viel stärker als Dax und EuroStoxx. Monti will die Staatsfinanzen unter anderem mit einer Reihe von Steuererhöhungen in den Griff bekommen, aber zugleich auch Anreize für die lahmende Wirtschaft schaffen.

Mit Erleichterung quittierten die Anleger die Ergebnisse der Beratungen von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel im Vorfeld des EU-Gipfels im späteren Wochenverlauf. „Sie haben Einigkeit demonstriert und eine gewissen Entschlossenheit zur Gemeinsamkeit“, fasste Helaba-Analyst Ulrich Wortberg zusammen. Merkel und Sarkozy wollen die EU-Verträge ändern und dabei zur Not auch auf die Zustimmung von Nicht-Euro-Ländern verzichten. Zudem soll der Euro-Rettungsschirm ESM schon früher als bislang geplant an den Start gehen.

Euro-Bonds und eine gemeinsame Haftung für Schulden schlossen beide Politiker aus. „Viele Anleger sind einfach erleichtert, dass sie einen Plan haben“, erklärte ein Aktienhändler. Dass die EZB in der vorigen Woche ihre Anleihe-Käufe am Sekundärmarkt zur Vorwoche deutlich herunterfahren konnte, wurde von Händlern positiv aufgenommen.

Anleger setzten auf Finanzwerte aus Frankreich und Italien

„Dass die Renditen auch ohne diese zusätzliche EZB-Hilfe so stark gefallen sind, ist einfach ein gutes Zeichen“, erklärte ein Börsianer. Derweil fielen die US-Konjunkturdaten eher etwas schlechter als erwartet aus. Dessen ungeachtet setzten viele Anleger nach den herben Kursverlusten der vergangenen Wochen auf Finanzwerte aus Italien und Frankreich: Unicredit und Intesa Sanpaolo gewannen 5,4 beziehungsweise 3,8 Prozent; BNP Paribas und Societe Generale 6,6 und knapp fünf Prozent. Der europäische Branchenindex legte 2,7 Prozent zu.

Im Dax zählten die Papiere der Allianz und Münchener Rück mit einem Plus von 2,4 beziehungsweise 1,6 Prozent zu den größten Gewinnern. Deutsche Bank kamen dagegen mit einem Plus von 0,5 Prozent nur unwesentlich weiter vom Fleck als der Dax. Das Nachsehen hatte die Commerzbank. Nach einem Magazinbericht über eine mögliche Verstaatlichung fielen die Aktien um 4,1 Prozent auf 1,43 Euro. Mit einem Rückkauf von Hybridanleihen will die Bank einen Teil der bis zu fünf Milliarden Euro großen Eigenkapital-Lücke schließen, um den erneuten Gang zum Staat zu vermeiden.

DZ-Bank-Analyst Matthias Dürr schließt auch eine kleine Kapitalerhöhung nicht aus, wenn die übrigen Maßnahmen nicht reichen. Federn lassen musste auch SAP : Die Anleger zeigten sich von der milliardenschweren Übernahme des US-Spezialisten für Mietsoftware SuccessFactors wenig begeistert, die Aktien verbilligten sich um 2,5 Prozent. Analysten kritisierten den Kaufpreis von rund 2,5 Milliarden Euro als zu hoch. SuccessFactors legten in 51 Prozent zu.