Börsen-Bericht

Dax-Anleger warten gespannt auf Merkozy-Treffen

Der Sparplan im Krisenstaat Italien hat dem Dax ins Plus geholfen. Mit Spannung wird jetzt das deutsch-französische Krisentreffen erwartet.

Mit seinem milliardenschweren Sparprogramm hat der italienische Ministerpräsident Mario Monti den Anlegern an den europäischen Aktienmärkten Mut gemacht. Der Dax legte um 0,9 Prozent auf 6136 Zähler zu, der EuroStoxx50 gewann 1,3 Prozent. „Montis Sparpaket packt die Probleme an“, urteilte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research.

Der neue italienische Regierungschef will die Staatsfinanzen des Landes mit einer Reihe von Steuererhöhungen und der Anhebung des Rentenalters in den Griff bekommen. Daneben sind Anreize für die lahmende Wirtschaft des Landes vorgesehen. Die gesamten Schritte sind in einer Notverordnung verpackt, die schon vor der Zustimmung des Parlaments in Kraft tritt.

Die Risikoaufschläge italienischer Anleihen zur vergleichbaren Bundesanleihe gingen zurück, und auch die Kosten für eine Ausfallversicherung (CDS) verringerten sich. Der Mailänder Leitindex kletterte um 1,7 Prozent in die Höhe. „Das Misstrauen gegen Italien legt sich etwas,“ sagte ein Händler. Wegen seiner hohen Schulden war das Mittelmeerland in den vergangenen Monaten immer stärker ins Visier der Finanzmärkte geraten.

Im Fokus hatten die Anleger auch ein Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in Paris. „Es gibt die Hoffnung, dass Merkel und Sarkozy ihre Differenzen überwinden und auf dem EU-Gipfel am Donnerstag einen gemeinsamen Plan präsentieren“, sagte Aktienmarkt-Experte Jonathan Sudaria vom Handelshaus Capital Spreads. „Sobald dieser von den europäischen Politikern gebilligt wird, macht die strengere Haushaltsdisziplin der Euro-Staaten den Weg für Europäische Zentralbank frei, ihr gesamtes Arsenal an geldpolitischen Maßnahmen einzusetzen .“

Von der guten Stimmung am Markt profitierten vor allem die Finanzwerte. Der europäische Branchenindex legte um zwei Prozent zu. Deutlich im Plus notierten vor allem die französischen und italienischen Geldinstitute. BNP Paribas und Credit Agricole verteuerten sich um 5,7 beziehungsweise 4,8 Prozent, die Aktien der Intesa Sanpaolo um 4,3 Prozent. Im Dax setzten sich die Papiere der Allianz mit einem Plus von 2,4 Prozent an die Spitze, Deutsche Bank lagen 1,4 Prozent fester.

Commerzbank stark im Minus

Das Nachsehen hatte allerdings die Commerzbank. Nach einem Magazinbericht über eine mögliche Verstaatlichung fielen die Aktien um bis zu 8,2 Prozent auf 1,38 Euro. Die Gedankenspiele des Bundes zu den Optionen einer Hilfe für das Kreditinstitut seien keine große Überraschung, schrieb Equinet-Analyst Philipp Häßler. Gleiches gelte für das geringe Interesse, die Commerzbank-Immobilientochter Eurohypo in eine staatliche Bad Bank auszulagern.

Federn lassen musste auch SAP : Die Anleger zeigten sich von der milliardenschweren Übernahme des US-Spezialisten für Mietsoftware SuccessFactors wenig begeistert, die Aktien verbilligten sich um 2,1 Prozent. Analysten kritisierten den Kaufpreis von rund 2,5 Milliarden Euro als zu hoch.

Ein anderer Börsianer betonte zusätzlich, da der Markt für sogenanntes Cloud Computing heiß umkämpft sei, könne ein Gegenangebot – beispielsweise vom SAP-Erzrivalen Oracle - nicht ausgeschlossen werden. SuccessFactors in Frankfurt legten um 51 Prozent zu.