Schuldenkrise

So geben Sie in der Euro-Krise Ihr Geld sinnvoll aus

Alle reden vom Sparen. Morgenpost Online zeigt, wie Sie noch einmal richtig Geld ausgeben können – bevor die Euro-Krise das Kapital auffrisst.

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Eine Investition in die Kleinsten: 12.000 Euro für Geigenstunden

Wer seine Kinder als Investition in die Zukunft betrachtet, sollte möglichst früh mit dem Geldausgeben anfangen. Denn die Anlage zahlt sich das ganze Leben lang aus – und ist auch gesamtwirtschaftlich sinnvoll. Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft haben herausgefunden, dass sich jeder Euro, den der Staat in die Bildung von Vorschulkindern investiert, für die öffentliche Hand mit acht Prozent verzinst.

Bei den Ausgaben für die Hochschulen liegt die Rendite nicht einmal halb so hoch. Betuchte Eltern sollten für ihren Nachwuchs einmal das Geigenspiel in Erwägung ziehen. Das lässt sich ab einem Alter von vier bis fünf Jahren erlernen und fördert Experten zufolge so nützliche Dinge wie Feinmotorik, Koordination, Konzentrationsfähigkeit und Kreativität. Nur ist es ist nicht ganz billig. Rund 100 Euro im Monat muss man für den Unterricht rechnen – macht für zehn Jahre rund 12.000 Euro.

Eine Währung im Umgang mit Kindern hat allerdings kein Preisschild: die Zeit. Kinder macht es in der Regel glücklich, Zeit mit ihren Eltern zu verbringen. Mutter und Vater mag diese Familienzeit zunächst Einbußen bei Gehaltsrunden bringen. Auf lange Sicht könnte sie sich aber dennoch auszahlen. Zufriedene Kinder dürften ihre Eltern im Alter eher unterstützen, falls die einmal in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

3800 Euro für ein gutes Outfit

Gute Leistungen sind die Voraussetzung, um auf der Karriereleiter hochzuklettern, aber Vorgesetzte lassen sich auch von Äußerlichkeiten beeindrucken: Laut einer Studie der Universität Darmstadt achten Menschen im Umgang mit anderen in der Regel nur zu jämmerlichen sieben Prozent auf den Inhalt des Gesagten; ein Großteil der Aufmerksamkeit, nämlich 55 Prozent, gilt dem Äußeren.

„Der Mode entkommt keiner“, sagt Gerd Müller-Thomkins, Chef des Deutschen Modeinstituts. Kleidung sei nun einmal – beruflich wie privat – ein Ausweis der Persönlichkeit. Wer Geld zur Verfügung hat und beruflich vorankommen will, tut also gut daran, in sein Outfit zu investieren: Fünf hochwertige Anzüge sind Experten zufolge die Grundausstattung, gute, gepflegte Schuhe sind auch ein Muss. „Modisch muss es nicht unbedingt sein“, sagt Personalberater Heiner Thorborg. „Aber die Kleidung muss signalisieren: Ich habe Geschmack.“ Wer den nicht hat, sollte sich beraten lassen. Das gilt besonders für Frauen.

„Männer sind erstaunlich unkritisch, wenn es um das Äußere ihrer männlichen Kollegen geht“, so Thorborg. „Aber wenn eine Frau den Raum betritt, wird es wichtig.“ Da ist frau mit dem Runway Look von Jil Sander für 3800 Euro besser bedient als mit Klamotten vom Grabbeltisch.

80.000 Euro für den Harvard-MBA

Auch in die eigene Fortbildung ist überschüssiges Kapital gut investiert . Eine der erfolgversprechendsten Optionen ist ein Aufbaustudium an der Harvard University nahe Boston. Wer die Aufnahme-Tests zur Klasse der Master of Business Administration (MBA) besteht, muss tief in die Tasche greifen: Umgerechnet rund 80.000 Euro kostet das zweijährige Studium inklusive Schulgeld und Gebühren.

Diese Investition macht sich nach Berechnungen von Bloomberg Businessweek allerdings bezahlt. Absolventen des Harvard-MBA verdienen im Verlauf ihrer Karriere geschätzte 3,9 Millionen Dollar – mehr als die Alumni aller anderen Hochschulen . Zu manchem Erfolg mag auch das persönliche Netzwerk beitragen. Rund 70.000 Unternehmer und Manager in 150 Ländern sind Teil der Alumni-Vereinigung und helfen dem Nachwuchs mit Ratschlägen und Kontakten. In Deutschland gibt es Harvard-Clubs in fünf Städten. Sie treffen sich auf dem Münchner Oktoberfest oder zum klassischen Konzert im Rheingau.

5000 Euro für eine neue, schönere Nase

Attraktive Menschen haben bessere Chancen, Karriere zu machen als weniger attraktive. Das belegen Dutzende Untersuchungen aus aller Welt – mal mehr, mal weniger gut fundiert. Hierzulande sollen attraktive Menschen rund zehn Prozent mehr verdienen als weniger ansehnliche Kollegen.

Martin Gründl, Psychologe an der Universität Regensburg, hat untersucht, was attraktive Menschen auszeichnet, und hat aus den Ergebnissen am Computer stilisierte Frauengesichter entwickelt, die sexy oder unsexy sind: Das attraktive Gesicht ist eher schmal, leicht gebräunt, hat vollen Lippen, eine schmale Nase und makellose Haut.

Attraktive Männer zeichnen sich vor allem durch einen markanten Unterkiefer, volles Haar und ein schmales Gesicht aus. Gründl vermutet, dass wir attraktive Menschen eher für intelligent, fleißig, zuverlässig und gesellig halten. „Menschen mit schönem Körper gelten als leistungsbereit, diszipliniert und verantwortungsbewusst“, bestätigt die Wiener Psychologin Helene Karmasin. Umgekehrt werden weniger attraktiven Menschen negative Attribute zugeschrieben. Da liegt der Gedanke nah, der Natur ein nachzuhelfen – als Investition in das erotische Kapital. Frauen lassen sich hierzulande besonders häufig Fett absaugen und Brüste vergrößern.

Bei Männern sind Lid- und Nasenkorrekturen beliebt. Für größere Brüste zahlen Patientinnen in der Regeln zwischen 4500 und 7000 Euro, eine neu geformte Nase kostet zwischen 3000 und 5000 Euro. Geradezu günstig sind im Vergleich Spritzen gegen Falten, dafür werden zwischen 500 und 1500 Euro fällig.

Allerdings: Zu viel erwarten sollte man sich von den Eingriffen nicht, warnt Psychologe Gründl: Es sei naiv zu glauben, dass ein paar Falten weniger oder korrigierte Schlupflider einen großen Effekt darauf hätten, wie der Betroffene auf die Umwelt wirkt.

6200 Euro für zwei Gesundheits-Wochen

Wer ungesund lebt, hat vielleicht mehr Spaß, tut sich finanziell aber keinen Gefallen. Denn die langfristigen Kosten vermeidbarer chronischer Krankheiten sind gewaltig – selbst mit Krankenversicherung. In den USA geben übergewichtige Menschen fast 75 Prozent mehr für Medikamente aus als Menschen mit Normalgewicht. In die eigene Gesundheit zu investieren, kann sich also auch finanziell lohnen.

Eine gesündere Lebensweise ist nicht teuer; Mediziner empfehlen viel Schlaf, eine ausgewogene Ernährung, weniger Alkohol, Zigaretten, Fett und Zucker – und regelmäßigen Sport. Eine Jahresmitgliedschaft in einem Discount-Fitnessstudio gibt es schon für rund 200 Euro, teure Studios verlangen mehr als 1000 Euro. Wer Hilfe dabei braucht, den inneren Schweinehund zu besiegen, kann zusammen mit einem persönlichen Trainer Sport treiben – das kostet zwischen 50 und 100 Euro pro Stunde.

Wer sich allerdings bereits gestresst und erschöpft fühlt und den Burn-out auf sich zukommen sieht, ist wahrscheinlich reif für einen Check-up oder eine Kur. Viele Wellness-Hotels buhlen um Kunden, denen Kurkliniken zu muffig sind. Der Lanserhof bei Innsbruck beispielsweise verspricht seiner gestressten Klientel Regeneration und Entgiftung in exklusivem Ambiente. Dort kosten zwei Wochen Erholung mit ärztlichen Untersuchungen Massagen und Bädern 3644 Euro; dazu kommen 2535 Euro für die Übernachtung.

2,5 Millionen Euro für ein Haus in Kampen

Aufstrebende Naturen wählen auch ihren Wohnort danach, welche Möglichkeiten er bietet voranzukommen. Wer den Umzug dorthin, wo die oberen Zehntausend wohnen, für eine lohnende Investition hält, sollte genau wissen, wohin es gehen soll: an die Hamburger Außenalster beispielsweise, in den Berliner Grunewald oder nach Bad Homburg im Taunus.

Ein Schwätzchen beim Gassigehen mit dem Hund oder der Elternabend im Kindergarten – Gelegenheiten, um Kontakte zu knüpfen, gibt es im Alltag immer wieder. Der Preis dafür ist hoch: „Die teuren Lagen haben häufig fünfstellige Quadratmeterpreise“, sagt Kai Enders, Vorstand des Edelmaklers Engel & Völkers. Er hat gerade ein Häuschen in Kampen auf Sylt im Angebot: Meerblick und 120 Quadratmeter gibt es für 2,5 Millionen Euro.Allerdings: In der neuen Umgebung lauern Fallstricke. Wer auf der Party nach dem Golfturnier im dunklen Anzug auftaucht, wirkt bemüht. Auch wichtig: Allgemeinbildung. Stilberaterin Elisabeth Bonneau mahnt: „Man sollte schon wissen, dass Bach nicht nur die Blüten sind.“

Statussymbole helfen weiter: Eine Uhr für 29.100 Euro

Wer meint, gerade in Krisenzeiten sei es strategisch bedenklich, mit edler Uhr , goldenem Füller oder Cartier-Schmuck im Büro zu erscheinen, der irrt: Die Bedeutung von Statussymbolen im Berufsleben werde viel zu oft unterschätzt, weiß Karriereberaterin Claudia E. Enkelmann und rät Frauen und Männern daher, durchaus in materielle Güter zu investieren – mit Augenmaß.

Den Chef sollte man jedenfalls nicht übertrumpfen. „Mit Statussymbolen zeigen Menschen ohne Worte, welche Stellung sie in der Gesellschaft und welchen Geschmack sie haben“, sagt die Beraterin. Wer sie ablehne, verwirke womöglich unnötig Aufstiegschancen: „Am Ende umgeben wir uns alle am liebsten mit denen, die uns in Status und Geschmack am ähnlichsten sind.“

Vor allem um männlichen Vorgesetzten zu imponieren, scheint die Investition in eine Uhr wie die „Lange 1 Daymatic“ von Lange & Söhne für 29.100 Euro am aussichtsreichsten. Das Mercedes Sportcoupé oder die Luxusyacht sind beeindruckend, aber im Büroalltag viel zu weit weg.

Stattdessen, meint Enkelmann, schauten „die Kerle alle zuerst auf die Uhr“ – die idealerweise so viele Finessen wie möglich aufweist. Denn je mehr Details, desto besser: Umso länger nämlich kann man sich darüber unterhalten – und mit dem Chef wertvolle Bande knüpfen. Gemeinsamkeiten haben schließlich noch nie geschadet.

„Gönner“ von Bayreuth werden – für 10.000 Euro oder mehr

Die Erfolgreichen haben es längst erkannt: Für die Karriere zählt nicht, was einer weiß, sondern wen er kennt. Ökonomen liefern seit Jahrzehnten Belege für die Kraft der Netzwerke. Doch welche Clubs befördern Karrieren? Welche Zirkel führen an die Spitze der Macht, und welche bleiben stecken in den Mühen der Ebene?

In den altbekannten Rotary- oder Lions-Clubs jedenfalls sind Karrieristen eher fehl am Platz. Die würden als Karrierenetzwerke überschätzt, hat der Soziologe Sebastian Gradinger herausgefunden. Nicht die Aufsteiger träfen sich dort, sondern Menschen, die den Aufstieg ins Establishment bereits geschafft hätten.

Das Problem für Neulinge mit diesen und anderen vermeintlichen Elite-Vereinen ist ohnehin: Ohne persönliche Empfehlungen kommt man gar nicht erst hinein. Wer allerdings das nötige Kleingeld hat, kann durchaus kreativ werden. Warum nicht zum Beispiel ein Herz für die Musik entdecken? 205 Euro im Jahr kostet die Mitgliedschaft in der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, die Karten für Aufführungen bei den alljährlichen Richard-Wagner-Festspielen noch nicht eingerechnet. Chancen auf einen Platz bei der prominent besetzten Eröffnungsvorstellung samt anschließendem Staatsempfang beim Bayerischen Ministerpräsidenten haben allerdings nur die herausragenden Förderer.

Die sogenannten Gönner, darunter der Unternehmer und Mäzen Arend Oetker und der Pharma-Erbe Patrick Schwarz-Schütte, sind mit einer Spende ab 10.000 Euro dabei, „Patrone“ wie der Frankfurter Bankier Wolfgang Steubing haben 50.000 Euro oder mehr gegeben.

Neuankömmlinge seien willkommen, sagt die Geschäftsführerin der Bayreuth-Freunde, Ina Besser-Eichler, und verheißt: „Die Wagnerianer sind sehr gut vernetzt. Ob beim Hotelfrühstück in Bayreuth oder in der Oper in New York: Man kennt sich, man trifft sich, man kommt leicht ins Gespräch.“

Glück kaufen: Kili-Aufstieg für 3000 Euro

Eigentlich, sagt der österreichische Karriereforscher Wolfgang Mayrhofer, versuchten Menschen vor allem deshalb erfolgreich zu sein, weil sie sich davon erhoffen, glücklich(er) zu werden. Dabei legten Studien nahe, argumentiert der Wissenschaftler von der Wirtschaftsuniversität Wien, dass „bestimmte Persönlichkeitsfaktoren“ besonders erfolgsförderlich seien – allem voran Gewissenhaftigkeit und Integrität, aber auch ein gesundes Selbstbewusstsein.

Statt sein Geld auf mies bis gar nicht verzinsten Sparkonten verkümmern zu lassen, ist es daher durchaus ratsam, einen Teil davon ins eigene Wohlbefinden und in ein kräftiges Selbstwertgefühl zu investieren. Ein guter Weg, das eigene Befinden nachhaltig zu stärken, ist Experten zufolge das Investment in positive Ausnahmeerlebnisse.

Am besten in solche, bei denen man an seine Grenzen gehen und von denen man noch lange mit strahlenden Augen erzählen kann. „Warum nicht einmal etwas ganz anderes tun und den Jahresurlaub für eine Reise nach Tansania verwenden, um dort den Kilimandscharo zu besteigen?“, schlägt Karriereberaterin Claudia E. Enkelmann vor. Derlei Extrem-Erlebnisse würden sich auch langfristig auszahlen – auch weil sie die Lebenslust steigerten. Kostenpunkt inklusive Flug: rund 3000 Euro.