Wahre Werte

Alte Leica-Kameras erzielen Top-Preise bei Sammlern

Seltene Fotoapparate können sechsstellige Summen wert sein. Erben versteigern sie nichtsahnend oft viel zu günstig – eine Chance für Käufer.

Einen Goldbarren legt man diskret in einen sicheren Tresor, redet wenig darüber und hofft auf Wertsteigerung. Klassische Kameras als Kapitalanlage verlangen jedoch ungleich mehr Leidenschaft von wirklich passionierten Sammlern.

Was das konkret bedeutet, weiß Kurt Tauber aus Plech, einer 1300-Seelen-Gemeinde zwischen Nürnberg und Bayreuth: „Man erfreut sich der Kamera täglich in der Vitrine, nimmt sie ab und an mit weißen Baumwollhandschuhen vorsichtig heraus, löst ein paar Mal die Verschlüsse aus, erfreut sich des Klickens, des präzisen Transportmechanismus oder des wunderbar glatten Metallgehäuses.“

Der 60-Jährige Lokaljournalist und Fotograf schwärmt von der Faszination alter Kameras und wählt einen anspruchsvollen Vergleich: Die alten Apparate sind für ihn so sinnlich wie ein Porsche 911 Carrera. Wer wird bei so viel Enthusiasmus schon an den schnöden Mammon denken? Für Tauber hängt die Leidenschaft für seine klassischen Kameras „nicht von dem Geld ab, das man dafür bezahlt hat“.

Renditeorientierte Sammler dürften sich eher dafür interessieren, welche Preise beim Verkauf ausgesuchter Fotoapparate zu erzielen sind. Einzelne Sammlerstücke aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg repräsentieren vielleicht nicht unbedingt den Gegenwert eines begehrten Sportwagens, aber für einen guten Gebrauchtwagen dürfte es nach Ansicht Taubers reichen. „ Die Ur-Leicas sind nahezu unbezahlbar, die ersten Modelle der Hasselblad sind begehrt wie eh und je, die späteren Hasselblads, mit denen man auch noch gut fotografieren kann, bringen beim Verkauf viel Geld“, weiß der Journalist und Sammler.

Aber bekanntlich hat jedes Sammelgebiet seine ganz besondere „blaue Mauritius“, also extrem seltene und teure Stücke, vergleichbar mit dem legendären philatelistischen Leckerbissen. Dazu gehört zweifellos die Leica 0-Serie aus dem Jahr 1923. Sie wurde vom Spezialauktionshaus WestLicht im Mai für über 1,3 Millionen Euro verkauft. Von dieser Kamera produzierte das Unternehmen seinerzeit nur 25 Exemplare zu Testzwecken.

Die versteigerte Leica war darüber hinaus seinerzeit zur Patentanmeldung nach New York geschickt worden. Es handelte sich somit um die erste exportierte Leica. Bei der jüngsten Kamera-Auktion Mitte November erzielte WestLicht einen Umsatz von 2,6 Millionen Euro. Zu den Highlights gehörte eine Leica I mit Kalbslederbezug, die erst bei 120.000 Euro ihren Besitzer wechselte.

Ähnlich wie bei Uhren, bei denen nach dem Siegeszug der Quarzmodelle unversehens eine Renaissance der Mechanik einsetzte, sind in Zeiten der immer günstigeren Digitalkameras die klassischen Fotoapparate mit den klingenden Markennamen gefragter denn je. Ein Beispiel: Anfang November versteigerte das Wiener Auktionshaus Dorotheum klassische Fotoapparate und Zubehör.

„Die Ergebnisse waren gut. Wir haben unter anderem eine umfangreiche Privatsammlung zu fast 90 Prozent verkaufen können“, berichtet Simon Weber-Unger vom Dorotheum. Dabei erzielten keineswegs nur die klassischen „Oldies“ hohe Preise, auch einige „Youngtimer“ waren begehrt. Eine schwarze Leica M6 mit Objektiv aus dem Jahr 1991 wurde für 1875 Euro zugeschlagen. Ein Objektiv Noctilux-M 1:1/50 mm von Leitz Canada kam mit einem Limitpreis von 1400 Euro in die Auktion und wurde auf 4250 Euro hochgesteigert. „Die Preise entwickeln sich besonders bei sehr seltenen Modellen stetig nach oben“, sagt Simon Weber-Unger.

Kameras ähneln als Anlage dem Oldtimer

Für Kurt Tauber sind teure Sammlerstücke aber nicht automatisch Klassiker. Zur Seltenheit müsse auch ein bestimmter Nimbus kommen, wie er mit Leica, Hasselblad, einer Zeiss Ikon Contaflex oder einer Voigtländer Prominent verbunden sei. „Ein Klassiker wie die Voigtländer Brillant muss nicht teuer sein, darf aber in keiner Sammlung fehlen“, sagt Tauber. Zu den klassischen Marken gehören ferner Rollei, Zeiss Ikon, Exakta, Nikon und Minox.

Eignen sich klassische Fotoapparate aber als Kapitalanlage? Tauber reagiert zurückhaltend: „Kameras kauft man nicht wie Silberbarren oder einen Krügerrand. Kameras kauft man eher wie einen Oldtimer.“ Abgesehen von den sehr gesuchten Leica-Raritäten, für die zum Teil fünf- oder sechsstellige Summen gezahlt werden, sind die Preise für klassische Fotoapparate in den vergangenen Jahren eher gesunken.

Kurt Tauber weiß warum: „Über Ebay kommen derzeit massenweise Schätzchen von unsentimentalen und uninformierten Enkeln direkt vom Dachboden in die Auktion.“ Ergebnis: Die Preise für alte Fotoapparate, von denen viele Exemplare verfügbar sind, gingen zurück. Alte Leicas erzielen noch gute Ergebnisse, aber in der Regel weniger als in den 1980er-Jahren. Das ist eine eher negative Nachricht für potenzielle Verkäufer, aber vielleicht ein eindeutiges Signal an alle, die eine gewisse Affinität zum Thema haben und in alte Kamera-Klassiker investieren möchten: Noch sind viele dieser klickenden Schätzchen günstig zu haben.

Experten gehen jedoch mittelfristig von steigenden Preisen aus. „Irgendwann müsste der letzte Enkel die letzte Kamera seines verblichenen Großvaters verramscht haben“, hofft Kurt Tauber. Besonders begehrte Jahrgänge gibt es bei klassischen Kameras nicht. „Jede Zeit wies interessante und heute seltene Kameras auf, zum Beispiel Detektivkameras oder spezielle Sondermodelle und Spezialanfertigungen“, sagt Dorotheum-Experte Weber-Unger.

Wie weit die Leidenschaft für alte Fotoapparate reichen kann, zeigt erneut Kurt Tauber. Er sammelt seit zehn Jahren und wird im Dezember im früheren Schulhaus der Marktgemeinde Plech das Deutsche Kameramuseum eröffnen. Und zwar mit einem Portfolio von 13.000 Exponaten, die im Laufe der Zeit in Wechselausstellungen zu sehen sein werden.

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