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Immobilienaktien sind jetzt ein Schnäppchen

Auf der Suche nach Sicherheit setzen viele Investoren auf Immobilien. Aktien von großen Immobilienfirmen sind derzeit deutlich unterbewertet.

Foto: Infografik Welt Online

Der Schock saß tief: Um bis zu 17 Prozent stürzten die Aktien des Immobilienkonzerns IVG am Mittwoch gleich nach dem Börsenstart ab. Der größte deutsche Immobilienkonzern hatte angekündigt, sich über eine Kapitalerhöhung frisches Geld besorgen zu wollen – und erwischte Anleger und Analysten auf dem falschen Fuß. „Offenbar ist das Haus in einer derart schwierigen Lage, dass es diesen Weg gehen muss“, kommentiert das Research-Haus Equinet den Schritt. Equinet vollzog prompt eine Kehrtwende in der Bewertung der Aktie: Von „kaufen“ wurde das Papier direkt auf „verkaufen“ heruntergestuft. Und der Kursverfall ging bis Wochenschluss weiter. Nur noch 2,44 Euro kostete ein IVG-Anteil.

Der Wirbel um den Konzern schreckt auch Privatanleger auf. Denn während die Krise um den Euro sich zuspitzt, suchen sie nach Wegen, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Dem Währungssystem trauen sie nicht. Was der zunehmend wachsenden Schar der Euro-Skeptiker als letzter Fluchtweg erscheint, sind Edelmetalle und Immobilien.

Doch nicht jeder aber kann oder will gleich eine Immobilie kaufen. Dem Durchschnittsanleger beschert solch eine Investition in der Regel ein Klumpenrisiko, und nicht jedem passen Haus oder Wohnung in die Lebensplanung. Die offenen Immobilienfonds wiederum, lange Jahre eine beliebte Anlageklasse, haben schwerwiegende Konstruktionsfehler offenbart. Da blieben für viele Anleger vor allem die Immobilienaktien als Investmentvehikel, um im „Betongold“ investiert zu sein. Ist die IVG-Meldung das Signal, das sie auch von diesem Investmentvehikel Abstand nehmen lassen sollte?

„Nach der erfolgreichen Umschuldung von Krediten im Gesamtvolumen von 2,6 Mrd. Euro wollte die IVG eine Kapitalerhöhung durchziehen“, sagt DZ Bank-Analyst Ulrich Geis. „Und die Anleger sind gezwungen, dabei mitzumachen. Den fairen Wert der IVG-Aktie sehen wir weiter oberhalb des jetzigen Kursniveaus und empfehlen das Papier zum Kauf. Da die IVG in den letzten sechs Wochen einen Großteil der Verbindlichkeiten erfolgreich umgeschuldet und die Kapitalerhöhung jetzt mit einer Garantie über die Bühne bringt, sehen wir keine Gefahr für das Unternehmen.

IVG-Aktie nun deutlich unterbewertet

Bei dem aktuellen Kurs ist die Aktie allerdings deutlich unterbewertet.“ Die IVG hatte sich allerdings mit eigenen Bauvorhaben wie beim „Squaire“ am Frankfurter Flughafen total verhoben, als die Baukosten sich fast verdoppelten.

Wie bei anderen Immobiliengesellschaften standen harte Neuverhandlungen mit den Banken an, denn die Branche arbeitet traditionell mit einem hohen Anteil von Fremdfinanzierungen. Die durch die Euro-Krise ausgelöste Zurückhaltung der Banken bringt die Immobilienunternehmen jetzt unter Zugzwang.

„Die Kapitalerhöhung der IVG ist ohne erkennbaren Grund erfolgt“, sagt Analyst Frank Neumann vom Bankhaus Lampe „Es ist auch nicht ganz klar, wofür das frische Kapital verwendet werden soll. Die Anteile der Altaktionäre werden deutlich verwässert. Trotzdem empfehlen wir IVG-Papiere zum Kauf, denn sie sind wie auch andere Branchenpapiere deutlich unterbewertet,“ .

Immobilientitel notieren unter ihrem Anlagevermögen

Auf dem aktuellen Kursniveau könne man aber Immobilienaktien zum Kauf empfehlen, sagt Neumann. „Die meisten Titel notieren weit unter dem Wert des Nettoanlagevermögens. Viele Geschäftsmodelle überzeugen und versprechen stabile Gewinne. Wer in die Branche investieren will, sollte Aktien der Euroshop nicht vernachlässigen. Attraktiv halten wir auch die Titel der Deutsche Wohnen AG, der DIC Asset oder der Alstria.

Wohnungsgesellschaften sind ein gefragtes Investment und die Bestandshalter von Büroimmobilien profitieren von der weiterhin guten Konjunktur“, sagt der Lampe-Analyst. „Bei der Gagfah, der größten börsennotierten Wohnungsgesellschaft, deren Kurs stark nachgegeben hat, sehe ich zwei Sonderprobleme. Im Streit um eine Milliarden-Klage der Stadt Dresden könnte es aber eine Einigung im Februar geben. Problematisch halten wir allerdings die andauernden Verhandlungen zur Refinanzierung.“

International sind Immobilienwerte weitgehend dem Markt gefolgt, hat die Helaba festgestellt. Mit einem Plus von 1,8 Prozent haben sich US-Reits noch am besten entwickelt. Dagegen blieben Titel aus Japan, Hong Kong und Singapur weit zurück. „In Europa waren die britischen Immobilienaktien (minus 3,3 Prozent) die weit bessere Wahl als die aus der Euro-Zone (minus 15 Prozent)“, so die Helaba-Analysten. Die ungelöste Schuldenkrise und Refinanzierungsprobleme dürften aber in Europa für einen unruhigen Jahresanfang 2012 sorgen.