Geldanlagen

Der Dollar schlägt Aktien, Anleihen und Gold

| Lesedauer: 5 Minuten
Holger Zschäpitz

Foto: picture alliance / picture alliance/chromorange

Es ist kaum zu glauben. Doch der Greenback hat sich im November gegen alle anderen Anlageklassen durchgesetzt. Anleger ziehen Gelder aus dem Euro ab.

Der US-Dollar hat sich kraftvoll zurückmeldet. Von vielen schon als globale Reservewährung abgeschrieben, hat er sich im November als die beste Investmentklasse auch noch vor Aktien, Anleihen und Rohstoffen erwiesen. Und vieles spricht dafür, dass der Trend anhalten wird. Die Experten von Morgan Stanley haben 2012 zum Jahr des US-Dollar erklärt.

Bis Dezember sagen die Analysten zum Euro einen Stand von 1,20 Dollar voraus. „Der Dollar steht entgegen der öffentlichen Wahrnehmung fundamental viel besser da als andere Währungen insbesondere als der Euro“, sagt Hans Redeker, Stratege bei Morgan Stanley. Dieser Meinung schließt sich auch Crédit Suisse an. Deren Analysten haben am Donnerstag das Drei-Monats-Kursziel von 1,38 auf 1,25 Dollar je Euro genommen.

Schuldenkrise vertreibt Investoren aus Europa

Grund ist die europäische Schuldenkrise, die insbesondere die großen internationalen Investoren vertreibt. Zuletzt wollten kaum noch amerikanische oder asiatische Anleger europäische Anleihen kaufen. Die Länder der Peripherie konnten nur zu horrenden Zinsen Käufer finden. Und auch die Bundesrepublik bekam den Euro-Frust zu spüren.

In der vorvergangenen Woche fand die Schuldenagentur nicht mehr genügend Nachfrager für eine milliardenschwere Emission von Bundesschuldtiteln. Wenn aber Investoren der Euro-Zone den Rücken kehren, dann hinterlässt das auch Spuren am Devisenmarkt. Und die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) könnte den Devisenmarkt zusätzlich unter Druck bringen. Beinahe sämtliche Experten erwarten eine Zinssenkung in der kommenden Woche. Daneben wollen viele Marktbeobachter nicht ausschließen, dass die EZB in großem Stile die Notenpresse anwirft, um die Euro-Zone zusammenzuhalten.

Dollar-Index legt im November zu

Im November hat der Dollar zum Euro rund drei Prozent an Wert gewonnen. Auch gegenüber anderen Devisen zeigte sich der Greenback stark. Ablesen lässt sich das am sogenannten Dollar-Index, der die Entwicklung der US-Devise zu sechs anderen Hauptwährungen abbildet. Dieser legte im November ebenfalls fast drei Prozent zu. Gegenüber dem Jahresanfang steht der Dollar nur noch hauchdünn im Minus.

Nicht wenige Experten werten die positive Wertentwicklung der US-Devise als Paradigmenwechsel. Nach Jahren des Niedergangs könne der Dollar auf den internationalen Devisenmärkten wieder Boden gut machen. Beobachter trauen dem Dollar durchaus zu, seine Rolle als Reservewährung wieder stärken. In den vergangenen Jahren war der Anteil des Greenback in den Portfolien der Notenbanken von weit über 70 auf 62 Prozent zurückgegangen. Gewinner war der Euro, dessen Anteil an den Devisenreserven auf 26 Prozent kletterte. Nun könnte sich der Prozess wieder drehen und der Dollar zulasten des Euro Gewicht zurückerlangen.

Der Dollar konnte sich im November sogar gegen andere Anlageklassen durchsetzen. Anleihen etwa haben im November 0,4 Prozent an Wert eingebüßt. Der Rohstoffindex S&P GSCI Total Return Index stieg lediglich um 1,4 Prozent und der aus Aktien rund um den Globus gebildete MSCI Welt gab 2,9 Prozent nach. Der Deutsche Aktienindex Dax, der die 30 wichtigsten hiesigen Werte abdeckt, gab 0,9 Prozent ab.

Es gab im November eine Flucht in die Qualität , was derzeit heißt, dass die Investoren ihr Geld in US-Dollar und in amerikanischen Staatsanleihen halten“, sagt Devisenstratege Sean Callow von Westpac Banking in Sydney. Die USA hätten sich nicht als die schlechteste Wette erwiesen, und zwar sowohl, wenn es um die Rolle als „sicherer Hafen“ gehe als auch bei Lebenszeichen der dortigen Konjunktur. Er rechnet mit einer Erholung des Dollar-Index bis auf 80 Punkte zum Jahresende.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) hat gar Zweifel an der Überlebensfähigkeit der europäischen Währungsunion geäußert. Es handele sich um das derzeit größte Risiko für die Weltwirtschaft. Laut OECD werden die 34 in der Organisation vereinigten Länder im laufenden Jahr ein Wachstum von 1,9 Prozent erreichen und im kommenden Jahr um 1,6 Prozent wachsen. Noch im Mai wurden mit 2,3 und 2,8 Prozent erheblich höhere Wachstumsraten prognostiziert.

„Es geht jetzt darum, die saubersten unter den schmutzigen Hemden herauszusuchen“, sagt Bill Gross, Rentenfondsmanager von Pimco. Er nannte dabei die USA und Kanada ebenso wie Großbritannien und Australien. Von der Euro-Zone will er sich dagegen fernhalten.

Verbinden Sie sich mit unserem Morgenpost Online-Autoren auf Twitter : Holger Zschäpitz hat vor allem die weltweite Verschuldung der Staaten im Blick .