Börsen-Bericht

Dax-Anleger ruhen sich von der Kursrallye aus

Die Aktion der Notenbanken hat den Finanzmärkten geholfen, doch die Anleger bleiben nervös. Der Dax geht leicht im Minus aus dem Handel.

Nach den kräftigen Kursgewinnen vom Vortag haben die Anleger Kasse gemacht. Der Dax schloss mit 6035 Punkten um 0,9 Prozent niedriger. Nach dem Öffnen der Dollar-Schleusen durch die großen Zentralbanken war der Leitindex am Vortag alleine um fünf Prozent nach oben geschossen. Der EuroStoxx verlor etwa 0,7 Prozent.

„ Die Aktion der Notenbanken hat sicher geholfen, aber gelöst sind die Probleme noch nicht“, sagte ein Händler. Für Entspannung sorgte der deutliche Rückgang der Renditen italienischer, spanischer und französischer Anleihen. Auf die Kurse drückten Händlern zufolge neben den Gewinnmitnahmen auch Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi. Draghi hatte vor dem Europa-Parlament bekräftigt, die nicht auf Dauer angelegten unkonventionellen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Bekämpfung der Krise seien begrenzt. Die Zentralbank sei sich der „andauernden Schwierigkeiten der Banken“ bewusst.

Bei der Rallye am Vortag seien viele kurzfristig orientierte Anleger zum Kauf regelrecht gezwungen worden, sagte ein Händler. Viele längerfristig orientierte Anleger hätten mit dem Jahr 2011 aber schon abgeschlossen: „Wir sehen, dass unsere Kunden nicht mehr bereit sind, jetzt kurz vor dem Jahresende bei diesen Schwankungen noch viel zu machen“, sagte ein Händler.

Zudem sei der Wirtschaftsausblick alles andere als rosig. So macht der weltweite Abschwung auch vor China nicht halt. Nach fast drei Jahren stetigen Wachstums schrumpfte im Reich der Mitte die Industrie. In der weltgrößten Volkswirtschaft USA ist nach Einschätzung der Notenbank Fed die Konjunktur immer noch zu schwach, um zu einem Abbau der hohen Arbeitslosigkeit zu führen.

IWF kündigt Senkung der Prognose an

Die am Dienstag veröffentlichten Konjunkturdaten fielen unterschiedlich aus: so zeichnet sich am Arbeitsmarkt weiter keine nennenswerte Entspannung ab, während die US-Industrie dem Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager zufolge im November allmählich wieder Fahrt aufnahm. Der Internationale Währungsfonds (IWF) kündigte eine Senkung seiner Prognosen für die Weltwirtschaft im Januar an.

Mut machte dagegen die Entspannung am Rentenmarkt: Frankreich und Spanien konnten relativ problemlos Milliarden von Euro aufnehmen. Spanien musste zwar höhere Zinsen zahlen, Frankreich kam aber sogar günstiger an Geld. Der Euro verharrte bei 1,35 Dollar.

Wie verunsichert die Anleger weiter sind zeigt ein Blick auf die Verliererliste des EuroStoxx, denn vor allem bei den französischen Bankenwerten machten die Anleger – aller Zuversicht am Rentenmarkt zum Trotz – Kasse: Société Generale fielen um 3,2 Prozent, BNP Paribas um gut zwei Prozent. „Da denken viele wohl, dass Gewinnmitnahmen nicht schaden können und die Kurse gestern einfach zu weit vorgeprescht sind“, erklärte ein Händler. Im Dax zählten Deutsche Bank mit einem kleinen Plus von 0,1 Prozent dagegen zu den Gewinnern, während die Aktien der Commerzbank mit einem Minus von 2,5 Prozent auf 1,35 Euro auf der Verliererseite standen.

Im Sog der Aktion der Zentralbanken hatten Commerzbank-Titel am Mittwoch aber vier Prozent gewonnen. Auch Bayer und BASF und Adidas sowie Allianz zählten zu den größten Verlierern, womit sie einen Teil der Vortagesgewinne von bis zu über sechs Prozent wieder abgaben.

Auf der kurzen Gewinnerliste standen dagegen einige am Vortag vernachlässigte Titel wie Beiersdorf mit einem Plus von 1,7 Prozent, nachdem Analysten der Bank of America/Merrill Lynch die Papiere zum Kauf empfohlen hatten. Der leidgeprüfte Kosmetikkonzern hatte am Mittwoch eine Verschärfung seines Sparkurses angekündigt.