Nach Herabstufung

Börsen zittern wegen Bankenbewertung und Schulden

Die Neubewertung von Großbanken durch Standard & Poor's schickt Finanzwerte auf Talfahrt. Auch die Ergebnisse der Euro-Finanzminister machen Händler nervös.

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Die Herabstufung der Bonität mehrerer internationaler Großbanken durch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) hat den Dax belastet. Außerdem äußerten sich Börsianer enttäuscht über die Ergebnisse des Treffens der Euro-Finanzminister. Der deutsche Leitindex fiel zur Eröffnung um 1,2 Prozent auf 5727 Punkte.

„Das Meeting der EU-Finanzminister brachte nicht den großen Durchbruch bezüglich des Euro-Rettungsfonds EFSF“, sagte ein Händler. Auch Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research äußerte sich kritisch: „Hier wurde eine Chance vertan, zur Beruhigung der Märkte beizutragen.“

Die Politik hatte sich zwar auf die Grundzüge der Hebelung des EFSF verständigt. Unklar bleibt allerdings, wie stark die Finanzkraft am Ende sein wird. Gleichzeitig setzen sie auf ein verstärktes Engagement des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei der Krisenbekämpfung.

Unter dem Eindruck der geringeren Kreditwürdigkeit einiger Konkurrenten gaben auch deutsche Finanzwerte nach. Deutsche Bank und Commerzbank fielen jeweils um etwa 2,5 Prozent. Der europäische Bankenindex sank 1,8 Prozent. Unter den von S&P herabgestuften Instituten verloren Barclays und HSBC jeweils knapp zwei Prozent, UBS notierten 1,7 Prozent schwächer.

Euro-Schuldenkrise belastet auh Börsen in Asien

Die Schuldenkrise in Europa und Sorgen über einen deutlichen Wirtschaftsabschwung in China haben auch die asiatischen Börsen belastet. Zudem drückte die Herabstufung mehrerer internationaler Banken durch die Ratingagentur Standard & Poor's auf die Stimmung.

In Tokio verlor der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,5 Prozent auf 8434 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index gab 0,2 Prozent auf 728 Punkte nach. In Taiwan, Südkorea, Singapur und Hongkong gaben die Kurse zwischen 0,5 und 1,5 Prozent nach.

Die Börse in Schanghai verlor drei Prozent. Grund dafür sind Sorgen vor einem zu heftigen Abschwung in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft China. Mehrere internationale Organisationen und Investmentbanken sagen für das Land 2012 noch ein Wirtschaftswachstum von 8,5 Prozent voraus, nach einem Zuwachs von mehr als neun Prozent in diesem Jahr. Zuletzt hatten am Dienstag die Großbanken UBS und Citigroup ihre Prognosen für Chinas Wachstum 2012 gesenkt.

Geteilter Meinung inAsien sind die Investoren Händlern zufolge über den weiteren Verlauf der Euro-Schuldenkrise. Die Euro-Länder hatten am späten Dienstagabend in Brüssel vereinbart, zur Verstärkung ihrer Krisenabwehr auf den Internationalen Währungsfonds zu setzen. „Es ist, als ob sie Morphium verabreicht haben und der Schmerz an den Finanzmärkten für den Moment verschwunden ist“, sagte Hajime Nakajima, Händler bei Cosmo Securities in Osaka.

S&P bewertet Kreditwürdigkeit von Banken neu

Die Ratingagentur S&P hatte am Dienstagabend die Kreditwürdigkeit von 15 großen Banken herabgestuft. Der Schritt stehe im Zusammenhang mit einer Überarbeitung der eigenen Bewertungskriterien, erklärte die Agentur zur Begründung. Zu den betroffenen Häusern gehörten die US-Banken Citigroup, Wells Fargo, Goldman Sachs, Morgan Stanley, JPMorgan und Bank of America, die britischen Barclays und HSBC sowie die UBS aus der Schweiz.

Bewertungen für weitere 20 Banken behielt S&P bei, zwei wurden erhöht. Die Herabstufung habe die Marktteilnehmer schockiert, sagte Fumiyuki Nakanishi von SMBC Friend Securities. Nun würden fallende Kurse an der Wall Street in New York erwartet.

Unter den Einzelwerten standen Olympus im Fokus. Der in einen Bilanzskandal verwickelte Kamerahersteller aus Japan könnte einem Zeitungsbericht zufolge Probleme haben, bis zu einer am 14. Dezember auslaufenden Frist seine überarbeitete Bilanz vorzulegen. Damit könnte Olympus seine Börsennotierung verlieren. Eine Sprecherin wies den Bericht zurück. Olympus-Aktien verloren im frühen Handel rund zwölf Prozent, schlossen aber zwei Prozent im Plus.

Der weltweit viertgrößte PC-Hersteller Acer aus Taiwan sagte für das laufende Quartal eine Unterversorgung des Marktes für Festplatten um bis zu 15 Prozent als Folge der Fluten in Thailand voraus. Seinen Ausblick für das Gesamtjahr, in dem der Konzern einen Verlust erwartet, behielt das Unternehmen aber bei. Acer-Aktien schlossen 0,3 Prozent im Plus.

Der Euro notierte im fernöstlichen Handel stabil mit

1,3312 Dollar nach den Beschlüssen des Eurogruppe in Brüssel reagiert. Die Reaktion sei zurückhaltend, weil die Details über den Rettungsfonds keine Überraschung seien, sagte Junya Tanase von JPMorgan Chase in Tokyo. Entscheidend sei die Frage, ob die Europäische Zentralbank in Zukunft eine aktivere Rolle spiele.