Luxus-Immobilien

In Manhattan werden Edel-Wohnungen knapp

| Lesedauer: 4 Minuten

Foto: picture alliance / Reinhard Kung

Eigentumswohnungen oder Stadthäuser ab fünf Millionen Dollar gelten als sichere Geldanlage. In Manhattan sind die meisten Edel-Wohnungen bereits verkauft.

Der Markt für Luxusimmobilien in Manhattan erlebt derzeit einen ungeahnten Nachfrageboom – trotz Schuldenkrise in Europa und den Sorgen um die Weltwirtschaft. Das Angebot an edlen Immobilien schwindet zusehends. So hat beispielweise Makler Jason Haber erhebliche Probleme, geeignete Objekte für einen Kunden zu finden, der etwa acht Millionen Dollar für Betongold ausgeben will.

Als Reaktion auf das knappe Angebot hat Habers Agentur Rubicon Property die Besitzer von 300 Luxus-Eigentumswohnungen und Stadthäusern mit der Frage angeschrieben, ob jemand von ihnen einen Verkauf in Erwägung ziehen würde. „Dies müsste man nicht tun, wenn am oberen Segment des Marktes reichlich Objekte verfügbar wären“, sagte Haber, Mitbegründer und Chef von Rubicon: „Es zeigt, wie die Dinge derzeit liegen. Da ist ein Käufer, der bereit ist, der zugreifen will und es sich leisten kann – und wir können tatsächlich nichts für ihn finden.“

Verkaufszahlen für Luxus-Immobilien steigen

Bei Wohnimmobilien mit Preisen ab fünf Millionen Dollar stiegen seit etwa einem Jahr die Verkaufszahlen, berichtet Haber. Ausländische Käufer nutzten die Objekte als sichere Geldanlage. Aber auch die New Yorker selbst seien als „energische“ Käufer am Markt aktiv und suchten nach Schnäppchen, so der Makler. Der Käuferansturm ließ die Zahl der verfügbaren Objekte nach Angaben der Immobilienwebsite StreetEasy.com im Oktober auf den geringsten Wert schrumpfen, den es seit 2007 in einem Oktober gab.

Im vergangenen Monat waren den Angaben zufolge 832 Wohnimmobilien mit geforderten Preisen von mindestens fünf Mio. Dollar verfügbar. Im Oktober 2010 lag ihre Zahl noch bei 862, im Oktober 2009 bei 917 und im Vergleichsmonat 2008 bei 909. „In Manhattan insgesamt nimmt der Bestand ab“, sagt Sofia Song, Vizepräsidentin im Analysebereich von StreetEasy: „Im Segment von fünf Millionen Dollar und mehr gilt dies besonders für den Bestand an Neubauten.“

Die Zahl der verkauften Luxusappartements in Manhattan lag im dritten Quartal um 17 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum, wie Daten des Gutachterbüros Miller Samuel zeigen. Als Luxus-Bereich werden die preislich obersten zehn Prozent der verkauften Eigentumswohnungen definiert.

Von den 311 im Quartal verkauften Objekten kosteten 25 jeweils zehn Millionen Dollar oder mehr. Diese Zahl ist die zweithöchste seit dem Jahr 2008, als die Investmentbank Lehman Brothers Pleite ging. Eine höhere Zahl dieser besonders hochpreisigen Objekte sei nur im zweiten Quartal dieses Jahres verkauft worden, berichtete Jonathan Miller, Präsident von Miller Samuel in New York.

Enormer Absatz seit 2008

„Es war ein gutes Jahr mit einer ziemlich robusten Nachfrage am oberen Ende des Marktes“, erklärte Miller: „Das gilt nicht nur für Manhattan. In der ganzen Region wird der obere Rand des Spektrums entdeckt.“ Den Beginn des jüngsten Booms sieht Miller im vergangenen November, als der Immobilienentwickler William Lie Zeckendorf sein Penthouse am Central Park West 15 für 40 Millionen Dollar verkaufte.

Im gleichen Monat habe auch ein Penthouse im Superior Ink Condominiums and Townhouses im West Village für 31,5 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt. Ein Rekord könnte gebrochen werden, wenn der frühere Citigroup-Chairman Sanford Weill sein Penthouse am Central Park West 15 zu dem geforderten Preis von 88 Millionen Dollar verkauft.

Weills 627 Quadratmeter großes Refugium nimmt eine ganze Etage ein. Im dritten Quartal wurden laut StreetEasy in Manhattan zwölf Wohnimmobilien-Transaktionen für 20 Millionen Dollar und mehr abgeschlossen. So viele waren es seit dem dritten Quartal 2008 nicht mehr.

Damals wechselten 20 Objekte in dieser Preiskategorie den Besitzer. Das damalige Preisniveau hat sich trotz des jüngsten Booms noch nicht wieder eingestellt. Im abgelaufenen Quartal kosteten die teuersten zehn Prozent der Objekte im Schnitt 4,17 Millionen Dollar. Das Hoch aus dem ersten Quartal 2008 lag laut Miller bei 4,99 Millionen Dollar. Aber das dürfte schnell erreicht sein, wenn die Krise anhält.