Insiderhandel

Hedgefonds-Milliardär spekuliert sich ins Gefängnis

Hedgefonds-Gründer Rajaratnam muss für elf Jahre in Haft. Eine harte Strafe für illegale Aktiengeschäfte. Ermittelt wurde wie bei organisierter Kriminalität.

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Dies ist eine klare Warnung an alle Verbrecher in Nadelstreifen: Wegen verbotenem Insiderhandel muss die Wall-Street-Größe Raj Rajaratnam für elf Jahre ins Gefängnis. Ein New Yorker Richter verkündete das Strafmaß. Es handelt sich um eine der längsten Haftstrafen, die jemals wegen eines derartigen Vergehens verhängt wurden. Die Ankläger hatten sogar mehr als 24 Jahre Haft gefordert.

Der Hedgefonds-Manager Rajaratnam war im Mai von Geschworenen für schuldig befunden worden, im großen Stil illegale Aktiengeschäfte getätigt zu haben. Demnach hatten Tippgeber ihm mehrfach Interna aus börsennotierten Unternehmen verraten. Mit diesem Wissen, so befand die Jury, habe Rajaratnam dann an der Börse spekuliert und Millionenprofite eingestrichen.

Mit Rajaratnam, dem milliardenschweren Gründer des Hedgefonds Galleon, war ein ganzes Insider-Netzwerk aufgeflogen – die Wall Street war geschockt. Mehrere weitere Personen wurden bereits verurteilt. Der Fall hatte dazu geführt, dass Insiderhandel schärfer verfolgt wurde. Zusätzlich zur Haft muss Rajaratnam eine Geldstrafe von zehn Millionen Dollar zahlen.

Bislang tat sich die Justiz bei komplizierten Finanzdelikten schwer, den Verantwortlichen ihre Taten nachzuweisen. Zudem galten Wirtschaftskriminelle als wenig gefährlich für die Gesellschaft. Das hat sich spätestens seit der Finanzkrise geändert.

Ermittler zapften Rajaratnams Telefon an

Im Fall des 54-jährigen Rajaratnam setzte die Staatsanwaltschaft Methoden ein, die sie sonst eher für die organisierte Kriminalität benutzt: Ermittler zapften Rajaratnams Telefon an. Vor Gericht spielten diese Mitschnitte eine zentrale Rolle.

Auf den Bändern war zu hören, wie Rajaratnam mit seinen Kontaktleuten spricht und sich streng vertrauliche Firmeninterna beschafft, etwa die neuesten Geschäftszahlen oder Übernahmepläne. Ende 2009 ließen die Ermittler Rajaratnam dann hochgehen. Er beharrte bis zuletzte darauf, dass er sich seine Informationen auf legalem Wege beschafft habe.

Zu den bekannten Namen, die in die Affäre hineingezogen wurden, gehörten die Investmentbank Goldman Sachs, die Beratungsgesellschaft McKinsey, die Halbleiter-Konzerne AMD und Intel oder das Computerurgestein IBM. In manchen Fällen hatte Rajaratnam nach Ansicht des Gerichts seine Tipps direkt aus den Führungszirkeln der Häuser erhalten, in anderen Fällen waren Firmen lediglich das Opfer.

Illegaler Wissensvorsprung ist verboten

Der Handel mit Aktien auf der Grundlage geheimer Informationen ist verboten, weil es andere Anleger benachteiligt. Mit dem Wissensvorsprung kann abgeschätzt werden, wie sich Kurse entwickeln - enorme Gewinne können die Folge sein. Oder man kann Verluste vermeiden, indem man seine Aktien rechtzeitig verkauft.

Ende 2010 war ein weiteres Insiderhandels-Netzwerk aufgeflogen, das unter anderem Profit aus Firmeninterna von Apple geschlagen hatte. Auch hier gab es schon mehrere Verurteilungen. Die bislang höchste Strafe unter den Wirtschaftskriminellen bekam allerdings Milliardenbetrüger Bernard Madoff, der seine Anleger mit einem Schneeballsystem um 20 Milliarden Dollar gebracht hatte. Madoff sitzt für 150 Jahre ein.

Rajaratnams Insidergeschäfte hatten so große Konzerne wie IBM , Intel und Goldman Sachs sowie die Beraterfirma McKinsey getroffen. Für die Staatsanwälte war Rajaratnam das „moderne Gesicht“ des Insiderhandels, das in einer Reihe mit dem Übernahmespezialisten Ivan Boesky und dem Junk-Bond-Financier Michael Milken stehe. Beide waren Mitte der 1980er Jahre Schlüsselfiguren im Insiderhandel und verbüßten je rund zwei Jahre Haft.