Geldanlage

Indexfonds sind die großen Gewinner der Euro-Krise

In Zeiten turbulenter Märkte sind Dax-ETFs zum beliebtesten Produkt in Europa aufgestiegen. Anleger stecken Milliarden in die Indexfonds.

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An der wachsenden Beliebtheit von börsengehandelten Indexfonds, den ETFs, konnten auch die Marktturbulenzen der vergangenen Wochen nichts ändern. Im Gegenteil: Während der Deutsche Aktienindex (Dax) im Krisenmonat August 20 Prozent an Wert einbüßte, investierten Anleger allein in den iShares Dax des weltweit größten Anbieters Blackrock zusätzlich noch einmal 1,4 Milliarden Euro, der etwas kleinere Dax-ETF des Konkurrenten db x-trackers verzeichnete immerhin ein Netto-Mittelaufkommen von etwas mehr als einer halben Milliarden Euro.

Allein seit Jahresanfang flossen in die zwei Produkte insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro – sie gehören mit Abstand zu den beliebtesten Indexfonds 2011. Diese Zahlen gewinnen noch an Aussagekraft, wenn man im gleichen Zeitraum die Mittelbewegungen in der Fondsbranche insgesamt betrachtet. Laut Branchenverband BVI gaben Anleger im August Anteile an Publikumsfonds im Wert von 5,4 Milliarden Euro zurück.

Allein aus Aktienfonds wurden 4,1 Milliarden Euro mehr abgezogen als neu investiert. In den Zahlen sind sowohl die Mittelbewegungen bei klassischen Aktienfonds, bei denen ein Fondsmanager aktiv Anlageentscheidungen trifft, als auch bei börsengehandelten Indexfonds, die einfach passiv einen Index eins zu eins abbilden, enthalten.

Längst retten also ETFs die Statistik: Ohne die beiden großen Dax-Fonds hätte die Branche in diesem Jahr bislang Anlegergelder aus Aktienfonds in Höhe von fast zwölf Milliarden Euro verloren. Von einem Konflikt aktiv gegen passiv will die Branche allerdings nichts wissen. „Indexfond sind kein Misstrauensvotum gegen klassische Investmentfonds“, sagt Thomas Neiße, Präsident des Fondsverbandes BVI und oberster Fondsmanager der Deka Bank, des Fondsanbieters der Sparkassen. Die Sparkassen verkaufen an ihre Privatkundschaft ausschließlich klassische Fonds.

Anders als noch vor ein paar Jahren als die in den USA erfundenen ETFs auch in Deutschland Fuß fassten, beruft sich die Branche mittlerweile gerne auf die Gesamtstatistik – obwohl es die einzelnen Gesellschaften schmerzt, schließlich sind die Gebühren bei klassischen Produkten sehr viel höher, ein großer Apparat aus Analysten und Fondsmanagern muss bezahlt werden.

Die Gründe für die ungebrochene Nachfrage nach ETFs, selbst in Zeiten fallender Kurse, werden nicht nur in der oftmals enttäuschenden Wertentwicklung klassischer Fonds gesehen, sondern auch in der unterschiedlichen Konstruktion. „Indexfondspositionen können über die Börse sehr schnell auf und wieder abgebaut werden“, sagt Dirk Klee, Deutschlandchef des ETF-Anbieters Blackrock.

Günstige Absicherung am Terminmarkt

Zudem lasse sich beispielsweise ein Indexfonds auf den Dax mit einem entsprechenden Produkt an den Terminmärkten sehr leicht und günstig absichern. „In turbulenten Zeiten haben ETFs regelmäßig hohe Zuflüsse – nicht nur in den vergangenen Wochen“, so Klee.

Wobei auch er darauf verweist, dass es für nicht darum geht, entweder einen aktiven oder einen passiven Fonds zu kaufen. „Unsere größten Kunden sind Vermögensverwalter, die sowohl klassische Investmentfonds in ihren Portfolien haben als auch Indexfonds“, so Klee.

Für ETF-Anbieter kommen die anhaltenden Zuflüsse angesichts der öffentlichen Diskussion äußerst gelegen. Denn in den vergangenen Monaten kamen die Produkte ins Gerede. Kritik am Wildwuchs wurde laut, mittlerweile gibt es in Europa 1200 verschiedene ETFs, Ende 2008 war es gerade die Hälfte. Das Kernargument, die Einfachheit der Produkte, ist längst nicht mehr durchgängig zu rechtfertigen. Regulatoren äußerten sogar die Befürchtung, dass Indexfonds bei anhaltendem Wachstum ein Risiko für die Stabilität des Finanzsystems sein könnten.

Einzelne Fondsmanager gingen zumindest so weit, dass ETFs den großen Gleichlauf, die Korrelation der Aktien verschärften –das heißt, steigt eine Aktie, steigen alle Aktien und umgekehrt. „Da Niveau der Korrelation ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das hat mit der Zunahme der passiven Anlageformen zu tun“, sagt beispielsweise Bernhard Langer, Chef-Anlagestratege bei Invesco.

Während die Branche an einer einheitlichen Bezeichnungen der Produkte und auch an einer noch höheren Transparenz bezüglich möglicher Risiken arbeitet, hat sie mit den Absatzzahlen im August einen Vorwurf bereits widerlegt: Dass sie einen Abwärtstrend noch verstärkt, wenn sie Dax-Aktien pauschal verkaufen muss, um ausstiegswillige Anleger auszubezahlen. „Wie sich an unserem Dax-ETF zeigt, können wir sogar stabilisierend wirken, für die zusätzlichen Milliarden haben wir schließlich auch im August Aktien gekauft und nicht verkauft“, sagt Blackrock-Chef Klee.