Börsen-Bericht

Dax-Anleger setzen auf Stabilisierung der Banken

EZB steht den Banken mit neuen Milliardenhilfen zur Seite. Finanzwerte profitieren von diesen Aussichten besonders.

Die Hoffnung auf eine Stabilisierung des angeschlagenen Finanzsektors hat die Anleger bei Aktien zugreifen lassen. Für Zuversicht sorgten Äußerungen von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Er schlug eine koordinierte Aktion der EU-Länder vor, um die Banken zu rekapitalisieren. Aber auch die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte an, den Finanzinstituten in der Schuldenkrise mit neuen Milliardenhilfen unter die Arme greifen zu wollen.

„Alles in allem schöpft man wieder etwas mehr Mut, dass man die Probleme in Bankensektor vielleicht doch noch in den Griff bekommen kann“, sagte ein Händler. Der Dax schloss nach einer Berg- und Talfahrt 3,2 Prozent fester bei 5645 Punkten, der EuroStoxx50 gewann drei Prozent. Auch die Wall Street lag zu Börsenschluss in Europa im Plus.

Nicht gut an kam die Entscheidung der EZB, ihren Leitzins bei 1,5 Prozent zu belassen. Der Dax drehte zeitweise knapp ins Minus, bevor er am späten Nachmittag wieder auf Erholungskurs ging. Da seien einige auf dem falschen Fuß erwischt worden, die auf einen schnellen Stimulus für die schwächelnde Konjunktur gesetzt hätten, sagte ein Händler.

Pfandbriefprogramm der EZB

Statt der Zinswende kündigte EZB-Chef Jean-Claude Trichet an, ein 40 Milliarden Euro schweres Ankaufprogramm für Pfandbriefe und andere gedeckte Anleihen aufzulegen. Zudem sollen sich die Banken über neue langfristige Kreditlinien bei der EZB-Tränke mit Liquidität versorgen können, nachdem es am Geldmarkt zuletzt gehakt hatte. „Die EZB stellt soviel Liquidität bereit wie notwendig. Damit will sie Ruhe in den Bankensektor hineinbringen“, urteilte Norbert Braems, Chefvolkswirt bei Sal. Oppenheim.

Die Finanzwerte zogen europaweit an, der Bankenindex stieg um bis zu 4,2 Prozent. Im Dax setzten die Papiere von Allianz ihre Erholung fort und verteuerten sich um 5,9 Prozent. Auftrieb erhielten die Aktien auch von der Bestätigung der Geschäftsprognose für 2011 durch den Konzern.

Die Deutsche Bank und die Commerzbank legten um 2,6 beziehungsweise 3,9 Prozent zu. Allerdings warnte Keith Bowman, Analyst bei Hargreaves Lansdown, davor, dass die Erholung bei den Finanzwerten auf wackligen Füßen stehen könnte. „Wenn wir nun nicht in absehbarer Zeit konkrete Maßnahmen vonseiten der Politik sehen, dürften die Nerven an den Märkten schon bald wieder blankliegen.“

Konjunkturabhängige Werte gefragt

Weit oben auf den Einkaufslisten der Dax-Anleger standen Werte, die besonders abhängig von der Konjunkturentwicklung sind, wie Industrie- oder Baustoffaktien. ThyssenKrupp verzeichneten ein Plus von 9,4 Prozent, HeidelbergCement kletterten um 4,9 Prozent. „Sobald es an den Märkten bergauf geht, steigt auch die Risikofreude der Anleger wieder“, sagte ein Händler.

Von der Auftragsflaute der deutschen Industrie im August zeigten sich die Anleger unbeeindruckt. Die Firmen sammelten im August 1,4 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat – Analysten hatten mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet. „Die Daten sind eher enttäuschend. Aber die Eintrübung des Ifo-Geschäftsklimas hat schon signalisiert, dass es nicht so grandios weitergeht“, sagte BHF-Analyst Gerd Hassel.

Abstand nahmen die Anleger von Lufthansa-Papieren. Die Experten der Credit Suisse hatten die Anteilsscheine auf „Neutral“ von „Outperform“ heruntergestuft, die Aktien notierten bis zu 3,5 Prozent schwächer.

Im MDax standen Gerresheimer im Fokus. Die Papiere des Spezialverpackungsherstellers zogen um bis zu 9,2 Prozent auf 32,05 Euro an, den höchsten Stand seit knapp vier Wochen. Das Unternehmen hat nach einem Wachstumsschub im dritten Quartal seine Umsatzprognose für sein laufendes Geschäftsjahr erhöht. Gerresheimer sei 2011 auf einem guten Weg, urteilte Timo Kürschner, Analyst bei der LBBW.

Gestützt von positiven Analystenkommentaren konnten auch die Aktien des Agrar- und Baustoffhändlers BayWa zulegen. Die Papiere waren mit einem Aufschlag von bis zu 12,7 Prozent auf 33,50 Euro so teuer wie seit siebeneinhalb Monaten nicht mehr. Die Geschäfte bei BayWa liefen gut, das habe der Investorentag des Unternehmens am Mittwoch deutlich gemacht, schrieben die Analysten von Equinet in einem Kommentar.