Gewerbe-Immobilien

Shanghai löst Tokio als Asiens Topmetropole ab

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Richard Haimann

Foto: Qilai Shen

Der Handel mit Bürotürmen, Shopping Centern und Logistikflächen bricht in Asien ein. Japan leidet besonders unter den Folgen von Fukushima.

Das Erdbeben und die Atomkatastrophe von Fukushima haben Investoren den Appetit auf Engagements am japanischen Immobilienmarkt verdorben. Doch auch die übrigen asiatischen Standorte konnten davon nicht alle profitieren. „Investoren sind zurückhaltend mit Engagements in Asien“, sagt Analyst David Green-Morgan von der Beratungsgesellschaft DTZ. Dahinter steht die Angst, dass die Schuldenkrisen in Europa und den USA den Absatz von Unternehmen aus China, Indien, Japan und Malaysia schwer treffen könnten. „Das Transaktionsgeschäft ist im zweiten Quartal dieses Jahres massiv eingebrochen“, sagt Green-Morgan. Von April bis Ende Juni wechselten in der drittgrößten Volkswirtschaft nur noch Gewerbeobjekte im Gesamtwert von 1,1 Mrd. US-Dollar (764 Mio. Euro) den Besitzer – ein Rückgang von 86 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Insgesamt erwarben Großinvestoren im zweiten Quartal im fernen Osten nur noch Bürotürme, Shopping Center und Logistikobjekte im Gesamtwert von 25 Mrd. US-Dollar (17,4 Mrd. Euro) – ein Minus von 37 Prozent zum Vergleichszeitraum 2010. Der Ausblick ist gedämpft. In der Region Asien/Pazifik beträgt der Gesamtetat für Direktinvestitionen in Immobilien im nächsten Jahr nur noch 91 Mrd. US-Dollar, zwölf Prozent weniger als 2011.

In Japan werden weniger Büros gebraucht

In Japan hatten Unternehmen begonnen, ihren Bedarf an Büroflächen zu reduzieren. „Als Folge fielen die Spitzenmieten in Tokio im zweiten Quartal um rund 2,5 Prozent“, sagt Green-Morgan. Hingegen warteten andere Märkte mit guten Zahlen auf. In Hongkong wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal zwar nur noch 4,6 nach 7,2 Prozent im ersten Quartal. Unternehmen mieteten jedoch weiter Büroflächen an, der Leerstand fiel auf fünf Prozent. „Die Durchschnittsmieten stiegen um fünf Prozent“, sagt Benedict Ma, Analyst beim Maklerhaus CB Richard Ellis (CBRE).

In Shanghai war die Flächennachfrage nach einer Studie von Jones Lang LaSalle (JLL) so groß, dass die Leerstandsrate trotz zahlreicher Neubauten auf 7,3 Prozent fiel. „Spiegelbildlich legten die Büromieten von Anfang April bis Ende Juni um 4,6 Prozent zu“, sagt Jane Murray, Chefanalystin Asien.

Boom ohne Ende in Shanghai

Auch in den kommenden zwölf Monaten werde der Markt in Shanghai anziehen, prognostiziert Murray. „Die starke Nachfrage von in- und ausländischen Unternehmen wird die Mieten und Immobilienpreise weiter treiben.“ Dieser Ansicht ist auch Stefan Wundrak von der Investmentfirma Henderson Global. „Chinas Wirtschaft hängt längst nicht mehr nur am Export, sondern wächst immer stärker durch den Binnenkonsum.“ Weil die Beschäftigtenzahl und die Löhne in China weiter steigen, rät Wundrak Investoren, dort vor allem auf Shopping Center zu setzen.

In Singapur ist das Investmentvolumen im Jahresverlauf gesunken – allerdings bei weitem nicht so stark wie an den übrigen Standorten. Wechselten im ersten Quartal Immobilien im Gesamtwert von 8,1 Mrd. US-Dollar im Stadtstaat den Besitzer, sank das Transaktionsvolumen im zweiten Quartal geringfügig auf 7,82 Mrd. US-Dollar (5,4 Mrd. Euro). „Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das immer noch ein Plus von rund 60 Prozent“, sagt Analystin Petra Blazkova von CB Richard Ellis. Investoren würden den Finanz- und Handelsplatz als besonders stabilen Standort werten. Blazkova: „Viele internationale Fonds suchen nach Objekten.“