Börsen-Bericht

Dax geht den achten Tag in Folge auf Talfahrt

Am deutschen Aktienmarkt wächst die Angst, dass Frankreich die Top-Bonität demnächst verliert. Der Dax fällt auf ein Sieben-Wochen-Tief.

Chinas Wachstum gerät ins Stottern, die Bonität Frankreichs wackelt und ein nachhaltiges Maßnahmenpaket zur Lösung der Euro-Krise ist weiter nicht in Sicht – die Anleger am deutschen Aktienmarkt blieben angesichts der anhaltenden Negativschlagzeilen auch am Mittwoch auf der Hut. Der Dax fiel den achten Handelstag in Folge, mit 5470 Punkten markierte er zeitweise ein Sieben-Wochen-Tief.

Seit Anfang vergangener Woche hat der Leitindex knapp zehn Prozent verloren. Bis zum Mittag notierte der Dax 0,7 Prozent schwächer bei 5501 Zählern; der EuroStoxx50 gab um 0,6 Prozent nach. „Das Souffle, das wir zu essen gehofft hatten, fällt vor unseren Augen in sich zusammen“, sagte Finanzmarktexperte Justin Urquhart Stewart von Seven Investment Management. „Wir hatten uns eine ’sanfte Landung’ in China und Fortschritte in Europa gewünscht.“

Für Missmut sorgte vor allem, dass der HSBC-Einkaufsmanagerindex für die Industrie im November unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gerutscht ist. „Das ist noch keine Katastrophe, aber es schürt natürlich die Angst vor einer deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft – schließlich ist China der einzige Rettungsanker, den wir noch haben“, sagte ein Börsianer. Zu spüren bekamen die Konjunkturängste vor allem die Autotitel: Volkswagen, Daimler und BMW gaben in der Spitze zwischen 3,8 und 1,8 Prozent nach.

Doch auch aus Europa kamen keine beruhigenden Nachrichten: Es mehrten sich die Spekulationen um einen Verlust der Top-Bonitätsnote Frankreichs , da das Land Zeitungsberichten zufolge der angeschlagenen Dexia Bank womöglich mit weiteren Milliarden unter die Arme greifen muss. Die Aktie notierte bis zu 15 Prozent fester.

Frankreich droht Herabstufung der Bonität

Der belgischen Zeitung „De Standaard“ zufolge drehen sich die Gespräche um eine Neuverteilung der Lasten. „Wenn Frankreich einen größeren Teil übernimmt, droht eine Herabstufung der Bonität“, sagte ein Börsianer. Frankreich und Belgien hatten Dexia im Oktober mit Hilfe von Staatsgarantien in Höhe von 90 Milliarden Euro vor einer Pleite bewahrt sowie die Zerschlagung und Verstaatlichung des Kreditinstitutes vereinbart.

Die seit einiger Zeit steigenden Renditen der französischen Staatsanleihen zogen erneut an und notierten bei 3,632 Prozent. Die Risikoaufschläge, die Investoren für zehnjährige belgische Papiere im Vergleich zu den deutschen Bunds forderten, kletterten auf den Höchststand seit Einführung des Euro. Die Rendite lag in der Spitze bei 5,202 Prozent.

Auch an der Gemeinschaftswährung gingen die Sorgen um Frankreich nicht spurlos vorüber: Der Euro notierte mit 1,3390 Dollar mehr als einen US-Cent unter seinem New Yorker Vortagesschluss. Belastend wirkte sich laut Händlern hier auch die enttäuschende Nachfrage bei der Emission zehnjähriger Bundesanleihen aus.

Abseits der Euro-Krise und Konjunktursorgen machte am deutschen Aktienmarkt vor allem die Deutsche Telekom von sich Reden. Die US-Telekommunikationsaufsicht FCC hat Bedenken gegen den 39 Milliarden Dollar schweren Verkauf des US-Mobilfunkgeschäfts an AT&T angemeldet und eine strengere Prüfung angeordnet. Die Telekom-Aktie verbilligten sich um bis zu drei Prozent auf 8,68 Euro, den niedrigsten Stand seit Anfang Oktober.

„Das ist natürlich eine negative Nachricht,“ sagte ein Händler. Überraschend sei sie aber nicht, nachdem das US-Justizministerium bereits kartellrechtliche Bedenken geäußert und deswegen sogar geklagt habe. Der Prozessbeginn ist für den 13. Februar angesetzt.

Auf Erholungskurs gingen am Mittwoch die Papiere der Commerzbank, die um bis zu 6,3 Prozent zulegten. Spekulationen auf eine bevorstehende Kapitalerhöhung hatten die Aktie am Dienstag um gut 15 Prozent auf ein Rekordtief von 1,15 Euro abstürzen lassen.