Börsen-Bericht

Dax fällt und fällt – Deutsche Bank verliert kräftig

Unruhe an der Börse: Anleger fürchten wegen Schuldendrama Kollaps des Finanzsystems. Am stärksten betroffen: die Aktien der Deutschen Bank.

Wer derzeit am Aktienmarkt aktiv ist, braucht Nerven wie Drahtseile. Zu den Sorgen um einen Staatsbankrott Griechenlands gesellten sich am Dienstag auch Befürchtungen, der europäische Finanzsektor könnte infolge der Schuldenkrise auf einen Kollaps zusteuern.

Der Dax notierte zeitweise 3,7 Prozent schwächer bei 5178 Punkten, der europäische Stoxx50E gab um 3,4 Prozent nach. Auch der Euro musste Federn lassen und notierte mit bis zu 1,3144 Dollar auf dem niedrigsten Stand seit neun Monaten.

Geschürt wurden die Ängste vor allem durch das belgisch-französische Bankinstitut Dexia , das wegen seines starken Griechenland-Engagements in die Bredouille geraten ist und laut einem Medienbericht nun vor der Aufspaltung steht.

„Das Schicksal und der Kursabsturz von Dexia sind für viele Anleger ein schlechtes Omen – sie fürchten, dass es einigen europäischen Finanzinstituten ähnlich gehen könnte“, sagte ein Händler. Die Aktie fiel um mehr als 37 Prozent, der europäische Bankenindex notierte bis zu 4,5 Prozent schwächer.

Am deutschen Aktienmarkt litten die Finanzwerte ebenfalls - die Papiere der Deutsche Bank rutschten allerdings besonders deutlich ab, weil die Bank das für 2011 angepeilte Gewinnziel von zehn Milliarden Euro gekippt hat.

Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Kredits an das größte deutsche Kreditinstitut per Credit Default Swap (CDS) verteuerte sich am Dienstag um 21.000 auf 212.000 Euro, teilte der Datenanbieter Markit mit.

Allerdings hätten zuvor bereits etliche Investoren bezweifelt, dass die Deutsche Bank ihr ehrgeiziges Ziel eines Gewinns von zehn Milliarden Euro erreichen werde, sagte ein Börsianer. „Jetzt ist die Katze aus dem Sack und die Anleger wissen was Sache ist, das dürfte tendenziell wieder mehr Ruhe in die Aktie bringen.“

Angst vor einer neuen Finanzkrise

„Die Politiker müssen jetzt hinter den Banken stehen und das System am Leben halten. Andernfalls droht uns eine neue Finanzkrise“, sagte Justin Urquhart Stewart, Analyst bei Seven Investment Management. In den vergangenen Wochen war verstärkt darüber spekuliert worden, dass Dexia – einer der größten ausländischen Besitzer griechischer Staatsanleihen - aufgespalten werden könnte oder erneut vor dem Zusammenbruch gerettet werden muss.

Der weltweit größte Kommunalkreditfinanzierer war in der Finanzkrise 2008 nach einem Verlust von 3,3 Milliarden Euro von Frankreich, Belgien und Luxemburg vor der Pleite gerettet worden. Am Dienstag kündigten Frankreich und Belgien an, die Finanzierung des angeschlagenen Instituts sicherzustellen.

Für zusätzliche Unruhe sorgte, dass es bei der Auszahlung der nächsten Hilfstranche aus dem Rettungspaket an Griechenland zu Verzögerungen kommt . Da der Bericht der Troika von EU, EZB und IWF nicht früher vorliege, könne eine Entscheidung nicht wie bisher gedacht schon Mitte Oktober fallen, erklärte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker in der Nacht zum Dienstag. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass es zur Auszahlung kommt.

„Der Markt ist extrem verunsichert,“ sagte Jane Foley, Analystin bei der Rabobank. Die Anleger fürchteten vor allem die Ansteckungsgefahren, die eine Pleite Griechenlands für andere europäische Staaten mit sich bringen könnte.

Viele Investoren suchten angesichts der großen Nervosität ihr Heil in Gold . Der Preis des Edelmetalls verteuerte sich um 0,9 Prozent auf 1670 Dollar je Feinunze. „Gold kann derzeit wieder von seinem Ruf als sicherer Hafen in Krisenzeiten profitieren“, sagte Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg.