Börsen-Bericht

Aussicht auf Bankenhilfe lockt Anleger an die Börse

Anleger hoffen auf staatliche Hilfen für marode Banken und treiben die Kurse hoch. Gespannt warten sie auf den Zinsentscheid der EZB.

Die Aussicht auf staatliche Hilfen für angeschlagene europäische Banken hat die Anleger erneut an den Aktienmarkt gelockt. Der Dax gewann bis zum Mittag 2,3 Prozent auf 5599 Punkte, der EuroStoxx50 legte um 1,7 Prozent zu.

Hoffnung machten den Anlegern Äußerungen von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Er schlug eine koordinierte Aktion der EU-Länder vor, um die Banken zu rekapitalisieren. „Das will der Markt natürlich hören“, sagte ein Händler. Ein anderer Börsianer stellte fest: „Es steigt die Zuversicht, dass die Politik die Probleme im Bankensektor angeht und die Staaten Gewehr bei Fuße stehen.“

Als Reaktion auf Barrosos Vorschlag zogen die Aktienkurse europaweit an, der Euro stieg ebenfalls und kostete gegen Mittag 1,3388 Dollar nach 1,3349 Dollar am Vorabend in New York. Vor allem Finanzwerte waren gefragt, Allianz verzeichneten ein Plus von 5,7 Prozent, Commerzbank und Deutsche Bank stiegen um bis zu 3,8 Prozent. In Paris lagen BNP Paribas 7,7 Prozent im Plus, Credit Agricole gut sechs Prozent. Der europäische Bankenindex kletterte um 3,7 Prozent.

Börsen setzen Höhenflug fort

Bereits am Mittwoch hatten an den europäischen Börsen die Zeichen auf grün gestanden, der Dax hatte rund fünf Prozent gewonnen. „Jeder Schritt am Markt nach oben sorgt für große Erleichterung“, sagte Heino Ruland von Ruland Research. Es finde ein Umdenken statt und die Einsicht setze sich durch, dass die Risikoprämien zu hoch seien.

Im Mittelpunkt des Börsengeschehens dürfte am Donnerstag auch die Sitzung des EZB-Rates stehen, die das letzte Mal vom scheidenden EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet geleitet wird. Analysten erwarten zwar keine Änderung des Leitzinses von 1,5 Prozent , hoffen aber auf Hinweise über die künftige Zinspolitik. Die Zinsentscheidung wird für 13.45 Uhr (MESZ) erwartet, um 14.30 Uhr äußert sich Trichet dann in einer Pressekonferenz.

Weit oben auf den Einkaufslisten der Anleger standen Werte, die besonders abhängig von der Konjunkturentwicklung sind, wie Industrie- oder Autoaktien. ThyssenKrupp verzeichneten ein Plus von knapp fünf Prozent, BMW , kletterten um bis zu 3,3 Prozent.

Im MDax zogen Gerresheimer knapp acht Prozent an. Der Spezialverpackungshersteller hat nach einem Wachstumsschub im dritten Quartal seine Umsatzprognose für sein laufendes Geschäftsjahr erhöht.

Gesprächsthema auf dem Parkett war auch der Tod des ehemaligen Apple -Chefs Steve Jobs . „Apple hat nun niemanden mehr, der so kreativ und ehrgeizig ist wie Jobs, auf den es sich verlassen kann“, sagte Simon Liu, der bei der Fonds-Sparte von Polaris über Investments entscheidet. Die in Frankfurt gelisteten Apple-Titel fielen um 2,4 Prozent.