Wohnungsbau

Gagfah-Mitarbeiter wegen Insiderhandels angezeigt

Kurz vor dem Bekanntwerden einer Milliarden-Klage der Stadt Dresden sollen fünf Mitarbeiter ihre Aktien gut verkauft haben.

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Der Verdacht des Insiderhandels mit Aktien der Gagfah, des größten börsennotierten Wohnungskonzerns Deutschlands, beschäftigt jetzt die Strafverfolgungsbehörden. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat ihre Vorermittlungen jetzt abgeschlossen und Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf gestellt.

Der Verdacht richtet sich gegen fünf nicht genannte Personen, die in Kenntnis einer Milliarden-Klage der Stadt Dresden gegen die Gagfah, ihre Aktien verkauft haben sollen.

Konzernchef William Joseph Brennan, der als Statthalter des Mehrheitsaktionärs Fortress im April 2009 die Führung des Essener Unternehmens übernommen hatte, soll am 3. Februar eigene Aktien im Wert von 4,7 Millionen Euro zum Kurs von 7,50 Euro verkauft haben, bevor vier Wochen später die Klage der Stadt Dresdens öffentlich bekannt wurde und der Gagfah-Kurs abstürzte. Brennan hatte die Vorwürfe energisch zurückgewiesen.

Konzern erkennt keine Verstöße

Der Verwaltungsrat habe die Vorwürfe „mit der gebotenen Sorgfalt selbst untersucht sowie durch eine externe Anwaltskanzlei prüfen lassen“, hieß es gestern in Luxemburg, wo der Konzern seinen juristischen Sitz hat. Hierbei seien „keine Tatsachen bekannt geworden, die den Verdacht einer Straftat begründen.“ Verwaltungsrat und Geschäftsführung würden auch weiterhin mit den Behörden zur Aufklärung der Angelegenheit kooperieren.

Ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang der Strafanzeige. Es sei aber noch unklar, welche Behörde den Fall übernehmen werde. „Die Prüfung der Zuständigkeit ist in diesem Verfahren sehr kompliziert“, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Möllmann. Vor einer Klärung werde man sich deswegen mit inhaltlichen Auskünften zu dem Fall bedeckt halten.

Dem Konzern droht eine Klage der Stadt Dresden. Diese hatte vor fünf Jahren 48.000 Wohnungen an die Gagfah verkauft und sich mit dem Erlös fast völlig entschuldet. Dabei wurde eine Sozialcharta für die Mieter vereinbart, gegen die die Gagfah aus Sicht der Stadt aber verstoßen hat.

Milliarden-Klage der Stadt Dresden

Wegen angeblichen Vertragsbruchs könnte Dresden auf bis zu 1,06 Milliarden Euro klagen – oder es kommt zu einem Vergleich, der trotz vielfältiger Bemühungen nicht in Sicht ist. Die Gagfah hatte immer wieder Gesprächsbereitschaft signalisiert. Welche Kosten auf den Konzern tatsächlich zukommen könnten, ist allerdings offen.

Experten gehen lediglich von einem niedrigen zweistelligen Millionenbetrag als Vertragsstrafe aus, weil bislang nur ein geringer Teil der Wohnungen privatisiert wurde. Die sollten gemäß der vereinbarten Sozialcharta zunächst erst den Mietern zu einem günstigen Preis angeboten werden. Doch dagegen soll der Wohnungskonzern angeblich gleich mehrfach verstoßen haben.

Der Konzern, der 155.000 Wohnungen besitzt, konnte seinen operativen Gewinn im vergangenen Jahr zwar steigern, doch unter dem Strich blieb bei der Bilanz ein Minus von 0,6 Millionen Euro. Die Mieteinnahmen sanken von 486,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 460,1 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg aber auch dank von Wohnungsverkäufen um 47 Prozent auf 348 Millionen Euro. Die Dividende sollte weiter bei 0,10 Cent je Aktie und Quartal liegen.

Dividende ausgesetzt

Das überhaupt eine Dividende gezahlt wird, war angesichts des Modernisierungsstaus umstritten. Sie wurde denn auch in den ersten beiden Quartalen ausgesetzt. Der Finanzinvestor Fortress hatte die Gagfah (Gemeinnützige Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten) 2004 von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte übernommen und seitdem größere Wohnungsbestände in Sachsen und Niedersachsen zugekauft. Der seit 2006 börsennotierte Konzern wurde öffentlich mehrfach kritisiert, zu wenig in seine Wohnungen zu investieren und die Siedlungen stark zu vernachlässigen.

Die Strafanzeige hat den Gagfah-Kurs erneut stark unter Druck gebracht. Das Papier notierte am Donnerstag im Handelsverlauf bei 4,43 Euro etwa fünf Prozent niedriger als am Vortag. Bankanalysten empfehlen den Titel allerdings zum Kauf und sehen den fairen Wert bei 8,00 bis 8,30 Euro.