Investmentfonds

Heuschrecke Geldof schluckt afrikanische Firmen

Sein Name stand bislang für Musik und Hilfsprojekte. Jetzt wird Bob Geldof zum renditeorientierten Investor, der afrikanische Firmen aufkaufen will.

Er kommt tatsächlich eine Stunde lang ohne das F-Wort aus. Offenbar weiß er doch, wann es angebracht ist, gediegen und gesittet aufzutreten. Hier in der Frankfurter Villa Kennedy, einem noblen Fünfsternehotel, ist so ein Moment. Bob Geldof, der gute alte Popstar, will rund 50 geladene Gäste für Afrika begeistern und, wichtiger noch, er will ihr Geld, für einen Eigenkapitalfonds, dem er neuerdings vorsteht. „8 Miles“, heißt der Fonds, denn nur acht Meilen ist Afrika von Europa entfernt.

Doch in den Köpfen sind es oft Lichtjahre. Und genau gegen diese Ignoranz kämpft Geldof seit über 25 Jahren. Alles begann im Jahre 1984, als er vor dem Fernseher in seiner Wohnung im Londoner Stadtteil Chelsea saß und verhungernde Kinder in Äthiopien sah.

Das war der Start seiner Helferkarriere. Er organisierte maßgeblich das legendäre Live-Aid-Konzert von 1985, das parallel in London und Philadelphia stattfand und wo in 16 Stunden alles auftrat, was damals Rang und Namen in der Musikszene hatte. Rund 100 Millionen Euro wurden damals an Spenden für Afrika eingespielt.

Damit gibt sich Geldof heute nicht mehr zufrieden . Diesmal will er eine Milliarde, und die Klientel im Frankfurter Nobelhotel soll das Geld geben. Allerdings soll sie nicht spenden, sie soll investieren. „Für welchen Kontinent prognostiziert der Internationale Währungsfonds für 2012 das höchste Wachstum?“, fragt er ins Publikum, um sich dann selbst zu antworten: „Afrika, 5,4 Prozent“. „Wo wird 2020 die größte Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter leben?“ Natürlich: „Afrika.“ Und: „Wo winken die höchsten Renditen auf Geldanlagen?“ Die Zuhörer kennen die Antwort inzwischen schon.

Organisiert Live Aid

Geldof ist nicht mehr der junge Mittdreißiger, der einst Live Aid organisierte. Die widerspenstigen langen Haare sind längst grau, die Tränensäcke hängen tief, am kommenden Mittwoch wird er 60. Und wenn man ihn so reden hört, wie er volkswirtschaftliche Zahlen herunterrattert, immer eingebettet in nette Geschichtchen und mit exzellenter Rhetorik vorgetragen, dann kommt man leicht auf den Gedanken, dass sich auch der Mensch Bob Geldof gewandelt hat. Aus dem idealistischen Helfer von einst scheint ein mit allen Marketingtricks ausgestatteter Vertreter des Kapitals geworden zu sein, der sich nun auf der Suche nach Rendite den Schwarzen Kontinent krallen will.

Er tut auch nicht allzu viel, um diesen Gedanken zu zerstreuen. Im persönlichen Gespräch, im Anschluss an seine Werberede, gibt er offen zu, dass er 100.000 Dollar pro Jahr für seinen Job als Gesicht des Eigenkapitalfonds erhält. „Hier geht es nicht um Wohltätigkeit, das ist schlicht Kapitalismus“, sagt er. Dennoch findet er nicht, dass er sich verändert hat. Er habe sich nur konsequent weiterentwickelt. „Ich habe gezeigt, dass ich Rockmusiker zusammenbringen kann und dass ich Politiker zusammenbringen kann“, sagt er. „Jetzt sind die Typen aus der Finanzindustrie dran.“ Sein Thema, Afrika, ist das gleiche geblieben, er spannt nur unterschiedliche Leute vor seinen Karren. So sieht er das.

Wohltaten sind keine Lösung

Und dennoch, er gibt auch zu, dass Wohltaten nicht die Lösung für die Entwicklung des afrikanischen Kontinents sind. Einfach nur spenden, so wie in den 80ern, reiche nicht. Wohlstand entstehe am Ende nur durch Handel – und durch Konsum. Das ist das große Thema, auf das der Fonds setzen soll. „Der Anteil der privaten Ausgaben, die zur freien Verfügung stehen, ist in diesem Jahr in Afrika höher als in Brasilien“, sagt er und ist damit wieder auf der Ebene der Zahlenvergleiche. „In Kenia entfallen schon zehn Prozent der Wirtschaftsleistung auf Telekommunikationsdienste, über die dort heute virtuelle Zahlungsdienste im großen Stil abgewickelt werden.“

Afrika sei kein rückständiger, von Hunger und Kriegen zerfurchter Kontinent mehr, will uns Geldof sagen. Es sei eine Region im Aufbruch, in großen Teilen befriedet, zunehmend besser regiert, über weite Gebiete mit mehr Rechtssicherheit als China. Überhaupt China – die Vergleiche mit dem bevorzugten Ziel der Investoren liebt er. „Alle investieren in China, aber haben Sie sich mal gefragt, warum China praktisch ausschließlich in Afrika investiert?“

Am Ende sollen die Investments den Anlegern zwar eine gute Rendite bringen, wie Geldof verspricht. Letztlich geht es ihm aber darum, Afrika zu entwickeln. Arbeitsplätze sollen damit geschaffen werden, den Menschen soll ein Einkommen verschafft werden. Er verspricht sogar, dass in den Firmen, die der Fonds kaufen will, europäisches Arbeitsrecht gelten solle.

Da ist er dann also doch wieder, der alte Idealismus . Allerdings kann man berechtigte Zweifel haben, dass er sich damit auch durchsetzen kann. Jedenfalls versichert er aber, dass ihm die Menschen wichtig sind. „Die Menschen brauchen das ‚fucking money‘, um damit Familien aufzubauen“, appelliert er. Da ist es also doch wieder, das F-Wort. Wenigstens in seiner Sprache hat sich Geldof dann doch nicht verändert, auch wenn er gelernt hat, dies im richtigen Moment zu verbergen.

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