Börsen-Bericht

Steigende Anleihe-Renditen machen Dax zu schaffen

Höhere Zinsen auf Staatsanleihen und das mögliche Scheitern der Gespräche zum US-Schuldenabbau drücken Dax kräftig ins Minus.

Die Schuldenprobleme dies- und jenseits des Atlantiks haben die Anleger an den europäischen Aktienmärkten in Atem gehalten. „Der Markt realisiert, dass die ganze Welt im Schuldensumpf steckt“, sagte ein Händler. Der Dax verlor im Handelsverlauf bis zu 3,2 Prozent auf 5615 Zähler. Der EuroStoxx50 rutschte in der Spitze um 2,7 Prozent ab. Die Zinsen für zehnjährige französische, spanische und italienische Anleihen zogen weiter an.

Geschürt wurde die Nervosität von der Warnung Moodys’s an Frankreich . Die Ratingagentur erklärte, das Land könnte seine Spitzen-Bonitätsnote „AAA“ verlieren, sollten die erhöhten Finanzierungskosten für längere Zeit anhalten und die Haushaltsschwierigkeiten damit verschlimmern.

US-Gespräche über Schuldenabbau vor dem Scheitern

Gleichzeitig spitzte sich auch die Schuldenmisere in den USA zu: Die Gespräche zum US-Defizitabbau sind nach Reuters-Informationen gescheitert – das von Präsident Barack Obama im September eingesetzte „Super-Komitee“ sollte Einsparungen für die nächsten zehn Jahre im Volumen von 1,2 Billionen Dollar ausloten.

Das Defizit der USA erreichte vergangene Woche 15 Billionen Dollar – so viel wie die gesamte Wirtschaftsleistung. „Europa ist nicht allein mit den Schuldenproblemen. Die USA sind in einer politischen Sackgasse“, sagte David Thebault, Chef-Händler bei Global Equities.

Misstrauen gegenüber südeuropäischen Anleihen

Der Sieg der Konservativen bei den Parlamentswahlen in Spanien konnte an der unsicheren Grundstimmung ebenfalls nichts ändern. „Die absolute Mehrheit verheißt zwar Gutes bezüglich der Umsetzung von Reformen. Aber: Wie wir bereits mehrfach betont haben, werden diese Maßnahmen kaum ausreichen, um sich gegen eine Ansteckung abzusichern“, hieß es in einem Kommentar der Rabobank.

Die Renditen der spanischen Anleihen kletterten bis auf 6,603 nach 6,403 Prozent im späten Freitagsgeschäft. Italienische Papiere näherten sich mit einem Zins von 6,826 Prozent wieder der kritischen Sieben-Prozent-Marke und französische Bonds rentierten in der Spitze bei 3,622 (Freitag: 3,481) Prozent.

Steigende Zinsen sind ein Zeichen für das wachsende Misstrauen in die Zahlungsfähigkeit dieser Länder. Die Marke von sieben Prozent gilt als Obergrenze für eine auf Dauer tragfähige Refinanzierung an den Kapitalmärkten. „Solange bei den Renditen keine Entspannung in Sicht ist, werden sich auch die Aktienmärkte nicht beruhigen, denn jeder weiß, dass das auf Dauer nicht gutgehen kann“, sagte ein Händler.

Finanzwerte auf Talfahrt

Besonders deutlich auf Talfahrt gingen die Finanzwerte – der europäischen Branchenindex verlor 2,6 Prozent. Vor allem französische Institute kamen unter Verkaufsdruck: Die Aktien von BNP Paribas und Societe Generale verbilligten sich um mehr als fünf Prozent. Im Dax rutschten die Commerzbank mit bis zu 5,5 Prozent auf ein Rekordtief 1,37 Euro. Die Deutsche Bank verbilligte sich um 4,7 Prozent auf 25,70 Euro, den niedrigsten Stand seit fünf Wochen.