Kfz-Versicherungen

In diesen Städten sparen Autofahrer am meisten

Nach jahrelanger Rabattschlacht werden Auto-Policen erstmals wieder teurer. Doch wer genau hinschaut, kann eine Menge sparen.

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Das Ende der Fahnenstange ist erreicht: Nach langen Jahren des Preiskampfes um die günstigsten Tarife für Auto-Versicherungen und immer billigeren Policen, steigen in diesem Jahr erstmals wieder die Beiträge. Zu ruinös war der Wettbewerb der Versicherer in den vergangenen Jahren, die immer wieder versucht haben, sich mit Billigangeboten zu übertrumpfen , bis sogar ein Anbieter, Ineas LadyCar, im vergangenen Jahr pleite ging.

Trotz oder gerade wegen steigender Prämien werden viele Autofahrer den Anbieter wechseln. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rechnet mit einer Wechselbewegung von sechs Prozent – bei rund 38 Millionen Privatfahrzeugen in Deutschland wären das etwas mehr als zwei Millionen Versicherungswechsler.

Grund genug für die Versicherungen, weiterhin zahlreiche neue Tarife zu stricken – die zwar insgesamt etwas teurer werden als in den Jahren zuvor, doch längst nicht für alle Fahrer. Um wie viel die Preise durchschnittlich steigen, darüber sind sich die Experten nicht ganz einig.

Von ein bis zwei Prozent geht der GDV aus. Marktbeobachterin Ivana Höltring jedoch sieht das anders: „Über den ganzen Markt verteilt dürfte der Anstieg bei etwa fünf Prozent liegen“, sagt die Geschäftsführerin der Nafi-Unternehmensberatung, die vor allem für Versicherer Vergleichszahlen sammelt.

Bemerkbar macht sich vor allem die Neuordnung der Schadenfreiheitsklassen (SF-Klassen), mit denen Autofahrer für unfallfreie Jahre am Steuer belohnt werden. Einige Versicherungen haben das neue SF-System bereits eingeführt, andere ziehen zum Jahresbeginn 2012 nach. Mit den neuen SF-Klassen haben die Versicherer vor allem zwei Zielgruppen im Auge: die ganz jungen Fahrer und die Routiniers.

Während junge Führerscheinfrischlinge mit eigenem Auto bislang mit 240 Prozent Beitragssatz für die eigene Police oder 140 Prozent für eine Police, die über die Eltern lief, einstiegen, haben die Versicherer für die niedrigen SF-Klassen den Satz radikal gesenkt. Manche Einsteigerpolice ist inzwischen für 95 Prozent Beitragssatz zu haben. Das spiegelt sich nicht vollständig in quasi halbierten Prämien wider, weil es andere Aufschläge für junge Fahrer gibt, aber dennoch wird die Absenkung im Portemonnaie deutlich spürbar. „Und vor allem bietet sie einen Anreiz für die jungen Fahrer, sich von Anfang an mit einer eigenen Police zu versichern“, sagt ADAC-Versicherungsexperte Jochen Oesterle.

Bislang habe man jungen Fahrern eher „Abschreckangebote“ bei der Kfz-Versicherung gemacht, weil sie als potenzielle Unfallfahrer galten. Doch nun hat in der Branche ein Umdenken begonnen, die jungen Fahrer werden als zukunftsträchtige Zielgruppe umworben.

Auch ältere Fahrer profitieren

Profitieren von den neuen SF-Klassen können vor allem auch ältere Fahrer, die seit langer Zeit keinen Schaden an ihrem Fahrzeug gemeldet haben. War bisher bei SF-Klasse 25 für 25 unfallfreie Jahre und 30 Prozent Beitragssatz Schluss, so werden Fahrer neuerdings mit der SF-Klasse 35 und einem Beitragssatz von 20 Prozent für viele unfallfreie Jahre belohnt.

„Das wirkt sich erheblich aus“, sagt Marktbeobachterin Höltring. „Damit können diese Fahrer noch einmal bis zu einem Drittel ihrer Prämie sparen.“ Irgendwo allerdings muss die durchschnittliche Erhöhung der Prämien hängen bleiben. „Da trifft es den großen Mittelbau“, sagt ADAC-Experte Oesterle. „Wenn die einen sparen, muss das ja jemand gegenfinanzieren.“ Bereits in den vergangenen Jahren habe sich abgezeichnet, dass die Autopolicen bei vielen Versicherern ein Zuschussgeschäft geworden sei.

„Schadenkostenquoten von 107 Prozent sind keine Seltenheit“, hat Oesterle festgestellt. „Das kann auf Dauer nicht gut gehen.“ Und so werden jene ganz normalen Fahrer, die nicht mehr besonders jung, aber auch noch nicht so alt sind, dass sie seit Jahrzehnten unfallfrei fahren, zur Kasse gebeten.

Und während in den vergangenen Jahren Bestandskunden von ihren Versicherern tunlichst in Ruhe gelassen wurden, um keine schlafenden Hunde zum Wechsel zu wecken, bekommen dieser Tage viele von ihnen unschöne Post, die einen Anstieg der Prämie für ihre Auto-Police ankündigt. Eine „leichte Anpassung der Prämien der Altbestände“, heißt es dazu aus dem Hause HUK. Wer dieser „Anpassung“, die viele Versicherung in diesem Jahr vorsehen, aus dem Weg gehen will, hat ein Sonderkündigungsrecht .

Dann gilt nicht der 30. November als Stichtag zum Wechsel, sondern eine vierwöchige Frist ab der Zustellung der Tarifänderung. „Fahrer mit schlechten Risiken werden in diesem Jahr allerdings kaum einen Versicherer mit günstigeren Konditionen als den bestehenden finden“, warnt Nafi-Geschäftsführerin Höltring.

Der Vergleich auf eigene Faust ist schwerer geworden. Etwas mehr als 300 unterschiedliche Tarife von fast 90 Versicherern gibt es auf dem Markt. Die Stiftung Warentest hat in ihrem jüngsten Test jedoch festgestellt, dass die Preisunterschiede bei gleichen Leistungen enorm sein können. Das teuerste und das günstigste Angebot lägen oft mehrere hundert Euro auseinander, heißt in der Novemberausgabe von Finanztest. „Auch der Anruf beim eigenen Versicherer ist zu empfehlen, vielleicht gibt es einen neuen Tarif, in den ein Wechsel lohnt“, rät Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Gerade wenn Kunden von Preiserhöhungen betroffen seien, sollten sie nicht blind zum nächst billigen Anbieter wechseln. „Die ganz günstigen haben oft die Leistungen abgespeckt“, warnt Weidenbach. „Über den Preis allein sollte niemand die Auto-Versicherung auswählen."