Leserfrage

Darf man bei Hausschwamm den Vertrag lösen?

Wer eine Immobilie "gekauft wie gesehen" erwirbt, geht ein Risiko ein. Nur wenn Mängel arglistig verschwiegen wurden, gibt es einen Ausweg.

Frage: Ich habe einen Dachgeschossrohling erworben. Bei den ersten Sanierungsarbeiten wurde offenbar, dass sich in der Immobilie der Hausschwamm eingenistet hat . Gibt es wegen der immensen finanziellen Risiken die Möglichkeit eines Rücktritts vom Kaufvertrag, auch wenn der Vertrag "gekauft wie gesehen" vorsieht? Kann ich die anderen Eigentümer an der Sanierung finanziell beteiligen?

Antwort: Im notariellen Kaufvertrag wurde offensichtlich festgelegt, dass das Objekt gekauft wie besichtigt ist unter Ausschluss der Gewährleistung. Gewährleistungsansprüche könnten dann nur geltend gemacht werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Verkäufer den Mangel arglistig verschwiegen hat. Dies dürfte umso schwieriger werden, sollten Sie vorher einen Gutachter beauftragt und dieser nichts festgestellt haben.

Dann müsste man einen verlässlichen Zeugen oder beweiskräftige Unterlagen haben, wonach der Verkäufer vom Mangel definitiv Kenntnis hatte. Die Sanierung des Gemeinschaftseigentums ist Sache der Wohnungseigentümergemeinschaft.

Die Deckenbalken gehören zum Gemeinschaftseigentum. Sollte es jetzt oder in Zukunft zu anderen Schäden am Gemeinschaftseigentum kommen, wären Sie hier mit zur Behebung verpflichtet. Wenn Sie jetzt den Schaden am Gemeinschaftseigentum allein beheben, dafür in Zukunft nicht an anderen Schäden teilhaben wollen, bedarf es einer verbindlichen Vereinbarung mit sämtlichen Miteigentümern. Wenn die Vereinbarung auch für künftige Miteigentümer Gültigkeit haben soll, wäre auch eine Eintragung der Vereinbarung im Grundbuch erforderlich.

Norbert Schönleber ist Rechtsanwalt und Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien des Deutschen Anwaltvereins .